Lostprophets „Start Something"
Markus, 5.6.2006
    Pontypridd in Wales kennt keine Sau. Dabei wurde in diesem Städtchen Tom „der Tiger“ Jones geboren! Was das mit den Lostprophets zu tun hat? Genau, die kommen aus demselben Ort. Können also ganz schön stolz auf sich sein, die Ponty­pridder. Weil ist nicht selbstverständlich, wenn man überlegt, was etwa das ver­gleich­bar große Bruck an der Mur bis dato so hervorgebracht hat. Eben. Fällt einem jetzt nix dazu ein.
   Mit „Start something“ legten die Lost­prophets nach „Thefakesoundofprogress“ 2004 ihren zweiten Longplayer vor. Ob­wohl sie von den britischen Inseln kommen, hört man es ihnen zum Glück nicht an. Ganz im Gegentum, klingt sehr amerikanisch das. Um`s stilistisch ein bisserl ein­zu­ordnen häng ma ihnen mal das Mascherl Nu Metal um. Obwohl ihnen dieses Label nicht wirklich gerecht wird. Jedenfalls besteht eine gewisse Verwandtschaft zu US-Bands wie Incubus. Welche vor allem darin wurzelt, dass Lostprophets-Sänger Ian Watkins, ebenso wie Incubus Brandon Boyd, seinen Mike Patton gut gelernt hat. Klingen halt beide verdammt nach dem legendären Faith No More-Shouter. Bei genauerer Betrachtung hat sich`s dann wieder mit den Parallelen zu Incubus, da der walisische Sechser - bei aller Virtuosität - nicht in diesen mitunter ein bissi auf die Eier gehenden Akademiker-Metal mit seinen zwanghaft gegen den Takt gebürsteten Rhythmen verfällt wie Incubus das gern passiert. Die Erdung bleibt – Songtitel wie „We are Godzilla, you are Japan“ verraten es - eine proletige. Und so soll`s auch sein! Denn da kommt er ja her der Rock. Aus der Arbeiterklasse nämlich. Die Burschen haben`s also raus und mit „Start something“ ein relativ fantastisches Album abge­liefert. Eingepackt in eine superfette Nu Metal-Produktion hüpfen sie in ihren Songs zwischen den Stilen (Rock, Metal, Punk, New Wave, Trip Hop, Psychedelic,…) hin und her, ohne aus selbigen ein hoppertatschig zusammengeflicktes Patchwork-Deckerl zu stricken. Passt alles wunderbar zusammen. Schon der Opener „We still kill the same way“ zieht einem einen Scheitel, bist du gscheit! Arschwackelnde Tribal-Rhythmik wechselt mit catchy Hooklines und verträumten Bridges, um dir zwischen­durch mit Metalcore-mäßigen Gitarrenwänden und Doublebass-Attacken so richtig eins auf den Sauger zu geben. Ist man hinterher ganz gaga. Und das geht die ganze Platte so weiter. Schicken einen damit auf die emotionale Achterbahn. Und schreck­en nicht einmal vor orchestralem Bombast zurück. Was im Normalfall natürlich scheiße klingt, bei den Lostprophets aber dermaßen funktioniert. Z.B. im Titeltrack. Rockt wie Schwein. Mit diesem modernen Breitwand-Sound sind die Buben selbst­ver­ständlich prädestiniert, Klangmaterial für flinke Konsolenspiele abzuliefern. Was sie mit der Nummer „To hell we ride“ für „Need for Speed Underground“ bereits getan haben. Trotz aller Heaviness besitzt ihre Musik jedoch immer diesen gewissen Pop-Appeal, der ihnen – ähnlich wie den großen Faith No More – ganz besonderen Charme verleiht. Sei noch festgehalten, dass die Lostprophets immer schon ein­ge­fleisch­te Duran Duran-Fans waren. Was man ihnen im aktuellen Video zu „Rooftops“ neuerdings auch ansieht. Eyeliner, Pudelfrisur, das volle Programm. Dürften das ernst meinen. Und Sänger Ian Watkins war schon in Jeans und Leiberl ein passabler Posterboy.

   Hm, wenn man das mit ihrem musikalischen Können zusammenrechnet und be­denkt, dass das Ende Juni kommende Album „Liberation transmisson“ unter der Fittiche von Oberdruide Bob Rock (u.a. Metallica, Motley Crue, Bon Jovi) eingespielt wurde, dann werden die wohl demnächst ganz, ganz groß. Macht nix. So lange sie weiter so tolle Alben wie „Start something“ abliefern, simma da mal nachsichtig. mk





› Release: 02/2004
› Label: Sony BMG
› Links: Website, MySpace

Tracklist:
01. We Still Kill The Old Way
02. To Hell We Ride
03. Last Train Home
04. Make A Move
05. Burn, Burn
06. I Don't Know
07. Hello Again
08. Start Something
09. A Million Miles
10. Last Summer
11. We Are Godzilla
12. Sway

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