Burn Halo „Dto"
Markus, 12.11.2009
   Von uns vor längerem schon mal an­gekündigt (s.a. 18V-Review), wollen wir dem Burn Halo-Debüt nun genauer auf den Zahn fühlen. Die Eckdaten: Burn Halo ist James Hart, welcher sich zwischen '95 und 2007 für das O.C. - Metalcore-Format Eighteen Visions die Lungen wund schrie. Deren Stilwechsel gegen Ende ihres Be­stehens übrigens bereits dezent an­deu­te­te, wo der Bartl beim Herrn Hart tat­säch­lich den Most herholt.

  Mit dem neuen Outfit sind die Hosen nun endgültig unten und man erkennt: der ist in Wahrheit tief im 80er-Hardrock verwurzelt. Ergo philosophiert der gute Mann auf der Burn Halo`schen MySpace-Seite bezüglich der musikalischen Stoßrichtung vom „commercial appeal“ des Ganzen und dem „vintage 80ies vibe“, der ihm beim Schrei­ben der neuen Nummern so am Herzen lag. Damit er das auch gebacken bekommt, hat er sich einen gewissen Zach Maloy in den Proberaum geholt. Selbiger unterhielt in den Neunzigern die Alternativ-Combo The Nixons und mauserte sich nach deren Auflösung zu einem gefragten Songwriter in Sachen radiofreundlichen Rocks. Als Referenz wollen wir seine Arbeit für Acts wie Daughtry, Theory of a Deadman und Bowling for Soup anführen. Da eine fixe Begleitband nach Abschluss der Song­schrei­ber­ei noch nicht in Sicht war, wurden für die Einspielung der Tracks diverse bekannte Fachleute aus anderen Bands rekrutiert. Als da u.a. wären: Chris Chaney (Jane`s Addiction/Basserei), Daniel Adair (Nickelback/Schlagwerk) oder Synyster Gates von den Jungs aus der Nachbarschaft Avenged Sevenfold (Klampfen). Nachdem der für die VÖ eigentlich vorgesehene Major Island Records im letzten Moment den Schwanz einzog, wurde die Scheibe letztlich im Eigenverlag über Warner-Vertrieb unters Volk gebracht. Überm großen Teich sind Burn Halo derzeit eifrig am Touren, u.a. mit LL-Faves wie Saliva, Rev Theory oder Papa Roach.

   Was uns schließlich zum Eigentlichen, nämlich der Musik von BH bringt. Mit „Dirty little girl“ zu Beginn ein klasser Opener: kokett quietschende Frau aus dem Off und ab die Post. Buckcherry lassen grüßen und sind dabei sich warm anzuziehen. Selbst die abgebrühten skandinavischen Saubären von den Backyard Babies heben da wohlwollend die Augenbraue und grunzen zufrieden. Dreckiger Rock`n`Rolla vom Feinsten. Im Anschluss „Save me“. Sehr superer, bluesig angereicherter Midtempo-Rocker. Bingo! Mit dem 3. Liedl wird`s dann erstmals radiorockig. Grundsätzlich eh ganz Ding, auch wenn`s die Leads ein bisserl gar arg slasheln lassen. „Too late to tell you now“ eröffnet schließlich den Balladen-Reigen. Najo, nicht wirklich so herz­er­wärmend, dass es nötig gewesen wär. „So addicted“ rockt aber zum Glück den eben noch geflennten Rotz wieder aus dem Taschentüchl. Nach dem ebenfalls schep­pern­den „Dead end roads“ kommt er uns zum zweiten Mal weinerlich. Der „Saloon song“ schwingt durch die Tür. Dem Titel folgend leicht Country-angetüncht, wollen wir selbigen als ganz schön „vintage“ (s.o.) punzieren. Astreine Hair Metal-Ballade. Das jedoch wirklich formvollendet. Hat seinen Bret Michaels gelernt, wird von uns wohlwollend durchgewunken. Wirklich ruppig wird es danach dann leider nur mehr zweimal („Our house“, „Anjeo“). Ansonsten frönt er den Voll- und Halbballaden. Und das lässt halt doch die gerunzelte Stirn zurück. Ich mein, wir sind ja eh ausgewiesene Weichflöten, die sich zwischendurch gern das Goderl kratzen lassen. Aber, und das sei dem Hrn. „Vintagevibe“ ins Stammbüchl geschrieben, nicht einmal in der viel geprügelten Spät-Phase des 80er-Hair-Metals wurden mehr als drei Schmuse­nummern auf ein Album gepackt. Am Burn Halo-Debut tummeln sich inklusive Halbakustik-Titeln gleich sechs von der Sorte. Und in der Mehrzahl auch noch eher halbangenehm, denn gelungen.

   Tut leid, das ist eindeutig zuviel des Schmalz und der Airplay-Schielerei. Da aber die Rocker dieses Outputs durchaus bissfest angerichtet wurden, lassen wir uns den­noch 3 altersmilde Sterne aus dem wehen Kreuz leiern. mk






› Release: 04/2009
› Label: Rawkhead Records
› Links: MySpace
› Video: Dirty Little Girl

Tracklist:
01. Dirty Little Girl
02. Save Me
03. Here with Me
04. Too Late to Tell You Now
05. So Addicted
06. Dead End Roads & Lost Highways
07. Saloon Song
08. Our House
09. Fallin' Faster
10. Anejo
11. Back to the Start
12. Gasoline

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