5 besoffene Profis aus Schweden: Hellacopters
W-Bär, 15.12.2003
5 Männer, 10 Eier …

   Eins gleich vorweg: Die Hellacopters sind eine waschechte Rock Band. Sie scheren sich einen Dreck darum was cool und hip ist und schon allein aus diesem Grund rauchen sie alle momentan agierenden Ami-Rockbands genüsslich in der Pfeife. Zugegeben: sie haben das Rad natürlich nicht gerade neu erfunden. Nüchtern betrachtet könnte man das Ganze eher als eine konsequente Fort­setzung des musikalischen Erbes von Kapellen wie den Yardbirds und den Rolling Stones betrachten - nur eben kantiger, roher, ungestümer und mit mehr Eier, also schlicht und einfach leiwander.

Lange Haare, lange Nächte

   Die beiden Oberhellacopters Nicke Royale und Kenny Hakansson kennen sich bereits eine halbe Ewigkeit. Bereits in frühen Schuljahren trafen sie sich regelmäßig um ihren damaligen Lieblingsbands Kiss, den Ramones und Slayer Tribut zu zollen, in dem sie deren Liedgut aufs derbste coverversionierten. Bevor die Hellacopters 1994 gegründet wurden, verdingte sich Nicke Royale als Zeugler und Songschreiber für die Death Metal Combo Entombed. Klingt unglaublich, ist aber so. Als ihm dann irgendwann fad wurde, fragte er drei seiner ehemaligen Roadies, ob sie denn nicht ein wenig mit ihm jammen wollten. Und sie wollten!

Die große Warterei

   In den meisten Fällen läuft es folgen­der­maßen ab: ein Großteil der Bands, die unbedingt bei einem der Major-Labels unterkommen wollen, schreiben ein wenig Musik und warten darauf unter Vertrag genommen zu werden. Dann wird gewar­tet bis die Kohle für die Plattenproduktion auf dem Tisch liegt, und anschließend wird noch einmal gewartet bis die Platte veröffentlicht wird. Verdammt viel War­terei. Und die Warterei führt meistens dazu, dass zuviel nachgedacht wird. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für schweißtreibenden, geradlinigen Rock'n'Roll. Die Hellacopters pfeifen aufs Warten und produzieren Alben und Singles bis der Arzt kommt.
   Schreiben, aufnehmen, rausbringen und das so oft wie möglich. Es gibt bereits dermaßen viele Hellacopters-Alben, Singles und Compilations, dass selbst Hardcore-Fans nur schwer den Überblick behalten. Ein kleines Beispiel: für die letzte Platte "By the Grace of God" wurden insgesamt 20 Nummern aufgenommen. 13 haben's auf die Platte geschafft und trotzdem wurden sofort 4 weitere Songs für diverse B-Seiten produziert. Außerdem gibt's seit kurzem auch noch die "Cream of the Crap: Collected Non-Album Works - Volume 1" auf der sich 18 Kompositionen befinden, die es nie auf einen regulären Studio-Output geschafft haben. Vol. II und III sind bereits in Arbeit. Fast schon beängstigend diese Arbeitswut.

Even Hookier ...

    Und sie werden dazu auch noch älter und reifer! Zwischen ihrer ersten 7"-Single "Killing Allan" bis zum letzten regulären Album "By the Grace of God" liegen Welten. Waren die ersten beiden Studioalben noch feedback­geräusch­ver­seuchte Kracher bzw. etwas später dann astreine Kiss-Plagiate geben sich die Höllenkopter seit "High Visibility" gera­dezu zahm und melodiös. Die lärmenden Garagensounds nehmen zusehends ab und werden durch straighte Riffs und ohrwurmtaugliche Hooks ersetzt. Und das da noch einiges auf uns zukommen wird beweist die Tatsache, dass auf der letzten Platte erstmals auch Beiträge von Orgel- und Klampfenhellacopter Anders Lindström (aka Boba Fett) vertreten sind. Man darf also gespannt sein. W-Bär





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Discography:
(1996) Supershitty to the Max
(1997) Payin' the Dues
(1999) Grande Rock
(2000) High Visibility
(2002) Cream of the Crap! Vol. 1
(2002) By the Grace of God
(2004) Cream of the Crap! Vol. 2
(2004) Strikes the Lightning
(2005) Rock & Roll is dead

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