Feast
W-Bär, 25.6.2007
   Bevor's ans Eingemachte geht, ein kurzer, nerdiger Exkurs zur Entstehungsgeschichte von "Feast": Vor einigen Jahren, genauer ge­sagt Ende 1999, haben zwei un­sym­pa­thi­sche Hampeln namens Ben Affleck und Matt Damon in Zusammenarbeit mit den Produzenten-Gebrüdern Weinstein (damals noch bei Miramax) das sogenannte "Project Greenlight" ins Leben gerufen - eine Art Drehbuch- Wettbewerb, bei dem das beste Drehbüchl mit einem Budget von einer Million Doller verfilmt werden sollte. Ein Jahr später wurde dann auch gleich parallel dazu eine Art Regienachwuchsförderung angehängt und im Juli 2004 (im dritten Jahr des Wettbewerbs) war's dann so weit: die Jungspunde Patrick Melton und Markus Dunstan gewannen mit ihrem Drehbüchl zu "Feast" und ein gewisser Herr John Gulager wurde zur neuesten Regie-Hoffnung gekürt. Der Rest ist Geschichte bzw. einer der leiwandsten Alienslasherhorrorflicks der letzten Jahre.
   In einer räudigen Bar, mitten in der texanischen Wüste, versuchen ein paar ver­krach­te Existenzen (ein abgefuchster alter Barkeeper, eine harte Biker-Braut, ein allerweil grantelnder Schumsenbesitzer, eine aufstrebende Actress/Model/Dancer-Kellnerin, ein Großgoscherter, eine junge Mama und noch ein paar andere schon bald zu Monsterfutter mutierte Gestalten) eine weitere Nacht im Suff zu ertränken, als plötzlich ganz unverhofft ein ziemlich schiaches Viech an die Tür klopft, um aus den Anwesenden eine metaphorische Eierspeis zu machen. Woraufhin so manch eben noch in die Handlung eingeführter Charakter schneller wieder in einer in alle Richtungen spritzenden Blutfontäne aufgeht als man schauen kann. Es geht fürwahr ganz schön blutig und durchgeknallt zu. Mitten drunter: BALTHAZAR GHETTY, KEVIN SMITH-Sidekick JASON MEWES, der sich überhaupt gleich selber spielt und Schweißsockenkoryphäe HENRY ROLLINS, der nach einer halben Stunde nur noch in einer schnieken rosa Jogginghose durch den Film flaniert. Wahrhaft nix für's Aug. (Die restliche Belegschaft ist zwar weitgehend unbekannt, kann aber - vor allem was die weiblichen Parts angeht - durchaus überzeugen ("Höbedi, Höbedi, Höbedi!").
   Das famose an "Feast" ist jetzt allerdings - im Gegensatz zu den in den letzten Jahren in Mode gekommenen Folterpornos wie "Saw" und "Hostel" - dass trotz zahl­reicher abgetrennter Körperteile und der literweisen Verschüttung diverser Körper­flüssigkeiten (verstörender Monster-Sex inklusive) immer noch ein Fünkchen Humor übrig bleibt. Und das liegt wiederum daran, dass manche Metzeleien schon derart überdreht sind, dass sie einfach Spaß machen müssen. Unweigerlich drängt sich da etwa das Killerkaninchen aus "Die Ritter der Kokosnuss" ins nach Vergleichen suchende Hirn. Nur dass "Feast" einen ganzen Kilo gemeiner daherkommt. Zumin­dest mit der unrated-Version, die hiermit herzlichst empfohlen werden will. Außer­dem: wie könnte man einen Film, der sich eine Skid Row-Nummer (zwar schon ein Spätwerk - "New Generation" vom 2003er Album "Thickskin", aber immer noch Skid Row!) fladert und als Hauptthema verwurschtelt nicht lieb haben? Eben! "Feast" macht Laune und beweist wieder einmal, dass es für einen leiwanden Flick mit pumascheißescharfer Optik und Unterhaltungswert galore kein großes Studio und haufenweise Kohle braucht! W-Bär

  PS. Kleines Kuriosum am Rande: wer sich den Trailer erst nach dem eigentlichen Flick anschaut, ist sich zumindest eines kleinen Aha-Erlebnisses sicher! Wo diese garstigen Viecher herkommen wird im Flick selber nämlich mit keinem Wörtchen erwähnt. Im Trailer hingegen geht's um nix anderes ...




Jahr: 2005
Regie: John Gulager
Drehbuch: P. Melton, M. Dunstan
Links: Website, IMDB

Starring:
Samuel L. Jackson
Julianna Margulies
Nathan Philips
Rachel Blanchard
Flex Alexander
Bruce James

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