Burt Reynolds: My Life
W-Bär, 4.4.2005
   Clint Eastwood und Burt Reynolds sind alte Buddies. Beide haben etwa zur selben Zeit mit der Schauspielerei begonnen, und beide haben schon früh bemerkt, dass sie auch beim Regie führen ein gutes Händchen haben. Der Unterschied ist nur, dass East­wood, seine Karriere im Film-Business be­tref­fend, alles richtig gemacht und Reynolds eine Fehlentscheidung nach der anderen getroffen hat. Und bei Reynolds trifft das nicht nur auf seine Schauspieler-Karriere zu. Stichwort Loni Anderson. In "My Life" er­zählt Reynolds wie er vom absoluten Geek und Loser zum Football-Liebling und vom ernstzunehmenden Schauspieler der New Yorker Schule zum Box-Office Star Nr. 1 wur­de. Nebenbei gibt's Details zu sämt­lich­en seiner Betthaserl und es fallen Namen wie Frank Sinatra, George Hamilton, Gene Hackman, Dustin Hoffman, Marlon Brando, Jon Voight, Hal Needham, Ned Beatty, Farrah Fawcett, Jack Nicholson, Dean Martin, Angie Dickinson, Martin Scorsese, Albert Broccoli, Sally Fields, Catherine Denuve und viele mehr.
  Er mosert ein wenig über seine Ex Loni Anderson, ohne allerdings ein einziges Mal beleidigend zu werden, er schildert seine schmerzhaften Erinnerungen an die Jahre in denen er schwerstens Tabletten abhängig war, er erzählt lustige Geschichten aber auch den einen oder anderen echt grauslichen Schwank von den Dreharbeiten seiner Filme (Stichwort Vergewaltigungsszene mit Ned Beatty in "Beim Sterben ist jeder der Erste") und er haut sich selbst ab und zu wegen seiner ewigen Fehlent­schei­dung­en erzählerisch eine auf den Deckel. Und angesichts der in Summe schon voll­kom­men jenseitig anmutenden entscheidungstechnischen Entgleisungen, (z.B. "James Bond", "Zeit der Zärtlichkeit", "Einer flog über das Kuckucksnest", Loni Anderson, das Foto auf dem Bärenfell; näheres gibt's hier: Nerdiges) ist es ein Wunder, dass er sich überhaupt so lang gehalten hat. "My Life" würde einen verdammt en­thu­si­as­mie­renden Film abgeben. Bleibt nur das Problem der Hauptrolle. Wer außer Burt Reynolds könnte Burt Reynolds spielen? Burt Reynolds hat sein Leben voll aus­ge­kostet. Er war ganz oben, ist ganz tief gefallen und hat sich wieder aufgerappelt. Und wär alles nur ein bis'l anders abgelaufen, dann könnte Reynolds jetzt bei der Oscar-Verleihung neben seinem alten Buddy Clint sitzen und ebenfalls Jahr für Jahr auf einen Oscar hoffen. Aber noch hat die fette Lady nicht gesungen ...

   Burt Reynolds mag zwar inzwischen ein alter Sack sein, hat aber noch lang nicht aufgegeben. Allein im kommenden Jahr stehen sechs große Filme, mit dem einzigen Mann neben Tom Selleck, der berechtigt ist einen Schnauzer zu tragen, auf dem Plan. Und außerdem wird's schön langsam Zeit für Teil 2 von "My Life" ... W-Bär






Erscheinungsjahr: 1994
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