Anthony Kiedis: Scar Tissue
W-Bär, 24.10.2005
   Den Mann braucht man ja wohl nicht mehr vorzustellen. Als Frontsau der legendären Red Hot Chili Peppers hat der Gute der­eins­tens vor langer, langer Zeit noch gerockt wie ein junger Hüpfer und drei wegweisende Platten aufgenommen ("Mother's Milk", "Blood Sugar Sex Magik" und "One Hot Minute"). Irgendwann war dann bei den RHCP allerdings plötzlich die Luft raus und man beschloss einen auf fade Wurz'n zu machen.
   "Scar Tissue" gibt jetzt nur bedingt da­rü­ber Aufschluss warum dem so ist. Aber hauptsächlich dürfte es wohl daran liegen, dass Kiedis in den letzen 20 Jahren un­zäh­lige Mengen an Drogen konsumiert hat, auf kalten Entzug gegangen ist, wieder rück­fällig geworden ist, auf kalten Entzug gegangen ist usw usf. Dass da irgendwann rein kraft- und saftmäßig der Ofen aus ist, ist durchaus verständlich. Lustig sind die kleinen Bemerkungen, aus denen hervorgeht, dass Musikantenkollege John Frus­ciante bereits seit Jahren keine Drogen mehr nimmt und die Band seit "Californi­cation" (dem langweiligsten Album der letzten hundert Jahre) endlich zu sich gefunden hat. Da krampft der Lach. Zwischendurch gibt's noch zahlreiche Gschichtln über seinen Drogendealerpapa, verflossene Bandkollegen (Jack Irons, Hillel Slovak, Dave Navarro und Co.) und natürlich geizt die Nase auch nicht mit seinen unzähligen, kleinen amourösen Pantscherln. Die natürlich, wie es sich für einen gscheiten Rockstar gehört, so wenige nicht waren. Ein bis'l weh tut's dann allerdings schon noch, wenn er die große Drogen-sind-schlecht-Keule schwingt, aber so ist das halt mit den alten Knackern.

   Alles in allem ist "Scar Tissue" (oder "Give it away", wie die Erstauflage bei uns geheißen hat) ganz nett geschrieben und wer ein bis'l mehr über die Chili Peppers erfahren möchte ist mit dem Büchl ganz gut bedient (in der Buchmitte gibt's dann als kleines Schmankerl auch noch ein paar uralt Fotos, kurze Anmerkung inklusive). Vielleicht sollte der Kiedis ja überhaupt beim Bücher schreiben bleiben ... W-Bär






Erscheinungsjahr: 2005
Links: RHCP

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