Crank
W-Bär, 19.2.2007
   Poison in his veins, vengeance in his heart lautet die herbe, vor maskulinem Macho-Gehabe triefende Tagline von "Crank"! Und der Inhalt klingt fast ein bisl wie eine ver­schärfte Version von "Speed": JASON STAT­HAM ist der Auftragskillerei müde und be­schließt sein letztes Opfer zu verschonen. Das stößt seinem gangsterbossigen Auf­trag­geber allerdings gar sauer auf und ehe man sich's versieht und der Film begonnen hat, wird unserem Helden schon eine Sprit­ze mit einer synthetischen Droge verab­reicht, die ihn innerhalb kürzester Zeit ins Grab bringen soll. Einzige Rettung: der gute alte Chev schafft's seinen Adrenalinspiegel auf einem gewissen Level zu halten. Also stürzt er sich in eine nervenaufreibende Situation nach der anderen (einem Bullen das Moped fladern und mit nackadem Popo darauf stehend damit herumdüsen, mit der Karre durch's Einkaufszentrum rasen, heißer Sex mitten in Chinatown ...) und jagt so ganz nebenbei auch noch die fiesen Säcke, die ihn vergiftet haben um sich knallhart und gnadenlos zu rächen. Und das liest sich jetzt nicht nur sexy sondern schaut auch verdammt porno aus, wie der dem Stylish-Sprech anheime Hobbykritiker heutzutage so zu sagen pflegt.
   Was den Flick aber abgesehen von der so schon leiwand daherkommenden Story­line so außergewöhnlich macht sind in erster Linie die teilweise noch nie gesehenen, sensationellen Kameraeinstellungen und die Tatsache, dass "Crank" zu 99% ohne schnödes CGI auskommt. Sprich: nix da haufenweise Greenscreen und schon gar nix da Computertricks. Was natürlich alles dem Gespann zuzuschreiben ist, das (wohl­gemerkt zum ersten Mal überhaupt!) am Regie-Sesserl saß. Die fidelen Herren Taylor und Neveldine haben nämlich einen recht unkonventionellen und erfrisch­enden Zugang zum Thema filmen. So wurde "Crank" ausschließlich mit HD-Kameras (sprich digital und nicht auf Film) und auf Rollerblades (!) gedreht, was zur Folge hat, dass ihr Flick-Debut nicht wirklich nach Film, aber auch überhaupt nicht nach Video aussieht und die Bilder durch die Filmerei auf Rollen eine nicht unerhebliche und bis dato nur selten erreichte Dynamik erhalten. Was allerdings beim Zuschauen wie­der­um durchaus akutes Herzflimmern und eine schweißtreibende Genickstarre zur Folge haben kann, weil die sonst vom gediegenen Hollywoodflick verwöhnten Augerl allerweil hektisch hin und her huschen müssen um im Eifer des Gefechts auch wirklich alles mitzukriegen. Von den vielen Split-Screens und Zeilupen- und -raff­eraufnahmen ganz zu schweigen.
   Um dem Ganzen dann noch eins drauf zu setzen, wurde auch zur Gänze auf Stunt-Doubles verzichtet. Wenn also Jason Statham in 150m Höhe im Hubschrauber seinem Gegenüber unsanft eine auf's Maul haut, dann haut da tatsächlich ein gerade mal mit einem Drahtseil gesicherter Jason Statham höchstpersönlich in 150m Höhe im Hubschrauber seinem Gegenüber eine auf's Maul. Der flinke Schnitt (für den ein gewisser Brian Berdan zuständig war; jener welchiger auch schon Oliver Stone's "Natural Born Killers" zusammenstückelte), der jedem durchgeknallten Tony Scott - Flick ("Domino" sei hiermit noch einmal mit aller Nachdrücklichkeit wärmstens ans Herz gelegt) ungeschaut alle Ehre bereiten würde, krönt das Ganze dann endgültig zu einem fiesen, kleinen Meisterwerk.

   "Crank" ist Adrenalin pur und sensationell gut. Da kann sich Action-Zampano John Mc Clane vermutlich heuer noch ordentlich brausen gehen... W-Bär






Jahr: 2006
Regie: Taylor/Neveldine
Drehbuch: Taylor/Neveldine
Links: Website, IMDB

Starring:
Jason Statham
Amy Smart
Dwight Yoakam
Efren Ramirez
Jose Cantillo
Efren Ramirez

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