Four Year Strong vs. Zebrahead
Markus, 12.11.2009
   Zwei leiwande, musikalisch nah ver­wandte Bands, zwei aktuelle VÖ mit sehr ähnlicher Stoßrichtung. Da drängt sich der Vergleich geradezu auf. Silberrücken gegen Jungspatzen sozusagen. Denn hier matchen sich die bis dato über jeden Zweifel erhabenen und rüstigen Mitt- bis Enddreißiger von Zebrahead mit den ebenso hungrigen wie talentierten Mitt­zwanzigern von Four Year Strong. Worum geht`s jetzt genau? Nun sowohl „Panty raid“ (ZH) als auch „Explains it all“ (FYS) sind reine Cover-Scheiben. Ziemlich obligatorisch im erweiterten Punk- und Melodycore-Genre. Quasi „Der Gute Ton und was sich gehört“. Me First & the Gimme Gimmes haben aus dem Schmäh sogar ein wunderprächtig florierendes Allstar-Projekt gebastelt. Bei genauere Betrachtung fallen dann jedoch größere Unterschiede zwischen den vorliegenden Alben in den geröteten Augapfel als man zunächst vermutet hätte.
   Wir widmen uns zunächst den lieben Zebrahead, denn Alter vor Schönheit. „Panty raid“ gefällt zunächst mit an die Betitelung angepasstem Booklet. Ja eh ein bisserl pubertär. Allerdings ist das Nicht-erwachsen-werden-wollen geradezu Genre-immanent. Und weil wir diesbezüglich ja nicht mindere Problembären sind, finden wir`s gut. Grunz und Punkt. Weiters elendslange Playlist, man ist es gewohnt. Fat Mike und seine Me First`s nicken dazu wohlwollend. Zieht man die Intros und lustigen Zwischengeplänkel ab, sind es dann aber nur mehr 14 vollwertige Cover­titel. Welche selbstverständlich auch allen Nicht-Punkern ein Begriff sein dürften. Die banalste Herangehensweise an das Unternehmen „Locker-flockige Coverscheibe für Zwischendurch“ stand nämlich Pate: Surfen durch die letzten 25 Jahre Format­radio.
   Womit wir schon bei der Kritik an „Panty raid“ wären: die meisten jener Nummern wurden bereits derart totgedudelt, dass man sie eigentlich auch gecovert nur mehr äußerst schwer verkiefeln kann. Ähnlich wie bei diesen unsägliche Weihnachtsalben, welche viele Acts  aktuell wieder unters Volk streuen. Und leider halten sich Zebrahead tatsächlich über wei­te Strecken an jene Songs, die man mindestens zweimal pro Sendestunde auf Ö3 vor den Latz geknallt bekommt. Der Hörer will das so, wissen wir. Das Beste der 80er, 90er und bribrabru. Uns geht`s trotzdem schwer am Zeiger. Wir unter­stellen/hoffen: es besteht origi­nal Null Bezug zum eigentlichen Zebrahead`schen Musikgeschmack. Vielmehr handelt es sich eben um das bereits tausendundeinmal produzierte „Punk-Band zieht käsige Chartbreaker durch den Kakao in dem sie selbige in dreifacher Härte-Geschwindigkeit runternagelt“ - Dingens. Das mag zwar auf der einen oder anderen Fete ganz gut kommen, ist jedoch relativ Grandezza-befreit und lieblos.
   Ich mein, wie oft kann man denn eigentlich noch „Oops I did it again“ die Punkrock-Watsche verpassen? Geht man sich da beim Spielen nicht selbst unpackbar auf den Anus? Da nerven die zahlreichen, halblustigen Fun-Covers mittlerweile schon mehr als das fraglos bochene Original. Oder Mariah Careys „All I want for Christmas“. Ja sapperlot Buben, das kann doch nicht euer Ernst sein! Von einer Band die seit 14 Jahren im Geschäft ist und noch dazu über eine musikalische Durchtriebenheit wie ZH verfügt, darf man sich ein wengerl mehr erwarten. Auf diese Songauswahl kommt jede Pustel-gepeinigte Schülerband. Und - mit Abstrichen - auf diese halbgare Form der Interpretation leider detto, schnarch. Es keimt daher der Verdacht, dass hier kurzfristig vom großen Lebkuchen des Weihnachtsgeschäft genascht werden will. Alles andere würde uns nämlich in große Sorge um unsere Darlings aus Huntington Beach stürzen. Nicht gut das ist ...

   Genug davon, wenden wir uns also den juvenilen Haudegen von Four Year Strong zu. Die veröffentlichten „Explains it all“ bereits des Sommers. Hier werden uns übersichtliche 11 Liedchen wohlfeil ge­bo­ten und wir bewegen uns bei den ge­wähl­ten Titeln ausschließlich in der Dekade der 90er. Denn der Zugang zum Aufguss ist in diesem Fall ein anderer. Die 5 bär­tigen Rotznasen stellen hier nämlich die Favoriten ihrer frühen Jugend zur Schau und erklären uns so, welche Musik sie weiland dazu gebracht hat, sich erstmals eine Gitarre um den Hals zu hängen. Und yep, das pfeift halt ums Quadrat mehr als ... s.o. Weil aus jeder angetriggerten Saite, jeder gedroschenen Snare und jeder euphorisch gejohlten Hookline schier un­bändige Freude am Musizieren quillt.
   Unnötig zu erwähnen, dass „Explains it all“ kaum Nummer bietet, die uns im Original sagenhaft am Schnürsenkel gingen. Schon die Eröffnung mit „So much for the afterglow“/Everclear gerät daher amtlich und politisch korrekt. Weiter geht`s mit Hits („Ironic“/Morisette, „In Bloom“/Nirvana, „Spiderwebs”/No Doubt oder „Fly“/ Sugar Ray) und Semi-Hits („Absolutely“/Nine Days, „Roll to me“/Del Amitri) aus dem erweiterten Alternative- und Power Pop-Bereich der 1990er. Weitgehend Radio-Mucke, keine Frage. Aber halt leiwande. Schöngeistig und mit berstender Energie in die Amps gerockt. Four Year Strong zeigen wie man`s macht: treten sämtlichen eh schon recht properen Hervorkommungen mit liebevollem Nachdruck in den Allerwertesten, so dass die mit einem handfesten Schulterklopfer entstaubten Titeln noch um einiges schillernder glänzen als im Original. Das soll ihnen mal wer nachmachen. Allein aufgrund ihrer Version von „Semi-charmed life“/Third Eye Blind eines der launigsten Nachspiel-Alben bisher!

   Unser Resümee: Zebrahead sollten sich ganz gschwind lange Unterflack, Pudel­haube und Anorak bereitlegen, denn es heißt sich warm anziehen. Da kommt was... mk





Zebrahead „Panty Raid"
› Release: 11/2009
› Label: Sony/Japan
› Links: Website, MySpace

Tracklist:
01. Suvivor
02. Girls Just Want To Have Fun
03. Underneath It All
04. Trouble
05. London Bridge
06. Beautiful
07. Girlfriend
08. The Sweet Escape
09. Intro
10. Jenny From The Block
11. Rehab
12. Spice Up Your Life
13. Intro
14. Oops!... I Did It Again
15. Get The Party Started
16. Mickey
17. All I Want For Christmas

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Four Year Strong „Explains it all"
› Release: 07/2009
› Label: I Surrender Records
› Links: Website, MySpace
› Plattentipp: LL-Player

Tracklist:
01. So Much For The Afterglow
02. Absolutely (Story Of A Girl)
03. Ironic
04. Bullet With Butterfly Wings
05. Semi-Charmed Life
06. Spiderwebs
07. Roll To Me
08. Fly
09. In Bloom
10. She Really Loved You
11. She's So High

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