Bowling For Soup „The Great Burrito Extortion Case"
W-Bär, 20.11.2006
  Während My Chemical Romance mittler­weile krampfhaft einen auf Queen mach­en, Sugarcult dem kreuzbiederen Kunst­studenten­schrammelgeseier der Ostküste frönen und Good Charlotte lieber grufti­mäßig im Designer-Anzug noch gruftigere New Wave-Klänge ausdünsten gibt's da gottseidank noch vier Burschen aus Texas, die sich einen Dreck um Trends scheren und unverdrossen ihr popig-punkiges Spass-Dingens durchziehen.
   Obwohl alle vier Bowlingbuben bereits ein nahezu biblisches Alter erreicht haben (Frontträne Jaret wurde heuer 34, Basser Eric ist 31, Klampfer Chris hat überhaupt schon heiße 37 (!) Lenze auf dem Buckel bzw. der Wampe und einzig Zeugler Gary ist mit seinen 27 Jahren noch nicht ganz so steinalt und somit das Nesthäkchen der Suppenbowler) punkrocken sie auf "The Great Burrito Extortion Case" nach wie vor daher, als würden sie - wie's der fabulöse zweite Track des neuen Albums ja auch schon vorweg nimmt - immer noch emsig die High Schoolbank drücken. Nur halt ein paar Mal zu oft sitzen geblieben quasi.
   Neben den luftig lockeren Hooklines und den knackig fetzigen Gitarrenriffs sind es vor allem die lyrischen Beiträge von Sänger Jaret, die es sich in des Hörers Ohr­waschl­gänge gemütlich machen und dort auch gar nimmer raus wollen. Im Grunde genommen geht's nämlich auch auf Album #5 (nach regulärer Major-Label Zeit­rech­nung) nach wie vor hauptsächlich um Mädls, Parties und haufenweise Spaß. Und das teilweise erfrischend blöd: "Val Kilmer, he was funny in 'Top Secret', but he sucked as Batman" git's da etwa in Komposition #3 namens "Val Kilmer" zu hören. Und recht hat er! Im name dropping ist der alte Sack übrigens überhaupt ein ganz ein Großer: vom gerade angesprochenen Val Kilmer über Mel Gibson und Danny Glover, Alice Cooper, Reese Witherspoon, Jack Black, Brad Pitt, Will Ferrell, Adam Sandler und seinen All-time-Favorites Bon Jovi gibt's detto Text-Cameoauftritte in Hülle und Fülle. Ein echtes Spaßlaberl dieser Herr Jaret. Und dass die Muik vom großen Burritoverzerrungsfall dem um nichts nachsteht darf hiermit natürlich wohlwollend und ganz zurecht angenommen werden. Hui das macht Laune! Man braucht sich eigentlich nur das Video zu "High School Never Ends" anschauen um zu wissen wie der Hase läuft (bzw. ein vollgestopfter Gitarrist einer blonden Tante monty­python­mäßig ins Dekolleté reihert). Ja, da lacht des Freizeitpunkers Herz. Aber sie können auch anders: Spätestens bei "When we die" werden nämlich die Augerl ganz feucht und das Herz geht einem auf. Was wohl einerseits an den zuckersüßen Streichern und den Tränendrüsendrückerlyrics liegen dürfte, aber andererseits sicher auch damit zu tun hat, dass hier ein gewisser Herr Butch Walker seine lyrischen und kompositorischen Griffel mit im Spiel hatte. Und der marvulöse Ex-Marvelous 3-Mastermind und nunmehrige Produzentenwunderwuzzi (Pink, Avril Lavigne, The Donnas, Sevendust und eben auch Bowling For Soup) hat ja auch schon bei seinen letzten Solo-Outputs gezeigt, dass er durchaus auch der leisen Töne mächtig ist. Aber das war's dann auch schon wieder mit der zuckersüßen Romantik.

  Der Rest der Platte kracht in gewohnter Partylaune aus den Boxen. Bowling For Soup sind sich somit auch mit ihrem neuesten Streich treu geblieben. Und das ist gut so. So und nicht anders soll's sein. W-Bär






› Release: 11/2006
› Label: Jive/Zomba
› Links: Website, MySpace
› Plattentipp: LL-Player

Tracklist:
01. Epiphany
02. High School Never Ends
03. Val Kilmer
04. I'm Gay
05. Why Don't I Miss You?
06. A Friendly Goodbye
07. Luckiest Loser
08. Love Sick Stomach Ache
09. Much More Beautiful Person
10. Friends Like You
11. When We Die
12. 99 Biker Friends
13. Don't Let It Be Love
14. Come Back To Me

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