Lemmy: White Line Fever
W-Bär, 5.6.2006
     Lemmy Kilmister, lebende Whiskey­fla­sche, Metal-Ikone und Motörhead-Ob­er­schlumpf packt aus. Mit "White Line Fe ver" legt der alte Sack, der für sein Alter (geb. am 24. Dezember 1945) eigentlich noch un­ver­schämt gut ausschaut, seine Autobiographie vor. Und das macht er gar nicht mal so schlecht. Er erzählt locker-flockig, würzt das ganze mit einer Prise schwarzem Humor und allein schon wegen der vielen Rocker-Anekdoten liest sich "WLF" wie ein klas­sisch­es Sachbuch über das schlüpfrige Le­ben eines waschechten Rock'n'Rollers. Und wenn man auch nur die Hälfte davon glau­ben mag, dann ist es allein schon aufgrund der Unmengen an Drogen und Alkohol, die der ehrenwerte Herr Kilmister so im Laufe der letzten Jahrzehnte geschlabbert und eingeworfen hat, ein kleines Wunder, dass der notorische Schreihals überhaupt noch aufrecht stehen kann.
   In den 80er Jahren war er sogar selber kurzzeitig ein bisl um seine Gesundheit besorgt und wollte einen kompletten Blutaustausch vornehmen lassen (eine durch­aus nicht unübliche Vorgehensweise unter Langzeitsüchtlern; erspart man sich doch gar die lästige Ausnüchterungs und Entgiftungsphase und von heut auf morgen ist alles wieder pipifein). Allerdings haben sich die Ärzte quergestellt, weil sie gemeint haben, dass sein Körper schon dermaßen vergiftet ist, dass ihn reines Blut mit ziem­licher Sicherheit umbringen wird. Na dann halt nicht, hat er sich gedacht und fleißig weitergesoffen.
   Und der Mann kennt wirklich jeden. Von Buddy Holly über Jimi Hendrix, Little Richard, Alice Cooper, Ozzy Osbourne u.v.a. Sogar den Beatles und den Stones ist er des öfteren über den Weg gelaufen. Und wer hätte das gedacht: während die Stones ein Haufen Sissies waren (wohlbehütete Studentengfrieser, die von heut auf morgen beschlossen haben zwecks Street-Credibility alles sausen zu lassen) waren die Beatles angeblich die wirklich gefährlichen Hund'. Vor allem der Ringo und der John Lennon sollen in den frühen Anfangstagen keine Keilerei ausgelassen haben. Schau, schau! Wieder was dazugelernt. Ansonsten geht's in "WLF" natürlich hauptsächlich um MOTÖRHEAD. Nach einem kurzen Ausflug zu seinen musikalischen Anfängen bei den Rocking Vicars und Hawkwind berichtet er vom durchgeknallten allerweil-auf-Tour-Dasein, jammert viel über die zahlreichen Plattenfirmen, die es immer wieder geschafft haben ihn ganz müde und MOTÖRHEAD nicht erfolgreicher zu machen und druckt ganz viele G'schichtl'n, die man halt so als gestandener Rocker in knapp fünf Jahrzehnten erlebt.

   Eine nette kleine Gutenachtgeschichte, die selbst für jemanden, der sich mit dem räudigen MOTÖRHEAD-Krawall nicht so viel anfangen kann, durchaus empfehlens­wert ist ... W-Bär






Erscheinungsjahr: 2004
Links: Motörhead

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