Domino
W-Bär, 7.8.2006
    Tony Scott hat sich wieder einmal selbst übertroffen. Dass der Gute einer der kna­ckig­sten Action-Flick-Regisseure ist, weiß man spätestens seit "Top Gun", "Last Boy Scout", "True Romance" und "Man on Fire". Und was er mit seinem BMW-Kurzfilmchen "Beat the Devil" leicht angedeutet hat, hat er mit "Domino" schlicht perfektioniert: schnelle Schnitte, arge Kamera­ein­stel­lungen und Farbfilter bis der Arzt kommt. Ein stylisher Supergau quasi. So manch Kritiker ist ja der Ansicht, der Herr Scott mache seine Filme ausschließlich für Gehör­ge­schädigte (weil laut), Sehbehinderte (weil farblich und einstellungstechnisch über­drü­ber), und Leute auf Drogen (weil schnell und visuell alles andere als leicht verdaubar). Und so unrecht hat die Nase vom Orlando Weekly (siehe Zitat unten) ja auch gar nicht. Natürlich könnte man "Domino" als zu lang geratenen Musikvideoclip abtun. Aber simma uns ehrlich: wer sich einen Tony Scott-Film anschaut will genau das und nix anderes.
    Inhaltstechnisch geht's um das Fräulein Domino Harvey, ein angesagtes Model das irgendwann einmal die Nase voll hat vom schnöden Mädchendasein und kurzerhand beschließt Kopfgeldjägerin zu werden. Einfach so. Auftritt Keira Knightley aka Scott's Geniestreich #1: der Über-Regisseur schafft es doch tatsächlich mit links die kleine zarte Knightley als sich nix scheißende, knallharte Nuss rüberkommen zu lassen. Respekt. Das hätte auch gehörig in die Hose gehen können. Geniestreich #2: ein wie immer saucool daherkommender Mickey Rourke in der Rolle des Kopf­geld­jäger-Mentors und Neuling Edgar Ramirez als dessen skrupellose rechte Hand. Passt wie Vanille zu Pudding und hätte einfach nicht besser besetzt werden können. Geniestreich #3: die Cameo-Auftritte von Ian Ziering und Brian Austin Green aka Steve und David aus der legendären 30jährige-machen-auf-Teenager-Vorzeige-Spelling-Serie  "Beverly Hills 90210", die sich beide selbst spielen und dabei gehörig eine aufs Happ'l bekommen. Und letztendlich Geniestreich #4: Christopher Walken als leicht konfuser TV-Produzent, der aus Domino einen Star machen möchte. Wofür ihm eigentlich ungeschaut ein Oscar für die beste Nebenrolle gebührt. Macht er doch wieder einmal seinen legendären "Saturday Night Live"- Auftritten alle Ehre und zeigt, dass er ein ganz großes Spaßlaberl sein kann, wenn ihm danach ist.
     Gewürzt wird das Ganze noch mit einer Prise durchgeknallter Kurzauftritt von Tom Waits, kleineren Beiträgen von Lucy Liu und Mena Suvari und dem bereits erwähnten unnachahmbaren, augenmassierenden Bombastik-Stil von Tony Scott. Einer der leiwandsten Flicks aller Zeiten. Ungelogen! W-Bär

   "With Domino, Tony Scott continues in his quest to make films expressly for the hard of hearing, the visually impaired and people on amphetamines, who find that all other movies move too darn slow." --Steve Schneider, ORLANDO WEEKLY  






Jahr: 2005
Regie: Tony Scott
Drehbuch: Richard Kelly
Links: Website, IMDB

Starring:
Keira Knightley
Mickey Rourke
Edgar Ramirez
Christopher Walken
Lucy Liu
Delroy Lindo
Brian Austin Green
Ian Ziering

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