Circus Diablo „Dto"
Markus, 5.11.2007
   Ja freut uns das jetzt oder was?! Voll der hallelujaheidelbeerige Rock`n` Roll! Echt kein Schmutz. Was? Na diese Circus Dia­blo. Wer? Nun gut: aus einer lustigen Jam­merei formten die Herren Billy Morrison (rundum 2000 Basserei bei The Cult, heute Alleskönner bei Camp Freddy), Billy Duffy (Chefnudler bei The Cult), Ricky Warwick (Ex-Mastermind von The Al­migh­ty) sowie Brett Scallions (geschasster Sänger/Bassist der Post-Grunger Fuel) anno 2006 die Band Circus Diablo. Im Studio stand ihnen zudem Velvet Revolver-Schlagwerker Matt Sorum (vormals The Cult und G`n`R) zur Seite, live drischt hingegen Ex-Steve Vai-Zeugler Jeremy Colson die Felle. Auch kein Schneebrunzer. So viele „X“ auf einem Haufen nennt man „Super­group“. Hier das ganze Ringelreier der Musikanten miteinander bzw. untereinander, kurz das  „Wie kamen sie denn zueinander?“ aufzuzwirbeln, wär ganz schön mühsam. Im Übrigen könnte es dabei den einen oder anderen Leser aus Langeweile und mit Kopf voran in den Bildschirm pracken. Wollen wir auf jeden Fall verhindern, darum in aller Kürze: der Mainlink heißt „Camp Freddy“. Ein Hollywood-Livehappening, das unter der Federführung von Gitarren-Halbgott Dave Navarro (Exiger von Jane`s Addiction, RHCP und Carmen Elektra) und dem Mr. Morrison regelmäßig die Bühnen der hippsten Rock-Clubs L.A.`s entert. Und daran waren alle Protagonisten der Zirkusteifln schon irgendwann einmal beteiligt. Trotz bestehender Verträge mit diversen anderen Truppen, beschlossen diese einfach so und ohne dass es ihnen jemand gesagt hätte, mit Circus Diablo ein weiteres Ding auf die Beine zu stellen. Das eine gewisse Verwandtschaft zu Velvet Revolver auf keinen Fall verhehlen kann, klare Sache. Trotzdem kein Grund zum Herummosern, weil schließlich der Hr. Sorum am Songwriting fett beteiligt war und der musikalische Backkatalog der anderen Diablos in derselben Ecke nachzuschlagen ist, wo man auch den der Revolver-Boyz findet. Außerdem klingen sie für den Connaisseur dann doch ein bisserl anders. Weil kaum Alternativ-Tand, dafür mehr hedonistische Sunset Strip-Attitude. Die ton­tech­nische Abmischung außerdem einen Deuter mehr „Street“ als bei den Samternen Krachn, ohne allerdings die Nase mit feuchtlertem Proberaummief zu belästigen. Protzen mit einer Hundshütte voll saftiger Riffs und herrlich quietschender Pro­leten-Solos. Yep, da hängen die Klampfen definitiv am richtigen Fleck. Nämlich zwischen den Haxen. Außerdem haben Circus Diablo trotz aller Schmuddel-Kompe­tenz ein begnadetes Öhrchen für den großen Refrain an sich. Man könnte fast meinen sie wären bei den völlig zu Recht als legendär eingestuften Bubblegum-Rockern von Cheap Trick in die Lehre gegangen. Ob der Unterlänge des Outputs (knapp 40 min.) halten sie zudem problemlos ein Highlevel-Niveau ohne jeglichen Druckverlust und schlenzen mit „Loaded“, „So fine“, „Mad Parade“, „Red Sun Rising“ oder „Hello, goodbye“ einen popotretenden Rock`n`Roller nach dem Nächsten aus dem routiniert nach unten gebeugten Hüftgelenk. Der Schlagobersgupf: dass die beste Nummer gegen alle Usancen an den Schluss gepackt wurde: „Rollercoaster“ ist ja wohl eine der oberleiwandsten Nummern des Weinbrand getränkten Sleaze Rock-Genres seit den 80ern das Licht ausgeblasen wurde! Eierbäriges Vers-Riff, dem Hochdrehzahlkonzept verpflichteter Straßen-Groove, obertöniger 16:9-Chorus, insgesamt ziemlich Burn-out-kompatibel.

   Ganz großes Kino also, wie man in Deutschland sagen würde. Dem können wir jetzt nur mehr die Höchstnote hinzufügen. mk






› Release: 07/2007
› Label: Koch Records
› Links: Website, MySpace
› Video: Loaded

Tracklist:
01. Loaded
02. So Fine
03. Restless
04. Shine
05. Mad Parade
06. Red Sun Rising
07. Commercial Break
08. Hello, Goodbye
09. Ants Invasion
10. Rollercoaster
11. Dignified
12. A thousand times
13. Mary's shadow

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