Alben für den Sommer
Markus, 22.7.2011
   Passend zu den aktuellen Gegebenheiten – die heißeste Jahreszeit hält Stadt und Land fest in ihrem wärmenden Würgegriff – wollen wir unseren klugen Leserinnen und schönen Lesern drei mehr oder minder aktuelle Outputs zur gelungen Beschallung für die unterschiedlichen Anlässe des Sommers ans Herz legen. Für ein Ratgeber-Magazin wie das unsere geradezu obligatorisch. Stürzen wir uns also gleich mit Freude hinein wie glucksende Kinder ins kühlende Nass!

FISHING FOR WOOS
Bowling for Soup

   Dem ehernen Grundsatz des Benimm­leit­satzes "Alter vor Schönheit" folgend werfen wir die Spots zunächst auf Bowling for Soup und visieren damit genau richtig. Denn die bladeste Funpunk-Band aller Zeiten ist erstens nix fürs Aug und zweitens schon reiferen Alters. Lang­jähr­igen Besucherinnen und Besuchern unsere Seite sind die vier Spaßlaberln aus Wichita Falls/Texas zweifelsfrei gute alte Bekannte. Rechtzeitig zu Sommerbeginn offerierten sie uns ihr insgesamt neuntes Studioalbum "Fishin` for woos" und liefern damit quasi die sichere Bank. Line up-Wechsel? Fehlanzeige. Gewichts- oder Humorverlust? Wo kämen wir denn da hin! Musikalische Weiterentwicklung oder gar Innovation? Ich bitt` sie! Die AC/DC des Funpunk haben es noch immer am liebsten einfach gestrickt und fröhlich gehäkelt. Und ja, das könnte in geballter Ladung manchmal dröge Langeweile hervorrufen. Hätten sie nicht noch immer eine routinierte Hand für die sonnige Hookline und den obligaten Singalong an sich. Beweise? Aber natürlich! "Girls in Ameri­ca", eine (inhaltliche) Hommage an die ultimative Strandbench­mark schlechthin, nämlich "California girls" der Sonnen-Zampanos von den Beach Boys. Wie es sich gehört mit Backg­round-­Woos garniert (siehe Titel) und einem Text den auch sprachliche Dumpfnasen wie wir sinnerfassend verstehen können. Wer sich da nicht akkurat die Schwimm­flügerl über die Arme stülpen möchte, dem ist vermutlich nicht mehr zu helfen. Nach dem Abfeiern der holden Weiblichkeit das Abfeiern des allseits beliebten Samstagabends, logisch betitelt mit "S-S-S-Saturday". Hacke 9 to 5 und eher madig, Samstag hingegen superspitze! Wir glauben, den Sänger verstanden zu haben und freuen uns einen Haxen aus. Nächster Heuler "Here`s your freaking song". Main-Riff eindeutig von Andrew W.K.`s "Party Hard" geflaucht. Allerdings mit erheblich weniger Attack am Pickup und damit im Vergleich zum Original des New Yorker-Partyberserkers deutlich Radio-tauglicher aufgerüscherlt. Trotzdem würdig und recht. "Smiley face" eher von der getragen spaßigen Sorte. Setzt sich inhaltlich mit dem Wunsch auseinander, die (angehende) Freundin endlich nackerbatzig zu Gesicht zu bekommen und trifft damit genau ins Sommerloch, in welchem nackte Haut ja grundsätzlich Mangelware ist. Die zwei letzten Anspieltipps: "I´ve never done anything like this", bei dem Bowling for Soup einmal mehr voll bei der Sache sind und das subtil betitelte "Friends chicks guitars", in dem sie textlich ein erschütterndes Horrorszenario an die Wand malen, das durch seine naturalistische Lebensnähe unangenehme Beklemmung verursacht: leiwande Freunde, fesche Damen, amtliche Musik, alles da – ans Bier hat jedoch keiner gedacht! "Eins brauch i ned: das uns heut des Bier ausgeht!", wie ein lieber Freund weiland gerne zu sagen pflegte.

Abschließend die Frage: Dürfen rüstige Anfang Vierziger eigentlich noch derart juvenile und von flachwurzelnden Blödellyrics befeuerte Musik auf ein Album bannen? Hmnaja, es schlittert fraglos stramm an der Peinlichkeitsgrenze entlang. Vorläufig nicken wir es allerdings ab, weil BFS halt wirklich charmante Kampeln sind und dem im sommerlichen "Mute" schlummernden zerebralen Arbeitsspeicher mit derartigen "Feeds" wenigstens nicht die Überhitzung droht. "Fishin`for woos" sollte daher während der Errichtung von Sandburgen sowie beim Aufblasen der Luft­matratze unbedingt auf die Playlist gesetzt werden.


EVERYTHING TAKES FOREVER
Attention

   Nächster Anspieltipp die Buben von Attention, auf diesen Seiten bereits vor rund einem Jahr mit ihrem letzten Long­player "Through the wire" vor­ge­stellt. Das Album "Everything takes forever" ist zwar nicht mehr ganz aktuell (2009), soll aber aufgrund seiner Schönwetter-Qualitäten nachträglich hier noch einmal wohl­wollend erwähnt werden. Im Vergleich zu BFS wird hier zwar ebenfalls relaxed, allerdings durchaus erwachsener gerockt. Wie schon in der Review zu "Through the wire" angemerkt, spielen Attention eine Art des Rock`n`Roll, die sie in unmittelbarer Nachbarschaft zu Lit siedeln lässt. Da deren nächstes Langspielwerk – trotz verheißungsvoller Vorboten aus Fullerton/CA - wohl noch ein wengerl brauchen wird, können sich Interessierte mit "Everything takes forever" hervorragend die Zeit verkürzen. Von Atmo, Riffs und Hooks klingt`s über weite Strecken eben sehr nach den großen Söhnen Orange Counties und besticht trotz der fehlenden Eigenständigkeit durch unerhört solides und zutiefst gelungenes Songwriting. Wie auch auf "Through the wire" präsentiert "Everything takes forever" nämlich keinen einzigen Ausfall. Eines der wenigen Alben neueren Datums, die man von vorn bis hinten durchhören kann, ohne sich ein einziges Mal beim Skippen zu ertappen. Lieder einzeln zu nennen ist in diesem Fall völlig überflüssig, denn sie sind alle gut. Wohl austariert zwischen gedämpfter Aggressivität, nachdenklicher Sommermelancholie und lässigem Abhängen.

Selbst die Schmachtfetzen und Semiballaden sind keine viertelinspirierten, auf Airplay reflektierenden Pausenfüller, sondern einfach nur schöne Nummern, die das Herzerl mit hübschen Melodiebögen und kitzelndem Spannungsaufbau sanft massieren. Die großen Vorbilder bekommen das alles eigentlich nicht viel besser hin. Daher würden wir zum Minigolfen und Auto einwachsen Attentions "Everything takes forever" reichen.


BETWEEN THE DEVIL
AND THE DEEP BLUE SEA
Black Stone Cherry

Mit Black Stone Cherry die einzigen "Neueinsteiger" unter unseren Empfehl­ungen und gleichzeitig die Jüngsten im Bunde. Diese Truppe hat ihre Wurzeln in Edmonton/Kenntucky und das hört man ihnen durchaus an. Nach Funpunk und Modern Rock haben wir es hier also mit Südstaatlern zu tun, die Southernrock inspirierten Metal unter Einbeziehung neurockiger Versatzstücken zum Besten geben. Die offensichtlichsten Einflüsse sind jedenfalls die Alabama-Uropas von Lynyrd Skynyrd sowie Zaak Wylde`s Black Label Society. Erinnerungen an C.O.C. oder auch Salivas "Survival oft the sickest"-VÖ werden ebenso abgerufen. Obwohl alle vier Musikanten von Black Stone Cherry noch ziemliche Rotzlöffel sind, machen sie trotzdem Musik als hätten sie schon ganz wuschlerte Bärte an ihren Backen. Der hohe Reifegrad ihrer Musik hat seine Ursache vermutlich darin, dass Black Stone Cherry schon seit frühester Jugend miteinander gemeinsame Sache machen. Gefördert von verständnisvollen Pädagogen und musikerfahrenen Eltern wurde bereits zu Junior-High-Zeiten die Garage gerockt. "Between the devil and the deep blue sea" ist daher bereits ihr drittes Album. Mit den beiden Vorgängern "dto." (eher hart und heftig) und "Folklore and superstition" (eher entspannt und bluesig) ergatterten BSC über gute Verkaufszahlen Support-Aufträge für u.a. Nickelback, Motörhead, Def Leppard oder eben die Black Label Society. "Between the devil and the deep blue sea" wird dem noch eins draufsetzen, bietet es doch eine krosse Schnittmenge der beiden Vorgänger, die sämtliche Stärken der Band zwischen hart sowie zart gelungen miteinander verwebt. Folglich darf die Band seit kurzem auch im alten Europa einschlägige Musikkanäle bespielen, wo sie auch von entdeckt wurde. Angesichts tight rhythmisierter, dennoch melodischer Riffgewitter wie "Such a shame" oder "Change", rumpelnder Bluesmetaller wie "White trash millionaire" oder "Shake", sowie hübscher, balladesker Roadsongs typisch amerikanischer Machart wie "In my blood" oder "Like I roll", muss man sich um die Zukunft der vier Kenntucky-Boys tatsächlich keine Sorgen machen. Sehr stimmig das.

Sollte die Grillung gebeizten Fleisches, das Erschlagen von Gelsen in der Hitze der Nacht und das Bräunen des linken Ärmels während der Urlaubsfahrt gelungen musikalisch abrunden. Unbedingt austesten! mk









Links:
Bowling For Soup
Attention
Black Stone Cherry

Videos:
› BFS: Saturday, Turbulence
› Black Stone Cherry: WTM

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