Lostprophets „Liberation Transmission"
Markus, 26.6.2006
     Yep, die aktuellen Promopics mit den Manga-Matten haben`s uns schon ver­mu­ten lassen: die wollen es jetzt wirklich wis­sen. Nachdem die Lostprophets auf der Insel eh schon ziemlich groß sind und vom letzten Longplayer sogar in den USA 500.000 Scheiben unters Volk gebracht wurden, möchten die Waliser 2006 ein­deutig in die Sportstadien dieser Welt. Und ist ja auch nix dagegen zu sagen. Denn sind wir mal ehrlich: so Indie kann eine Band gar nicht sein, dass ihr beim Gedanken an eine 40m breite Bühne mit 20m hohem Aufbau und 50.000 krei­schenden Würschteln davor, nicht klammheimlich einer abgeht.
   Wie gesagt, verurteilen wir nicht dieses Ansinnen! Was die Buben aber bei ihrem Versuch ein weltweiter Chartblockbuster zu werden nun abliefern, ist halt leider gar nicht mal so gut. Hang zu Pop und New Wave haben sie schon immer gehabt. Wissen wir. War früher (siehe Review zu „Start something“) in einen mächtig bladen Nu Metal-Sound so „Fitzelchen von“ hinein gestreuselt und frommte dem Abwechs­lungs­reich­tum ihrer Songs. Nur jetzt ist nix mehr mit „Fitzelchen von“. Und mit Metal schon überhaupt nicht. Weder „Nu“ noch „Old“. Die Liedchen auf „Liberation Trans­misson“ sind mehr so angepunkter Wave. Oder angewavter Punk, wenn man so will. Auffallend auch, dass sich Sänger Ian Watkins plötzlich nicht mehr wie sein altes Vorbild Mike Patton anhört, sondern vielmehr in den besseren Momenten wie Joel Madden von Good Charlotte, in den furchtbareren wie Robert Smith von The Cure. Konsequenter Weise klingt dann z.B. die Nummer „Can`t stop, gotta date with hate“, wie wenn U2  1984 mit The Cure gemeinsam einen Song aufgenommen hätten. Sprich: kotzen wie Pferd! Ich mein, dieses Gejaule hat schon damals Honig­me­lonen­große Eiterpusteln im Poppo verursacht, hmpf! Aber verkaufstechnisch selbst­ver­ständ­lich voll auf der Höhe der Zeit, da der „New“ New Wave und seine unpackbar räudigen Protagonisten wie z.B. Franz Ferdinand  oder Maximo Park  derzeit ab­cash­en Ende nie.
   Wobei rockiger als oben genannte sind die Lostprophets natürlich schon. Und es gibt wohl den einen oder anderen lichten Moment. Immer dann wenn`s mehr Punk ist als Wave wie z.B. “Everyday Combat”, „The New Transmisson“ oder „For all these times". In diesen Fällen erinnern sie an Good Charlotte zu „The young and the hopeless“-Zeiten. Eigentlich auch arm. Den supergenialen Streetracer-Screamo-Nu- Metal-Punk von „Start something“, spielt's jedenfalls nimmer. Lediglich die Emo- Halbballade „Rooftops“ hat noch irgendwie einen Bezug zu diesen seligen Zeiten. Ah ja und der Schmalzer „Always all ways“ ist zugegeben ebenso ganz nett. Den Rest können sie sich am Bauch picken. Schade.

   Waren mal sooo toll! Eben drum woll ma großzügig sein und geben für jede ge­lungene Nummern einen halben Stern. Mehr ist nicht drin. mk






› Release: 06/2006
› Label: Sony BMG
› Links: Website, MySpace

Tracklist:
01. Everyday Combat
02. A Town Called Hypocrisy
03. The New Transmission
04. Rooftops
05. Can't Stop
06. Can't Catch Tomorrow
07. Everybody's Screaming!!!
08. Broken Hearts
09. 4 AM Forever
10. For All These Times
11. Hell For The Company
12. Always All Ways

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