Easy Riders, Raging Bulls
W-Bär, 20.2.2006
     FRANCIS FORD COPPOLA, der sich selbst als letzte Hoffnung für den Film als Kunstform und gegen den schnöden Block­buster a la LUCAS & SPIELBERG sah, ist Mitte der 70er endgültig durchgeknallt. Am 1. März 1976 hat er die Dreharbeiten zu "Apocalypse Now" auf den Philippinen in Angriff genommen. Und das obwohl ihm etliche Leute davon abgeraten haben, da in diesen Monaten die alljährliche Regenzeit vor Ort beginnt. COPPOLA's trockener Kommentar: "What are you, a fuckin' weatherman?". Und nach "Der Pate 1+2" traute sich sowieso keiner mehr dem großen Meister zu widersprechen. Das ging sogar so weit, dass COPPOLA auch während der Dreharbeiten jeder Wunsch erfüllt wurde, während er sich weigerte das niedere filmschaffende Fußvolk zu entlohnen. Nach den ersten paar Drehtagen hat COPPOLA dann auch noch HARVEY KEITEL gefeuert und durch MARTIN SHEEN ersetzt, was natürlich zur Folge hatte, dass sämtliches Footage in dem KEITEL zu sehen war neu gedreht werden musste.

   ROBERT ALTMAN's "M.A.S.H." war der erste große Studiofilm in dem so richtig herzhaft Fuck gesagt wurde. Und das nicht nur einmal ...

  APOCALYPSE NOW hätte eigentlich von George Lucas dirigiert werden sollen. Der hat sich allerdings ein bis'l zu lang Zeit gelassen und lieber an seinem "Star Wars"-Drehbüchl herumgekritzelt. Also hat FRANCIS FORD COPPOLA kuzer­hand entschlossen das Ding selbst anzu­gehen. Lucas war daraufhin sogar ein bis'l ang'fressen auf seinen alten Hawara.

   FRANCIS FORD COPPOLA wollte ursprünglich mit dem zweiten Teil der "Pate"-Sage nix am Hut haben. Hätte er doch viel lieber seine eigenen Projekte verwirklicht, statt wieder unter dem Schlapfen eines großen Studios zu stehen. 1 Mio. Dollar (eine für damalige Verhältnisse unvorstellbare Gage für einen Regisseur) haben ihn dann aber doch vom Gegenteil überzeugt.

   WILLIAM FRIEDKIN Am Ende von "Der Exorzist" erhält Vater Karras die letzte Ölung. Der Priester der da zu Werke ging, war zwar auch im echten Leben Priester und deshalb auch der Schauspielerei nicht ganz so mächtig. Er bekam die Szene einfach nicht so hin, wie es Regisseur William Friedkin gern gehabt hätte. Nach dem 15. Take, fragte Friedkin den Priester, ob er ihm denn vertrauen würde. Der Priester bejahte und bekam umgehend von Friedkin eine geprackt. Beim 16. Take war der Priester ob des Adrenalinschubes dermaßen fertig, dass seine Hände noch zitterten. Und die Szene war im Kasten ...
   STEVEN SPIELBERG Während der Dreharbeiten zu "Jaws" ("Der weiße Hai") wollte SPIELBERG ein bis'l auf den Busch klopfen und vor seinen Kollegen angeben. Er schnappte sich seine beiden Regiekumpels MARTIN SCORSESE und GEORGE LUCAS und fuhr zum Studio, wo der noch nicht ganz fertige, riesige Plastikhai herumstand. LUCAS steckte seine Rübe spaßhalber in den Rachen des Hais und SPIELBERG ließ das Gebiss runterklappen. Dabei ist allerdings etwas abgebrochen und das Gebiss ließ sich nicht mehr öffnen. Irgendwie haben es die drei dann aber doch geschafft den steckengebliebenen LUCAS zu befreien. Danach stürmten sie ins Auto und gaben Fersengeld, da sie wussten, dass sie da gerade eine ziemlich teure Konstruktion ruiniert hatten.

  DENNIS HOPPER war als Jungspund während der "Easy Rider"-Jahre dermaßen auf Drogen, dass seine filmschaf­fenden Kollegen Wege finden mussten, trotzdem mit ihm arbeiten zu können. HOPPER hatte u.a. die Angewohnheit sich am Vormittag mit Uppers und am Nachmittag mit Downers zuzudröhnen - was sich dementsprechend auf seinen Gemütszustand und seinen Engergielevel auswirkte. Ging der Dreh einer Szene jetzt über mehrere Stunden war's dem Cutter einfach nicht mehr möglich die Szene sinnergebend zusammen zu schneiden. Also ging der resignierende Regisseur mit Hopper das Drehbuch durch und man einigte sich darauf wann HOPPER welche Drogen zu sich nehmen sollte. Und um ganz sicher zu gehen gab's dann auch noch extra Randnozizen auf den jeweiligen Call Sheets.
   Nach einem Testscreening von "The Last Movie", DENNIS HOPPER's zweitem Flick nach "Easy Rider", wurde der Herr Regisseur von der Bühne gebuht und unsaft mit diversen Gerätschaften beworfen. Und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, hat ihm dann auch noch eine hübsche, junge 18jährige ob des sexistischen Inhalts, mit einem gezielten Faustschlag und den Worten "You sexist fucking pig!", die Nase gebrochen.

   GEORGE LUCAS wollte mit "Star Wars" den erfolgreichsten Kinderfilm aller Zeiten machen. O-Ton: "You can make this picture for teenagers, late teenagers, early twenties, or you play it for kids, and that's what we're going for, eight-and-nine-year-olds! This is a Disney movie!" Der nasse Sack ging sogar so weit, dass er CARRIE FISHER's Brüse mit Gaffer-Tape umwickelte. Prinzessin Leia nahm's gelassen: "No breasts bouncing in space, there's no jiggling in the Empire!"

   MICHAEL CIMINO's "Heaven's Gate", starring Kris Kristofferson, Christopher Walken und John Hurt, hat die 70er-Revoluzzer dann 1980 mit einem Schlag endgültig ins Nirvana befördert. Der Film hatte ein Budget von 44 Mio. Dollar, nahm aber insgesamt nur 1,3 Mio ein; war somit ein Mörder-Flop und der letzte Film bei dem der Regisseur quasi das Sagen hatte. Die Studios bzw. Produzenten hatten, des schnöden Mammons wegen, wieder die Oberhand gewonnen. Selbst Kapazunder wie MARTIN SCORSESE mussten ab diesem Zeitpunkt Test-Screenings (u.a. für "Good Fellas" !!!) über sich ergehen lassen und sich vom Studio sagen lassen was sie zu tun haben. W-Bär




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