Bullets And Octane „Song For The Underdog"
Markus, 14.1.2008
    Die Orange Countesen von Bullets and Octane wurden euch unsererseits ja schon vor knapp zwei Jahren als antes­ten­swert vorgestellt (In the mouth of the young). Zwetschkenfreund und Busen­röster W-Bär dozierte dazumal völlig zu Recht über „adrenalingebadeten Schwe­den­rock mit einer ordentlichen Prise Scheiß­manix-Punk“. An anderer Stelle sprach man angesichts des aggressiven Major-Debuts vom Missing Link zwischen Motörhead, Guns`n` Roses und Social Distortion. Ja eh auch irgendwie. Jedenfalls ist „In the mouth of the young“ seit dem ein ziemlich passender, weil brachialer Soundtrack um den Schädel mit Schmackes gegen die Wohnzimmerwand zu pracken. Ganz so pöbelnd waren die hochoktanigen Buletten allerdings nicht immer unterwegs. Auf ihrer ersten EP „One night stand rock`n`roll band“ (2003) machten sie`s einem noch ein wengerl melodischer und relaxter.
   Keine Frage, Sänger Gene Louis blökte schon damals ganz gern wie ein brünftiger 18-Ender, aber die Mucke war insgesamt gar nicht mal sooo weit weg von unseren ebenfalls aus O.C. stammenden Redaktions-Darlings Lit oder Handsome Devil. Um es vorweg zu nehmen: „Song for the underdog“ bildet nun quasi die Quersumme aus dem Erstlingswerk und dem Major-Output. Gedropped von RCA sind sie 2007 wieder im Schoß eines Indies gelandet (ARES Records) und haben die aktuelle Scheibe Juni letzten Jahres auf den Markt geschlatzt. Eröffnet wird das Teil mit „Breakout“, das in seiner Rüpelhaftigkeit auch auf dem Vorgänger gute Figur gemacht hätte. Mit dem Singalong „Perfect bitch“ macht sich daran anschließend gleich die erste Nummer breit, die vergangene „One night stand rock`n`roll band“ - Tage heraufbeschwört. Verdammt properer Track, dessen Hookline man nach zweimaligem Hören um nixx mehr aus dem Schädel bekommen mag. Hintendrein schieben die Burschen „City of the angels“, eine Kuschelrocker, der angesichts des verhallt sülzenden Solos schon fast Hairspray-Qualitäten aufweist. Zwar roher angerichtet, aber trotzdem. Der Partytrack „Song for the underdog“ ist dann pas­sen­der Weise ein Song, der sich in soundtechnisch gebügelterer Form ebenso auf frühen Poison-Scheiben befinden könnte. Zwischendurch melken sie mit „Building a legend“ kurz den Gashebel, um gleich darauf mit „I caught fire“ noch viel älteren Hardrock-Veteranen die Ehre zu erweisen, nämlich Kiss. „Harder to breathe“, „Welcome to our holiday“ oder „Sweet angel“ bewegen sich wiederum hart an der schmalen Demar­ka­tions­linie von Schweinerock und Sleaze, während die Halbballade „Gravestone love“ sowie „All downhill from here“ verdammt viel von Lit bzw. den Feschen Teifln haben. Wir bewegen uns mit diesem Album also auf der sicheren Seite, weil diese Tunes hamma ja alle wulliwulli gern! Zusammengehalten wird der zarte Stilmixx aus kalifornischem Punk`n`Roll, derbem Gossenrock und 80ies-Hartwurscht-Dings von der rachitischen Fusel-Röhre des Sängers.

   Holte man sich bei „In the mouth of the young“ noch einen blutigen Riechkolben vom „grantig Rübebeuteln“, setzt es beim deutlich festllastigeren Nachfolger eher den Tritt ins Gehänge wegen „besoffen Mädls angraben“. Und es bleibt die letzt­gültige  Erkenntnis: das bekömmliche Klima des orangenen Counties spuckt nach wie vor die schärfsten Rock-Bands dieses Planeten aus. mk






› Release: 09/2007
› Label: Ares (Cargo Rec.)
› Links: Website, MySpace
› Video: Perfect Bitch

Tracklist:
01. Breakout
02. The Perfect Bitch
03. City Of The Angels
04. Song For The Underdog
05. Building A Legend
06. I Caught Fire
07. Harder To Breathe
08. Gravestone Love
09. Welcome To Our Holiday
10. Sweet Angel
11. All Down Hill From Here
12. My Heart Is An Empire
13. Everyone's In Love

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