Antichrist
S, 10.9.2010
   Als die LL die hohe und echte Kunst entdeckte, Teil I: "Antichrist" ...
   ... und weil's bei uns auf der LL natürlich nicht nur um Handkantenschläge, Schwei­ne­rock und Weltherrschaft gehen kann, sondern natürlich auch die höhere Kunst eine Chance bekommt um sich auf dem ehrenvollen LL-Olymp den Arsch breit zu sitzen, werden wir uns diesmal unser aller Lieblingsdänen vorknöpfen: Lars von Trier. Der Gute hat also anno 2009 sein Ränzchen mit Kamera, Schauspielern und einen arschvoll Antidepressiva gepackt, ist in den Wald gestiefelt und hat dort ein kleines Sex- und Gewaltkammerspiel auf Digital ge­packt, auf das es den Herrschaften Kritikern und dem Publikum wiedermal gezielt die Schuhe ausziehen sollte und die Nackenhaare auf Fluchtposition gestellt werden. Zweng der Einfachheit und weils auch das Einfachste an diesem Film ist, zu allererst der Plot. Kurz und knackig gesprochen: Ehepaar (Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg) verliert Sohnemännchen bei einem Unfall, zur Trauerbewältigung (vor allem für die Mutter) gehts ab in den Wald, dort entgleisen die Dinge dann ein wenig und münden in Grauslichkeiten und diversen anderen Unleiwandheiten. Zu Beginn allerdings zeigt uns Larsi-Boy so richtig wo der Kunstfilmhammer hängt, Predlude genannt. In diesen ersten fünf Minuten kann sich jeder Film-und/oder Kunst­aka­demie­schnösel abschauen wie´s geht. Grundsätzlich gelten die üblichen Ingre­dienzien: SW/klassische Musik/abgefahrene Zeitlupenoptik. Gezeigt wird exta­tischer GV, wie er sich gehört, blasse Körper, Schweiß, Muskeln, hie und da ein Penis. Zur gleichen Zeit stürzt der Sohn (Zimmer, offenes Fenster, wehender Vorhang und Schneegestöber!!) aus eben diesem Fenster. Sex und Tod. Leben und Sterben. So wird der Orgasmus als sogenannter "kleiner Tod" zum Wahrhaftigen und Realen. Die weiteren Teile des Films, wurden ebenso beschildert: Schmerz – Trauer – Verzweiflung – Die drei Bettler. Daraus entwickelt sich zwischen den beiden Akteuren der Aufbruch und Niedergang eines causalen Wahnsinns. Die Mutter verfällt zusehends ihren verqueren Gedanken als die Frau als das böse Geschlecht und ihrer Phobie der Natur gegenüber. Das bekannte "Zurück zur Natur", rousseau­scher Prägerung wird hier elegant in ein "Natur ist Satans Kirche" ver­wandelt. Hier bringt die Natur eben nicht das Edelste im Menschen zum Vorschein.

  Der Film steigert sich zum Ende hin ins Gorehafte und lässt den Zuseher letzten Endes ratlos zurück. Obwohl Gainsbourg und Dafoe hier durchaus Großes zeigen, von Trier sich mit Kräften bemüht bloß kein einziges Bild, keine Einstellung bedeu­tungs­los oder banal wirken zu lassen, alles mit Metaphern und intertextualem Gehalt aufzuladen, wäre einem schlußendlich, was Wald und Gewalt betrifft, mit Sam Raimis "Tanz der Teufel" wohl besser geholfen.
S






Jahr: 2009
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier
Links: Website, IMDB
Video: Trailer

Starring:
Willem Dafoe
Charlotte Gainsbourg

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