Damone „Roll the Dice"
Markus, 7.3.2010
   Die 80er sind groß. Überhaupt und zur Zeit sowieso. Film- und Serien-Remake-technisch und musikalisch detto. Be­gon­nen hat`s – in der Musikbranche - ca. Mit­te der letzten Dekade, u.a. mit der Wie­der­auf­bereitung von New Wave. Aber auch am Terrain des harten Rocks er­freu­ten sich schon vor langem tot gesagte Bands plötzlich wieder neuer Beliebtheit. Ergo sind Truppen wie Mötley Crüe oder Poison, sowie die ehemals Argen der Schwermetall-Liga wie Anthrax, Testa­ment oder Exodus seit dem wieder emsig am Touren und dabei auch noch erfolg­reich. V.a. in den US of A, wo sonst. Gleichzeitig ruft das natürlich den Nachwuchs auf den Plan. Folgerichtig greifen sich junge Männer und Frauen, die weiland, als genannte Bands das erste Mal die Bühnen enterten, noch nicht einmal ein schmutziger Gedanke in der verderbten Fantasie ihrer Eltern waren, heute ihre Instrumente und erweisen eben genannten edlen Greisen die Ehre. Womöglich ist daran auch das allseits beliebte Konsolen-Dings „Gituar Hero“ schuld. Dort findet man bekanntlich ein ganzes Büttel Tracks aus jener lang zurückliegenden, von neonfarbenem Spandex umgürteten Zeit. Was natürlich zutiefst sittsam und fromm ist, denn dieser musikhistorische Abschnitt war ja das Zeitalter der „Guitar Heroes“ schlechthin. Womit wir nun endlich bei diesen Damone wären. Die klugen Leser­innen und schönen Leser haben es bereits geahnt: diese Jungpracker sind schwer verliebt in die 1980er und haben brav auf der Playstation geübt. Die Thrash-Fraktion lassen sie allerdings außen vor und widmen sich lieber dem Spannungsfeld von Glam Metal und radiotauglichem Heavy Rock, welcher weiland das US-Airplay dominierte wie heute der halblustige Mr. Timbaland und seine Vocoder-verseuchten Retorten-Tunes. 
   Damone, abstammend aus Massachusetts und bestehend aus 3 Burschen und einem Dirndl, gehen dabei auf „Roll the dice“ allerdings so 90er- und 00er-Jahre befreit ans Werk, dass sie mindestens so retro wie Wolfmother, nur halt eine Dekade später um`s Eck biegen. Das hört sich von Sound-Design, Songwriting, Licks und Hooks alles dermaßen eins zu eins nach dem Original an, wie man es in Bezug auf 80er-Jahre Hardrock so konsequent durchgezogen bisher selten vernahm. Nix mit Zitat oder Neuinterpretation, sondern pures Plagiat. Aufgrund der Gnade der beachtlichen zeitlichen Distanz dann doch irgendwie originell? Eine klare „Halbvoll-Halbleer“-Geschichte. Völlig subjektiv wie es uns zu eigen ist, entscheiden wir uns für „Halbvoll“. Weil das ist schließlich der Stoff, der uns in der Kinderstube rocktechnisch für die bahnbrechenden 90er vorsozialisiert hat. Was wiegt`s, was hat`s? Nun viel vom Gesülze des alten Diamond Dave bzw. Van Halen (z.B. „Roll the dice“, „Talk of the Town“), aber auch von den Auskenner-Muttis Lee Aaron und Lita Ford („Serial Killer“, „Dressed up like a millionaire“). Eine der letzten leiwanden Guns N` Roses-Nummern („You could be mine“) vergenusszwergeln sie ebenso. Und dass ohne sich dabei nass zu machen, wohlgemerkt! Besonders angefixt sind wir vom Solo-Gefiedel des Hrn. Sechsaiter, denn – apropos Guitar Hero – diese Eddie Van Halen-/Steve Vai-Tappings hat im kommerziell orientierten Rock sich die letzten 15 Jahre ja keiner mehr getraut zum Besten zu geben. Volle Hochachtung also.

   Keine Frage: vor ca. 20 Jahren, sprich kurz bevor diese Art von Musik durch Grunge und Crossover schließlich an die Wand gedrückt werden sollte, wäre eine derartige VÖ eine von vielen gewesen. Heute nehmen wir sie – trotz allgemeinen Revivals – durchaus wohlwollend zur Kenntnis und sprechen hiermit eine klare Empfehlung für Empfindsame aus. mk






› Release: 08/2008
› Label: N/A
› Links: MySpace

Tracklist:
01. Roll the Dice
02. Serial Killer
03. Bored to Death
04. Like a Millionaire
05. Obvious Things
06. The most of it
07. Talk of the Town
08. Don't miss it
09. Better than you let on
10. You could be mine
11. Conquer me
12. When it ends

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