Eighteen Visions „Dto"
Markus, 30.6.2008
 Die haben im Laufe ihres Schaffens einige Leute schwer vergrätzt. Vielleicht der Grund, warum es sie in der Form leider gar nicht mehr gibt. Warumwiesoweshalb? Nun 18 Visions, im Folgenden kurz und elegant 18V, sind anno 1995 in Orange Coun­ty als Metalcore-Band gestartet. Also richtig böser Stoff, mächtig brutal und melodieresistent. Dieser Musik­richtung huldigten die Buben eigentlich ziemlich lange, nämlich über drei Alben sowie einige EP's. Zusätzlich waren 18V beim in Szene-Kreise angesehenen Indie Trustkill untergebracht. Die einzigen Genre-fremden Farbtupfer, die sie sich vergönnten: ein für aufrechte  Metalcore-Kampeln im Grunde genommen verbotenes Glam-Outfit mit Eyeliner und lustigen Strähnchen sowie manch melodische Gesangspassage, die erkennen ließ, dass Sänger James Hart neben Kreischen und Keifen auch recht hübsch singen kann. Mit dem vierten Album „Obsession“ (letztes Album für Trustkill) schoben sie schließlich behutsam die Musik in jene Richtung, in welcher der Kleiderkasten stand. Daher kassierten sie für diese VÖ logischerweise erste Watschen von der angestammten Fan-Community unter gleichzeitigem Beifall von bisher unerschlossenen Fan­gruppen. Mit dem seit 2006 vorliegenden Album „18V“ (Epic) wurde schließlich der musikalische Turnaround vollendet und damit auch die letzten Fans der ersten Stunde verscheucht. Die hammerharte Vergangenheit hört man auf der aktuellen Scheibe lediglich in diesem wunderprächtigen Betonwandsound nachhallen. An­sonsten geht`s zum Teil ganz schön rotzrockig zur Sache. Was aufrechten Metal­core-Heads zu Recht ein Graus, uns aber durchaus ein Donauinselfest ist! Denn wir halten ihre aktuelle Mucke für ein ganz schön fein abgezwirbeltes Brenngemisch! So haben sie unter anderem das Bratzmetal-übliche und für ältliche Menschen wie uns bisweilen doch recht nervenstrapazierende Rhythmus- und Riff-Gewechsle über Bord geworfen und die durchaus noch zahlreich vorhandenen Metalriffs in straight groovende Bahnen gelenkt. Keifen bleibt nahezu komplett außen vor und ist nun endgültig engagiert hingerotzten Punk`n`Roll-Shoutz gewichen. Der Opener „Our darkest day“ eröffnet mit Akkustik-Geplänkel, um in Folge mit ruppig geschrubbtem Fear Factory-Riff samt Doppelschlägel-Teppich, Streichern (!) und Poppunk-Vocals (!!), die Simple Plan auch nicht zuckriger hinbekommen hätten, gleich mal kräftig zu verwirren. Ein wengerl überladen das, aber hat was. Daran anschließend geht`s mit „Victim“ erstmals richtig rund. Was für ein fies rockender Straßenwedl! Super­dreckige Vox, resch aufgeziegelte Streetrock-Klampfen gemischt mit einer Prise Nu Metal-Bösartigkeit, das sitzt. Fester Tritt ins Kreuz oder „irgendwie die beste Num­mer die Powerman 5000 jemals nicht geschrieben haben“ wie Kollege W-Bär treffend bemerkte. Mit „Turth & consequence“ streifen sie ein bisserl an Emo, was wir nur bedingt leiwand finden. Der Nu Rock-Kracher „Burned us alive“ radiert auf­keimende Skepsis allerdings gleich wieder aus, überrascht mit einem nett und kontrastreich gesetzten Poppunk-Refrain. „Black and bruised“ brennt wieder dampf­ende Gummistriche in den Asphalt und enthält einen höchst erfreulichen Quietsch-Breakdown im besten Zakk Wylde-Style. Bei „Broken hearted“ kracht die Kinnlade ungebremst gen Süden, denn das Herzerl massierende Halbballade mit astreiner Def Leppard-Bridge zum Refrain! Mit diesem musikalischen Backkatalog wirklich mutig oder eben lebensmüde. Ansichtsache, sicher. Aber bekennende Beckenrand­schwim­mer wie wir loben das natürlich! Mit dem dezent industrial getriggerten Metalrocker „Pretty suicide“ drehen sie des Hörers Ohrwaschl aber eh gleich wieder auf Halb­neun. „Coma“ und „Sweetest memory“ lassen wiederum ein wenig aus: erstes zu zerfahren, zweites erneut zu nah an Emo hingenagelt. Die näxte Halbballade „Last Night“, das zünftige „Your nightmare“ und zuletzt  „Tonightless“ sorgen für den ge­lung­enen Abschluss.

  Unsere Empfehlung: Freunde von Lamb of God oder Hatebreed ganz gschwind Finger weg. Papa Roach-, Saliva- oder Powermann 5000-Aficionados hingegen: im­mer nur zu! Ahja, and watch out for se Nachfolgeband Burn Halo. Die dürften auch was können. Werd ma im Auge behalten... mk




› Release: 07/2006
› Label: Epic
› Links: Website, MySpace

Tracklist:
01. Our Darkest Days
02. Victim
03. Truth Or Consequence
04. Burned Us Alive
05. Black And Bruised
06. Broken Hearted
07. Pretty Suicide
08. Coma
09. The Sweetest Memory
10. Last Night
11. Your Nightmare
12. Tonightless

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