Backyard Babies „Dto"
Markus, 30.11.2008
   Jaa alter Schwedäääh! Da ist sie wieder. Die „Smoking Gun“ der New Wave of Scandinavian Sleaze, als Handelsmarke unter Backyard Babies firmierend. Die Armen sind ja von der Kritik für die letz­ten VÖ`s ein wengerl gewachselt worden. Speziell das letzte, zugegeben etwas entspanntere Album „People like people like us“ hat manchem Rezensenten nicht so ganz gefallen wollen. Vornehmlich jenen, die nach wie vor die sehr schnelle, sehr punkige 1998er CD „Total 13“ für das ewige Nonplusultra im Backkatalog der Babies halten. Schmecks, uns hat das letzte Release durchaus gemundet.
   Doch nun zum 2008er Machwerk: Der Opener „Fuck off and die“ ein dem Titel entsprechender, wunderbar bluesgetränkter schlimmer Finger. Hier spielen sie äußerst smart mit aufmüpfigen Wechselshouts zwischen Sänger Nicke und Guitar­erro Dregen sowie ungehobelt angebratzten Aerosmith-Reminiszenzen. Alte Luftschmiede auf Sommerfrische im Punkrock-Bootcamp, etwa in der Art.
   „Degenerated“ gefällt mit nettem Singalong zum Refrain, „Come undone“ wiederum ein slicker Partyrocker mit Kopfwackelgewährleistung. Das in mittlerer Geschwin­dig­keit vorgetragene „Drool“ verzückt mit einem dieser hedonistischen Schweden­rotz-Riffs, für die wir halt all diese Wikinger-Bengeln so gerne haben. „Abandon“ lässt`s zwar etwas ruhiger angehen, ohne jedoch eine Ballade sein zu wollen. In diesem Track blitzt jedenfalls zum ersten Mal auf dieser Scheibe ihre große Zuneigung zu Social Distortion auf. „Voodoo love bow“ ein prächtiger Rock`n`Roller unter friendly Piano-Fire. Der quicke Punker „Idiots“ leitet schließlich zur womöglich leiwandste Nummer der Scheibe über, nämlich „The ship“. Backen zusammen, vorwärts stürmen, im Refrain ein bisserl Tempo raus und mit spannender Dynamik die Nackenmuskeln kitzeln. Sehr gut machen die das! Daran anschließend der erste und einzige Ausfall der Platte, nämlich „Nomadic“. Pfff, was ihnen da nur eingefallen ist? Weiß man nicht. Viel der Melodramatik, viel der Ungewissheit. Also Buben wirklich! Kurzes Zusammenzucken, denn das hat doch einiges von solch furchtbaren Bands wie The Rasmus. Das war`s dann allerdings mit Schwachmatikertum. Weil - Mike Ness fühlen sie sich ihnen geschmeichelt -  „Back on the juice“ huldigt erneut den alten Säcken von S.D. „Where were you“, „Zoe is a weirdo“ und „Saved by the bell“ besorgen schließlich den Stockerlpopo-mäßigen runden Abschluss.    
   Tatsächlich spiegelt das aktuelle, selbstbetitelte Werk wohl bis dato am besten den wahren musikalischen Geist der Backyard Babies wieder: Sleaze Rock (= Hardrock plus Glampunk) mit einer Zusatzinektion vom Altschul-Punk im Stile der Ramones oder eben Social Distortion ergibt B.B.-Rotzrock.

   Daher unsere Conclusio: „Total 13“ (viel Oldschool-Punk) weiland das eine Ende der Fahnenstange, „People“ (viel des Blues-lastigen Hardrocks) das andere, „Dto“ somit die goldene Mitte. Und die will ja jeder irgendwann finden. Die innere Mitte nämlich. Vor allem, wenn es dort so kurzweilig und gar nicht fad zugeht. mk






› Release: 08/2008
› Label: Spinefarm
› Links: Website, MySpace
› Video: Fuck Off And Die

Tracklist:
01. Fuck off and Die
02. Degenerated
03. Come Undone
04. Drool
05. Abandon
06. Voodoo Love Bow
07. Idiots
08. The Ship
09. Nomadic
10. Back on the Juice
11. Where Were You?
12. Zoe Is a Weirdo
13. Saved by the Bell

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