Gluecifer „Automatic Thrill"
Markus, 18.2.2008
    Der Glue ist der kleine Bruder vom Lu. Und viel cooler als sein bocksbeiniger Ver­wandter. Ist nämlich einer von der Old­school-Sorte. Brillantine gestärkte 50ies-Tolle, daher auch sein Name. Dazu einen geschmackvollen Moustache inklusive Kinn­bärtchen, fetten Grinser im Gesicht und unheimlich weiße Beißerchen in sei­nem Maul. Selbstverständlich immer auf einem saaagenhaften Dragster-Bock un­ter­wegs der Mann. Am Sozius stets eine knapp geschürzte Frau mit uuunglaublich großen …ähem, na Augen halt. Und so wie er sich unpackbar leger gegen den Fahrt­wind stemmt, lehnen sich die Buben von Gluecifer in ihre Songs und stehen dem pickerten Cifer punkto Smartness aber um überhaupt nix nach. Immer die Kippe im Mundwinkel und die steife Oberlippe im Anschlag. Allerliebst! Und bei allem lässig im Wind rum stehen haben sie noch nicht mal auf das Wichtigste vergessen, nämlich leiwande Songs zu schreiben.
   Herkunftsland des Quintetts ist Norwegen. Wir sind überrascht! Ich mein, dass die Schweden (Backyard Babies, Hellacopters, Hardcore Superstar) das mit dem ge­schmei­dig Rocken verteufelt (sic!) gut heraußen haben, hamma mittlerweile schon mitbekommen aber jetzt auch die Norweger? Wobei „jetzt“ ist natürlich grundfalsch. Die Burschen, die so hinreißende Glamnamen wie Biff Malibu oder Raldo Useless tragen, musi­zieren nämlich bereits seit 1994 miteinander. Besser gesagt: „musi­zierten“. Denn, und das ist der traurige Teil dieser Review, letztes Jahr haben sie sich aufgrund chronischer Motivationslosigkeit aufgelöst. Kann man aber verstehen, wenn man sich ihr letztes Release „Automatic thrill“ ein paar mal reingezogen hat. Da wird in einer Daherkommung gerotzt und gerollt, bist du! Haben wahrscheinlich erkannt, dass sie das nimmer toppen können und daher völlig zu Recht beschlossen, aufzuhören wenn es am schönsten ist. Musikalisch schippern Gluecifer jedenfalls in ähnlichem Fahrwasser wie ihre schwedischen Kollegen von den Backyard Babies und den Hellacopters: angesleazeter Nasenrammel-Rock mit hohem Stinkefinger-Appeal. Nur haben die Uhudeibln die um einen Tick tolleren Lieder in ihren Zylinder­töpfen versteckt. Z.B. den Opener und Titeltrack „Automatic thrill“: da werden, unter­legt von super simplen aber so was von knackigen Drumbeats, Gnackwatschen verteilt, dass man bereits bei Track Numero 2, „Take it“, mit blutigem Zinken und blödem Gschau vor der Audio-Anlage steht. Und selbstverständlich hat hier der Watschentanz noch lang kein Ende! Zwischendurch gibt`s zur Erholung kleine, aber seeehr feine Ausflüge in Psychedelic/Dope-Rock-Gefielde („Freeride“), um schließ­lich mit  „Dingdong thing“ dem verdatterten Hörer den letztgültigen Beitrag zum Thema „Rotz `n`Roll“ vor den Latz zu knallen. Wer da nicht mit proletigem Zucken um den Mundwinkel die Rübe beutelt liegt vermutlich schon tot im Holzpyjama. Selbst solch gegerbten Rock`n`Roll-Veteranen wie einem Lemmy Kilmister oder einem Gene Simmons bleibt in diesem Fall gar nixx anderes übrig, als zu heulen wie die Schulmädchen vor Glück. Insgesamt steckt überhaupt ein irrsinnig hoher Motor­öl- und Bierdunst-Faktor in dieser Scheibe und mit so etwas hat man uns ja schon immer beeindrucken können.

   Musik von Männern für Männer. Dafür kann`s jetzt eigentlich nur 4 unheimlich nach Männerschweiß fäulende Sterne geben! mk





› Release: 01/2004
› Label: Steamhammer
› Links: Website, MySpace

Tracklist:
01. Automatic Thrill
02. Take It
03. Car Full Of Stash
04. Here Come The Pigs
05. Dingdong Thing
06. Other Side
07. Shaking So Bad
08. Freeride
09. Put Me On A Plate
10. Dr. Doktor
11. The Good Times

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