Gabriel
W-Bär, 27.10.2008
  Öha - was hamma denn da? Ein Film mit lauter Engerl? Schön. Immerhin Ist ja bald Weihnachten. Da passt das ja ganz gut. Ganz so verhält es sich dann aber gott­sei­dank doch nicht, denn in "Gabriel" ballern Erzengel schon mal gern lässig mit Riesen­wummen in der Gegend herum oder hauen sich gegenseitig kungfutechnisch die Hucke voll. Na das ist doch! Der Held der Ge­schich­te hört auf den Namen Gabriel - oder schlicht Gabe, wie ihn seine engsten Hab­schis nennen, ist seines Zeichens haupt­be­ruf­lich Erzengel, und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Licht ins finstere Fegefeuer zu bringen. Blöd nur, dass ein paar seiner ehe­maligen Kollegen (Sammael, Uriel, Raphael, Molloch - und wie sie alle heißen mögen) selbiges schon vor ihm versucht haben, dabei aber kläglich gescheitert sind, und dann auch noch Gefallen an der düsteren Finsternis gefunden haben und seitdem als illustres Halunkenpack das Fegefeuer unsicher und dem lieben Gabriel somit das Leben unnötig schwer machen.
   Optisch kommt "Gabriel" ganz im Stil der "Matrix"-Trilogie daher. Ergo: ganz viel düster und noch mehr grün. Womit wir auch schon beim ersten Sternderl des Flicks wären. Der Film ist nämlich ein wahrer Augenschmaus. Man sieht dem Düster­schinken in keiner Sekunde an, dass wir es hier mit einem Australier moderaten Budgets (umgerechnet ca. EUR 100.000,-) zu tun haben und nicht mit einem schnieken 200 Mio.-Hollywood-Blockbuster. Da könnte sich so manch Hollywood-Produzent ein Scheiberl abschneiden.
   Sternderl Nummer 2 gibt's für die pipifeine Besetzung. Obwohl nicht nur hierzu­lande gänzlich unbekannt, macht neben dem ganz passablen Hauptdarsteller Andy Whitfield vor allem Oberbösewicht Dwaine Steven­son (als Sammael) mit seinem ersten Aus­flug ins Schauspielergefilde eine verdammt furchteinflößende Figur. Und das trotz räudiger Marilyn Manson-Gedächtnis-Kontaktlinsen. Der Junge ist schlicht fabelhaft. Aber genug der Blumen. Zeit für ein wenig Kritik. Nach der ersten halben Stunde beschleicht einen nämlich unweigerlich das Gefühl, dass da jemand ganz viel vom ersten "The Crow"-Streifen von Alex Proyas (übrigens detto Australier, der Gute) und dem 1995er-Grusler "God's Army" aka "The Prophecy" hält (jener Flick, in dem Chris Walken als Gabriel einem kleinen Mädchen die Seele mopsen will und in dem auch Viggo Mortensen als gnackmattiger Luzi ein Wörterl mitzureden hat). Und zwar einerseits, weil sich "Gabriel" atmosphärisch fast schon ein bisl zu sehr an "The Crow" orientiert und andererseits weil man in "The Prophecy" den großen Walken u.a. folgendes sagen hört: "Did you ever notice that when God needed someone to be made an example of, or killed ... He sent an angel? Can you imagine what a creature like that must be like?" Na wenn dieses Zitat den Herren Drehbuchautor nicht der­maßen beeindruckt hat, dass er gleich beschlossen hat einen ganzen Film daraus zu machen! Aber wurscht. Schließlich ist es beim Filmemachen durchaus legitim zu fladern - sofern die Quelle fladernswert ist. Und "The Crow" und "The Prophecy" sind das allemal. Wollen wir also gerade noch einmal durchgehen lassen und mit Sternderl Nummer drei goutieren.
   Eine große Schwäche hat "Gabriel" dann aber doch noch. Der Flick ist stellenweise ganz schön zach. Was vor allem daran liegen dürfte, dass Regie-Debutant Shane Abbess, von dem auch das Drehbüchl stammt (sein erstes überhaupt), viel zu sehr in selbiges verliebt war. Vor allem die Dialoge dürften es ihm dabei angetan haben. Viel poetisch-philosophisches Gesülze und noch mehr existentialistisch-angehauchtes Gelaber, das zwar auch unweigerlich zur kunstvoll-düsteren Atmosphäre beiträgt, stelleinweise aber auch viel zu viel bremst und oft ins Fade kippt. Da bleibt meistens nur die Gewissheit, dass auch der fadeste Dialog irgendwann zu Ende gehen muss und hoffentlich schon bald wieder die Post abgeht. Was sie dann allerdings auch umgehend tut, die Post. Abgehen nämlich. Und wie auch noch.

  Nette Idee, nette Umsetzung. Man hätte zwar ein bisl mehr rausholen können, für ein Regie- und Drehbuchdebut aber äußerst gelungen und wer's gern stylisch hat und auf düstere Endzeitgutenachtgeschichten wie "The Crow", "The Prophecy" und "The Matrix" steht, wird sich auch mit "Gabriel" etwas anfangen können. W-Bär






Jahr: 2007
Regie: Shane Abbess
Drehbuch: Shane Abbess
Links: Website, IMDB

Starring:
Andy Whitfield
Dwaine Stevenson
Samantha Noble
Michael Piccirilli
Harry Pavlidis
Jack Campbell

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