Alexander
W-Bär, 30.5.2005
  Oliver Stone hat ja bekanntlich in seinem bis­herigen Regie-Leben schon so einiges ge­leistet: "Any given Sunday", "Natural Born Killers", "Platoon","U-Turn", "The Doors", "JFK", "Wallstreet" usw. Und selbst wenn seine Filme dann und wann vielleicht als Ganzes nicht so richtig zu überzeugen wussten ("Natural Born Killers"), dann hatte zumindest jeder einzelne seiner Flicks seine ganz besonderen kleinen, liebenswerten Eigenheiten (der schnelle musik­video­mäßige Schnitt bei "Any given Sunday", die Zeichentricksequenzen bei "Natural Born Killers" oder die längst überfällige in-Szene-Setzung von Schauspielerkapazunder Char­lie Sheen ("Wall Street"), die Stone ver­dien­termaßen zu einem Ausnahmeregisseur machen. Und jetzt sowas.
   Nachdem die Kritiken zu "Alexander" allesamt durch die Bank alles andere als berauschend waren und jeder der Meinung war, dass Stone völlig daneben gehaut hat, dachte ich mir, sehr fein, jetzt werd ich diesem ganzen intellektuellen Kritiker­haufen einmal reviewmäßig eine reinsemmeln. Hat mir doch auch schon früher so manch aufgeblasenes Muskel- und Sandalenfilmspektakel den einen oder anderen Sonntag Nachmittag gerettet. Außerdem war ich der Meinung, dass der Herr Stone angesichts seiner bisherigen filmischen Meisterleistungen, gar keinen so schlechten Film machen kann. Oh Mann, was hab ich mich geirrt. Er kann!
  Trotz Angelina Jolie, Colin Farrell, Christopher Plummer, Anthony Hopkins, Val Kilmer, trotz ganz arger Massenschlachten und brutaler Metzeleien und trotz des kurzen Nackabadzl-Auftritts des Frl. Dawson (sexy Einschub Ende) kommt da nichts als gähnende Langeweile auf. Es ist zum Verzweifeln. Vielleicht wäre er ja auch nur halb so schnarchfad geworden, wenn er nicht gleich ganze drei Stunden gedauert hätte. Aber kürzer ging's wohl nicht. Dafür wollte Oliver Stone scheinbar viel zu viel unterbringen.

   Oliver Stone's "Alexander" ist ein Bastard aus kitschiger Homoerotik, stinkfadem Geschichtsunterricht, schwülstiger Rock'n'Roll-Heldensage mit Groupies, blutigem Splatterkino, schlecht sitzenden Föhnfrisuren, amerikanischem Blockbusterkino der Jerry Bruckheimer-Klasse und eine Enttäuschung sondershausen. W-Bär






Jahr: 2004
Regie: Oliver Stone
Drehbuch: O. Stone, C. Kyle
Links: IMDB

Starring:
Colin Farrell
Angelina Jolie
Val Kilmer
Anthony Hopkins
Jared Leto
Rosario Dawson

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