GENE THE WEREWOLF

Rock N'Roll Animal (2013)

Da darf man sich jetzt nicht täuschen lassen: Der Name Gene The Werewolf be­zeichnet eine Band und nicht das Alter Ego eines Solokünstlers. Jedenfalls, nach zwei, drei Durchläufen via Mediaplayer wird schnell festgestellt: „Leiwand, die haben sich eine Review auf der Lounge verdient!“ Pflichtbewusst versucht man emsig ein­schlägige Seiten anzuzapfen, um mehr über den Werdegang dieser cremigen Band mit dem beknackten Comic-Namen zu erfahren und ist zahlreiche Klicks später, kurz davor das Handtuch zu werfen.. Denn so „Underground“ - sprich im Verborgenen blühend - in Bezug auf die allgemeine Info-Lage war ja schon lange keine der hier präsentierten Kapellen mehr. Wikipedia.com erklärt uns auf Anfrage, dass „this site doesn`t exist“. Na gut, soll sein. Wäre jetzt auch ein bisserl billig gewesen. Laut.de? Griff ins Leere. Also die Nasen von Allmusic.com anstupsen. Die wissen für gewöhn­lich immer Rat. Nun man kennt dort Gene The Werewolf, schau dich an! Das dortige Portfolio zu selbigen erschöpft sich allerdings in zwei Albumtiteln plus einer Trackliste. Und weiter? Nüüüchts! Keine Bio oder Rezension, null Referenzen und Querverweise, nix mit „Similar Artists“, „Influenced by“ oder sonst irgendwie einen Plan. Selbst die Einserseite punkto Musik, von Eurodance bis Grindcore, sprich die IMdB der Unterhaltungsmusik, streckt bei Gene The Werewolf infotechnisch ziem­lich die Patschen. Bleibt der mühselige Weg durch die Weiten der Ebene ein­schlä­giger Fanzines, welcher Hartnäckige zumindest rudimentär über den Werdegang der Band aufklären kann.

Pittsburgh Local Heros, Spaßpunk und der
steinige Weg zur Werewolf'schen Globalisierung

Wenn das mühselig Zusammengekratzte denn auch stimmt, agiert die Combo von Pittsburgh aus und zwar seit 2007. Bevor sie zu Gene The Werewolf mutierten, dürften die Akteure allesamt Spaßpunk vergenusszwergelt haben, was auf vor­lie­gender VÖ so nicht mehr nachvollzogen werden kann. Des Weiteren können wir unseren Leserinnen und Lesern berichten, dass sie wenigstens in ihrer Heimatstadt so etwas wie „Local Heros“ sind, da sie vor nicht allzu langer Zeit die Mann­schafts­hymne der Pittsburgh Steelers erfolgreich rocktechnisch veredelten. Außerdem haben sie bisher insgesamt drei Tonträger unters nordamerikanische Volk gebracht. „Rock N` Roll Animal“ ist nun eine Art Leistungsschau, quasi ein „Best of“ des bis­herigen Schaffens, nebst der behutsamen Auffettung mittels einer handvoll neu gedichteter Elaborate. Das deshalb, weil Gene The Werewolf mit „Rock N` Roll Animal“ nun über globalen Vertrieb international werden wollen. Bisher ist dieses Unterfangen offenkundig erfolglos verlaufen. Völlig zu Unrecht natürlich.

Zitaten der Band zufolge, ist es ihnen ein zentrales Anliegen die musikalischen Ahnväter ihrer Kindheit zu ehren. Diese siedeln – bei Yankees in den 30ern nicht weiter überraschend – allesamt im Zungenzeiger-Hardrock der späten 1970er bis 1980er. Diese Tunes neu aufzugießen ist ja heutzutage durchaus wieder en vogue und von daher gar nicht mal so originell. Ergo ist uns in diesem Kontext die letzten Jahre schon manch Mittelmäßiges untergekommen. Replikas, welche nicht im Bombentrichter der Gründerväter detonieren, sondern vielmehr dort fehlzünden, wo weiland heute zu Recht vergessene Acts wie Trixter oder Pretty Boy Floyd erfolglos nach Gold schürften. Gene The Werewolf deklinieren ihren altgvatrischen Hardrock hingegen auf sehr korrekte Art und Weise. Ihre Meriten sind die ebenso adrenalinhaltige wie bluesige Fuselröhre des Sängers, steinstarkes Liedgut und das „Kukident Haftcreme“-mäßige Zusammenspiel, welches uns die Musik mit Nach­druck in den Ziguri massiert. Die Grundessenzen für triumphalen High Energy - Rock `n` Roll sind also allesamt vorhanden. Ergänzt wird ihre Good old days - Remineszenz durch eine dick aufgelegte Schicht ironiegesättigten Humors, die den genreim­manenten Dicke Hose-Appeal auf sympathische Weise camoufliert. Lyrics und Auf­treten liefern daher den passenden Soundtrack für alle Vorzimmerspiegel-Rocker und uns damit die volle Identifikationsbreitseite. Denn in den eigenen vier Wänden wird der unscheinbare Gene zum Viech und bringt die „young girls“ noch alleweil zum „cryin`“! Weil er nämlich eigentlich ein ganz schlimmer Finger ist, der seine „soul“ dem „rock `n` roll“ verscherbelt hat. Und deshalb gar nicht anders kann als „from coast to coast“ stolz sein „heart of steel“ zu präsentieren! Obwohl der kleine Bengel natürlich folgsam und zerknirscht das „radio down“ dreht, wenn die Unter­mieterin seines Herzens ihm während des Luftgitarrensolos mit schmaler Lippe schiefe Blicke zukommen lässt. Das eine ungefähre Inhaltsabgabe zu den lyrischen Ausdünstungen auf vorliegender Platte. Teneacious D haben im Pitts­burgher Quar­tett Seelenverwandte gefunden. Rockkabarett-technisch schlagen außerdem The Darkness und Foxy Shazam unter aufmunterndem Gejohle ab.

Auf den Spuren von Aerosmith, Van Halen,
Kiss, Def Leppard und AC/DC

Auf Rock N` Roll Animal werden sämtliche Vorbilder musikalisch makellos ge­bauch­pinselt und brauchen sich folglich, trotz aller Parodie, keinesfalls angewidert abzuwenden. Liebevolles Persiflieren ist bekanntlich die ehrlichste Form der Schmeichelei. Ob Aerosmith vs. Van Halen (Superhero, Heart of Steel), Def Leppard vs. Kiss (Light me up) oder die notorischen AC/DC (I only wanna Rock ´n´ Roll): Gene the Werewolf bewegen sich stets geschmeidig übers Parkett als hätten sie bei Johnny Travolta Tanzstunden genommen. Beim kernigen Titeltrack gehen wir gar so weit zu behaupten, dass er unter anderen Umständen, sprich im Delorean fest­gezurrt zurück ins Jahr 1985 geschickt, das Zeug zum absoluten Genre-Klassiker hätte.

So lässt er uns halt 2013 vor Freude glucksend durch das Wohnzimmer hopsen, zutiefst dankbar für den frischen Nachschlag in Sachen Heavy Rock alten Zuschnitts. Denn ehrlich gesagt: nach den unbestreitbaren Großtaten von einst strecken sich die von üppigem Hüftgold gebremsten und ihres Mojos beraubten Vorbilder heute für gewöhnlich leider vergebens. Darum all ihr noch unentdeckten Nasszellen-Rocker da draußen, macht es wie der olle Gene: Ab vor den Duschvorhang, gebt den Leuten den Wolf! mk, 09/2013