Lynam „Slave to the Machine"
W-Bär, 9.7.2007
   Rocker-Nachwuchs aus Alabama. Die drei Buben von Lynam kommen allesamt aus Birmingham (aber eben das in Ala­bama und nicht das im schnöden England), und legen mit ihrer letzen Platte "Slave to the Machine" (die übrigens über DRT En­ter­tainment rausgekommen ist - der sel­ben Plattenfirma die bereits das gleich­na­mige LIT-Album vertrieben hat) einen ast­reinen Hardrockhadern vor, der sich hin­ter nix und auch gar niemandem ver­steck­en braucht.
   Aber bevor wir uns mit dem musikalischen Erguss der Truppe beschäftigen, noch ein paar nerdige Hintergrundinfos, bei denen's dem einen oder anderen vor Stau­ner­ei jetzt sicher gleich die Patsch'n ausziehen wird. Die Lynam-Biografie liest sich nämlich wie folgt: Alle drei Lynams sind Sprößlinge von RONNIE JAMES DIO (seines Zeichens RAINBOW-Oberbürgermeister und kurzzeitiges BLACK SABBATH-Front­zniachtl), dessen gebürtiger Name  der Legende nach Ronnie James Lynam lautete. Besagter Heavy-Metal Zwerg war sich allerdings des akut ungefährlichen Klanges seines Namens durchaus bewusst und beschloss fortan dem Künstlernamen RON­NIE JAMES DIO zu huldigen. Die zukünftige Metal-Ikone ist, wenn man der offi­ziel­len Biografie glauben darf, in den frühen 70er-Jahren, nachdem er bei BLACK SABBATH ausgestiegen ist mit FLEETWOOD MAC auf ausgedehnter Tour gewesen, wo er sich auch gleich ein kleines Pantscherl mit Frontfrau STEVIE NICKS ange­fangen hat. Und plötzlich war er Papa. Ja, ja, so schnell kann's gehen. Das Pantscherl ging trotz Nachwuchs lustig weiter, und kurze Zeit später hatten die beiden bereits 3 stramme Söhne. Da aber sowohl DIO als auch NICKS karrieretechnisch ziemlich angebunden waren, wurden die Sprößlinge ohne lang zu zögern in diversen Jugend­heimen untergebracht. Klingt ganz schön traurig, ist aber so. Mittlerweile wurde der Kontakt zur Mama allerdings nach über zwei Jahrzehnten wieder hergestellt und ihren Papa wollen sie erstmals besuchen, wenn er von seiner Reise nach Mittelerde zurückgekehrt ist, wo er momentan Drachen tötet ...
   So viel zur offiziellen Biografie. Kann man nun glauben oder auch nicht. Ihr nun vor­liegendes und mittlerweile drittes Album "Slave to the Machine" kann man allerdings getrost glauben. Die Platte ist ein unpackbar geschmeidiges Konglomarat aus fiesen 70er-Jahre-Hardrockriffs, ohrwurmtauglicher Hooklines und einer Prise haar­spray­ge­tränk­tem Spandexhosenrock. Teilweise klingen die Burschen sogar ein klein wenig nach späten 80er-Jahre-Urgesteinen wie Winger und Firehouse und beim Titeltrack "Slave to the machine" haben sie sich überhaupt gleich Bon Jovi's "Bad Medicine"- Riff ausgeborgt und für ihre Zwecke umgemodelt. Schließlich will man den Seattle-Grunge-Sound-eingetrichterten Generationskollegen eine echte Alternative bieten.

   Aber nicht, dass jetzt der Eindruck entsteht, wir hätten es hier mit einem schnöden Nostalgie-Erguss zu tun. Mitnichten! Die Platte wurde fett produziert und klingt somit durchaus aktuell. Und dass sich die Burschen selber samt Rockstargepose nicht allzu ernst nehmen, weiß man spätestens nach Einverleibung der offiziellen Biografie. Die ist nämlich überraschenderweise erstunken und erlogen ... W-Bär






› Release: 07/2006
› Label: DRT Entertainment
› Links: Website, MySpace
› Video: Tanis

Tracklist:
01. It's All in Your Head
02. Better
03. Tanis (Change Your Mind)
04. Slave to the Machine
05. Losing Venus
06. By Your Side
07. What Is This?
08. Sister Babylon
09. Giving Up on Rock 'N' Roll
10. Letting Go
11. Never Fade Away
12. I Hate My Generation

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