Plan 9 from Outer Space
W-Bär, 27.1.2003
   Das Schicksal der Erde ist durch den "Plan 9" einer außerirdischen Macht bedroht. Die Extraterrestrischen ver­suchen - nachdem die ersten acht Pläne gescheitert sind - mittels der elektrischen Wiederbelebung Toter eine Invasion des blauen Planeten. Die Unoten stehen aus ihren Gräbern auf und verbreiten Angst und Schrecken unter den Lebenden. Doch ein überaus heldenhafter Pilot kann die Katastrophe verhindern und die Erde und ihre Bewohner retten.
   "Plan 9 from Outer Space" ging als schlechtester Film aller Zeiten und Ed Wood mit ihm als schlechtester Regisseur in die Filmgeschichte ein. Und tatsächlich macht "Plan 9" diesem Titel alle Ehre. Mit von der Partie sind die schreckliche Vampira, der berühmteste weibliche Zombie des amerikanischen Fernsehens der 50er Jahre, der ehemalige Ringer Tor Johnson und der einstige Hollywoodstar Bela Lugosi. Allerdings starb Lugosi zwei Tage nach Drehbeginn. Um die zwei Minuten Dreh-Material zu retten, die Ed Wood von seinem Freund Lugosi besaß, setzte er den Chiropraktiker seiner Frau als Double ein, der sich ständig ein schwarzes Cape vor das Gesicht hält und vampirgleich durch die Szenerie schleicht, obwohl es sich bei "Plan 9" mitnichten um einen Vampirfilm handelt. Doch dies ist nur einer der unzähligen Schnitzer, die diesen Film zum Kultmachwerk des genialen Amateur-Regisseurs Ed Wood werden ließen: Nahtlose Tag-Nacht-Übergänge, aus der Fassung geratende Außerirdische, wankende Friedhofskreuze und an gut sichtbaren Fäden über Hollywood schwebende Ufos machen den Film zu einem überaus vergnüglichen Stück Filmgeschichte ...

   "Haltet ihr Herz die schock­ier­en­den Tatsachen über die Grabräuber aus dem All aus?" Schöner Einstieg in den Kult­klassiker "Plan 9 From Outer Space". Nachdem die ersten acht Pläne zur Welteroberung durch ein paar Aliens aus dem Weltall fehlschlugen, hat man sich extra­terrestrisch auf "Plan 9" geei­nigt. Der Plan: die Toten sollen aus ihren Gräbern geholt werden und die lebenden Stupid Minds der Menschen zu Tode erschrecken. Klingt doch gut, oder? Das Raumschiff der beiden Außerirdischen Eros und Tanna landet also auf einem kalifornischen Friedhof, wo umgehend die ersten Untoten mittels Laserkanone wiedererweckt werden. Insgesamt kommen die Außerirdischen auf drei Untote. Diese durchpflügen immer wieder die selben Friedhofsecken und versuchen die Lebenden zu erschrecken. Als die Freundin eines Piloten entführt wird, werden dieser und die Polizei aktiv und stürmen das Raumschiff. Innerhalb kürzester Zeit wird das außerirdische Pärchen durch gezielte Hiebe schachmatt gesetzt. Und die Piloten-Freundin befreit. Irgendwie beginnt dann das Raumschiff beim Abflug zu brennen und die Erde ist wieder mal gerettet. So viel zum Inhalt, der aber im Vergleich zu den eigentlichen Highlights des Films ohnehin zweitrangig ist: "Plan 9 From Outer Space" liefert die genialsten Ausrutscher der Filmgeschichte ...

R.I.P. Bela Lugosi

   Pech für Ed Wood: Sein Star Bela Lugosi hielt sich nicht an das Drehbuch und starb nach nur nur 2 Drehtagen und wurde kurzerhand durch einen Doppelgänger ersetzt, der leider um etliches größer war als der Horror-Star und diesem absolut nicht ähnlich sah. Die grenzgeniale Lösung des Dilemmas: Das Double wurde entweder von hinten gefilmt oder hielt sich einfach den Umhang vor das Gesicht.

Das Drehbuch

   Das Drehbuch wurde von Ed Wood angeblich in einer Nacht gezaubert. Der Schlafmangel könnte einiges erklären: Im Film werden zum Beispiel Untote erschossen - was an sich schon kein leichtes Unterfangen ist. Die Dialoge passen oft nicht mit dem Leinwandgeschehen zusammen: So behauptet ein Mann, die Ufos hätten eine zigarrenähnliche Form, tatsächlich sind die Dinger aber rund, etc. Und wenn dann der Regisseur innerhalb von wenigen Sekunden völlig ungehemmt zwischen Tag und Nacht wechselt, belastet dies das gesunde Zeitempfinden des durch und durch abgebrühten Trash-Movie-Fans doch auch empfindlich.

Die Ausstattung

   Die Ausstattung ist auch gut für einige Schmankerl: so sieht das Innere des Ufos wie ein Bungalow aus. Ausgestattet mit ein paar alten Holztischen und Radios aus den 50er Jahren. Die Ufos sind in Wahrheit Cadillac-Radkappen, an Klavier­drähten aufgehängt. Leider sind die Drähte gut sichtbar, sodass keine Sekunde auch nur die Illusion einer fliegenden Untertasse aufkommt. Die Radkappen, sorry Ufos, werfen übrigens auch noch Schatten im All.

Die Belegschaft

   Eine skurrile Schar an Leuten findet sich in Ed Woods Meisterwerk: ein Baptistenprediger, ein schwedischer Catcher, eine TV-Horrorshow-Moderatorin namens Vampira, der Chiropraktiker von Ed Woods Frau und ein abgetakelter, drogenabhängiger Horror-Star namens Bela Lugosi. Übrigens: Edward Wood ließ sich und seine Film-Crew in einem Swimming-Pool von seinem befreundeten Ex-Baptistenprediger J. Edward Reynolds zu Baptisten taufen. Dafür bekam Wood Geld für die "Plan9"-Produktion von der Baptistengemeinde.

Ed Wood-Biographie

   Edward D. Wood wurde am 10. Oktober 1924 in Poughkeepsie, New York, ge­boren. Schon früh wusste er, was er machen wollte: Filme. Dieses Ziel ver­fol­gte Wood mit unglaublichem Enthu­sias­mus bis an sein Lebensende. Er starb am 10. Dezember 1978 in North Hollywood, Kalifornien, an Herzversagen und hinterließ der Welt unter anderem den angeblich schlechtesten Film aller Zeiten.
   Seine Karriere als Filmemacher verlief spektakulär unerfolgreich. Eddy Wood kämpfte im 2. Weltkrieg, wobei er laut eigenen Angaben BH und Spitzen-Höschen unter seiner Uniform trug. Nach dem Kriegsdienst versuchte er in der Filmindustrie Fuß zu fassen. 1948 drehte er seinen ersten Film, 1953 gelang ihm mit "Glen or Glenda" (der Film basiert vage auf dem Geschlechtswechsel von Christine Jorgensen) ein zum Teil sehr autobiographisch gefärbter Film zum Thema Transvestismus. Für die frühen 50er Jahre in den USA an sich ein sehr gewagtes Thema. Edward Woods Freundschaft zu Bela Lugosi verschaffte ihm einen Star-Namen für seine späteren Filme: Lugosi spielte in "Bride of the Monster" und "Plan 9 From Outer Space" (1958) mit, wobei für "Plan 9" nur einige Sekunden Footage-Material von Bela Lugosi zur Verfügung standen. Kein Problem für Wood. Er bastelte rund um die paar Sekunden "Bela Lugosi beim Blumenpflücken" einen ganzen Film mit unglaublich untalentierten Schauspielern. Und so wurde "Plan 9 from Outer Space" zum schlechtesten Film aller Zeiten.
   Edward Wood mangelte es nicht an der Liebe zum Film, sondern leider einfach am Talent. Sein beinahe fataler Drang, bei spannenden Szenen Stock-Footage eines einschlagenden Blitzes zu verwenden (sollte die Dramatik unterstreichen), kill­ten jeden Versuch, Ed Wood als Filme­macher ernst zu nehmen. Woods Karriere endete im Porno-Milieu. Am Ende seiner Schaffensperiode produzierte er nur mehr Soft- und Hardcore Pornos: ebenfalls wenig erfolgreich. Nach seinem Tod kam er dann dennoch zu Kultehren. Als Re­gisseur des schlechtesten Films aller Zeiten ist er heute bekannter als zu seinen Lebzeiten. 1994 drehte Tim Burton schließlich einen Film über Ed Woods Leben (und seine Vorliebe für Angora Unterwäsche). Und ehrte ihn damit posthum. Völlig zu Recht.

Ausführliche Biografie

   Geboren: 10.10.1924 in Poughkeepsie/New York, Gestorben: 10.12. 1978 in North Hollywood/Kalifornien, Golden Turkey Life Achievement Award Winner

  Mit sieben Jahren sah er seinen ersten Horrorfilm: Dracula mit dem Ungarn Béla Lugosi. Zwei Jahrzehnte später würde er Lugosi in Hollywood treffen und den alten Mann in seinen eigenen Filmen einsetzen: ein Zweckbündnis der unheimlichen Art, denn sie beide waren auf dem Weg nach unten. Aber erst wurde Wood als Gefreiter im südwestlichen und mittleren Pazifik stationiert, verwundet und 1946 als Korporal aus der Marine entlassen. In einem Wanderzirkus trat er als Zwitterwesen und Kretin auf, bevor er nach Hollywood kam. Bei Monogram Pictures lernt er den Kameramann Ray Flin kennen. Mit ihm und einigen frischgebackenen Freunden dreht er den Amateur-Western "Crossroads of Laredo". 1950 trat er in Sam Fullers "The Baron of Arizona" als Stunt-Double in Frauenkleidern auf. 1952 schrieb er für seinen Freund Alex Gordon das Drehbuch für "The Lawless Rider", einen anderen Western mit dem fünftklassigen Cowboystar John Carpenter (nicht zu verwechseln mit John Carpenter, dem Regisseur von "Halloween"). Ein Jahr später drehte er seinen ersten Profi-Film: "I Changed My Sex" oder "Glen or Glenda".
   Der Streifen entstand sehr frei nach dem Schlagzeilen machenden Fall einer Geschlechtsumwandlung (Christine Jorgenson). Wood spielte, unter dem Pseudonym Daniel Davis, einen leidenden Transvestiten, der er übrigens auch im Privatleben war. Aber es fehlte ein Star. Da lernte er durch Alex Gordon Lugosi kennen, der dringend Geld brauchte, und baute ihn als göttlichen Puppenspieler, der menschliche Schicksale manipuliert, in seinen Film ein. Für 500 Dollar saß Lugosi einen Tag lang in einem großväterlichen Lehnstuhl und blickte herab auf fiktive Menschenmassen und Highways:

»Die Welt ist schon ein seltsamer Platz. All diese Autos! Alle fahren irgendwohin! Sie alle transportieren Menschen, die ihr Leben führen!«

   Im gleichen Jahr konzipierte er für den Altstar die "Bela Lugosi Review", die unter Mitwirkung der Stripperin Lili St. Cyr im Silver Slipper in Las Vegas aufgeführt wurde. Im Krimi "Jailbait" war Meister Lugosi zwar nicht dabei, aber in "Bride of the Monster/Bride of the Atom" war er nicht zu über­treffen. Es war das letzte Mal, dass man  Lugosis Stimme auf der Leinwand hören konnte. Danach trat er, geistig weggetreten, nur noch taub auf.
   Im April 1955 machte Wood Aufnahmen mit Béla für "The Vampire's Tomb". Zwei Wochen später wurde Lugosi, ein körperliches und seelisches Wrack, wegen Drogenabhängigkeit ins Metropolitan State Hospital eingewiesen. Während seines Aufenthalts in der Klinik hielt ihn Wood mit der Aussicht bei Laune, nach seiner Wiederherstellung mit ihm und Gene Autry "The Ghoul Goes West/The Phantom Ghoul" zu drehen. Nach Lugosi's Entlassung war das Autry Projekt schon wieder Schnee von gestern, und es wurden nur weitere Aufnahmen für "Vampire's Tomb" gemacht. Wie immer war das Geld sehr knapp. Am 16. August 1956 starb Lugosi und hinterließ einen unfertigen Film. Wood vollendete das Werk mit Hilfe eines Doubles, reichlich Archivmaterial und weiteren Szenen an der Grenze zwischen Amateurfilm und Abfall. (Wood plante einen weiteren Zusammenschnitt von Bela Lugosi-Material: "Ghouls of the Moon/The Undead Masses".) 
   1958 gründete er zusammen mit J. C. Foxworthy, U.S.M.C., die Atomic Produc­tions. In den nächsten drei Jahren wollten sie 18 Low-Budget-Filme produzieren. Zustande kam allein "Night of the Ghouls". Nach einem Drehbuch von Wood entstand darüber hinaus "Queen of the Gorillas/The Bride and the Beast". Unter den vielen gescheiterten Projekten auch eine weitere SF-Idee: "Attack of the Giant Salami" mit Joe Brown und Boris Karloff.    
   In den folgenden Jahren verfiel unser Held immer mehr: Er schrieb porno­graphi­sche Romane und drehte ent­sprech­ende Filme. Er soff und trug Frauenfummel. Zwar ist es ein Gerücht, dass Eddie bisweilen in Frauenkleidern ins Atelier gekommen sei, aber wenn man ihn zu Hause besuchte, konnte es passieren, dass man ihn in Frauenkleidern an der Schreibmaschine antraf, eine Zigarre paffend und eine Flasche Wodka auf dem Schreibtisch.  

  »Hüte dich! Hüte dich vor dem großen grünen Drachen, der vor deiner Haustür sitzt! Er frißt Welpenschwänze und dicke, fette Schnecken. Hüte dich! Nimm dich in acht! Hüte dich!«
   --Edward D. Wood

   David Ward, einer seiner schauspielernden Kumpanen, erinnert sich an sein tragisches Ende: »Mit dem armen Kerl ging es stetig bergab. Er verlor eine Menge Freunde. Sie ließen ihn fallen wie eine heiße Kartoffel. Als ich ihn das erste Mal traf, hatte er noch ein nettes Haus draußen in North Hollywood - mit Swimmingpool und allem Drum und Dran. Doch dann landeten er und seine Frau Kathy in einem miesen Apartment in einer Gegend von Hollywood, wo gewöhnlich nur Prostituierte und Junkies herumhingen. Schließlich konnten Eddie und Kathy nicht mal mehr die Miete für diese Absteige aufbringen und zogen zu ihrem Freund Peter Coe. Am Ende war Ed nur noch Haut und Knochen. Er kümmerte sich nicht um sich selbst. Aß nicht genügend. Er hatte einfach nicht das Geld dafür. Anstatt was zu essen, kaufte er sich was zu saufen.«
   Im Alter von 54 Jahren starb Wood an einem Herzanfall. Peter Coe, der Dar­steller in den Filmen "House of Franken­stein" und "Mummy's Curse" gewesen war und den Wood für einen Film, der nie gemacht wurde, als Béla Lugosi einsetzen wollte (Coe stammte aus Dubrovnik), dachte mit Grauen an Ed's letzte Wochen: "Er war in sehr schlechter Verfassung, weil er nichts anderes tat als saufen. Ich war drauf und dran, ihn ins Krankenhaus zu bringen, aber er wollte nicht. Schließlich war er aber doch einverstanden: morgen wollte er gehen. Ich sah mir gerade ein Football-Spiel an, und Ed kam dazu. Er legte sich ins Bett, während wir fernsahen. Dann bettelte er und wollte  etwas zu trinken, nur einen Schluck. Danach wäre aber Schluß, sagte ich ihm, denn morgen müßte er ins Hospital. Nachdem er was getrunken hatte, bat ich ihn, er möchte doch was essen. Ich ging in die Küche, um ihm etwas zurechtzumachen. Eine Nachbarin kam, um nach ihm zu sehen. Sie ging ins Schlafzimmer und kam gleich wieder raus: Eddie ist tot! Es war furchtbar."
   Die Renaissance seiner Filme nach den Veröffentlichungen der Brüder Medved und einer Filmbiographie von Tim Burton erlebte Ed Wood nicht mehr. Was hat man nicht alles nach seinem Tod entdeckt: jeder Filmschnipsel, von ihm belichtet, war auf einmal Geld wert. Man fand auch ein Manuskript "The Hollywood Rat Race", eine Anleitung, wie man es in der Filmstadt zu was bringt. Vom Meister, der es nie wirklich zu was gebracht hat. Kapitelüberschrift: "How to Produce a Cheap Picture and Fail." Und auf die Frage, warum die Leute heute plötzlich so scharf auf Ed Wood's Versagerfilme seien, meinte seine ehemalige Muse und "Plan 9"-Grufti Vampira: "Because everybody is braindamaged today." Nettes Schlusswort eigentlich. W-Bär




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