Reel Big Fish „Monkeys for nothin' ..."
Markus, 31.3.2008
   „Take on me“ (A-ha) in der Version von Reel Big Fish kennt jeder, der in den letz­ten 10 Jahren diverse Studenten-Parties und/oder Hausfeten besucht hat. Trotz­dem ist das Ska-Punk-Sexett aus Hunting­ton Beach/O.C. am alten Kontinent dem Underground-Status nie entfleucht, währ­end sie über dem großen Teich ausgangs des letzten Jahrtausends eine immerhin mittelgroße Nummer waren. Ja damals in den 1990igern, da war dieses Ska-Punk-Ding­ens in den USA ein recht großer Hype. No Doubt und die reizende Gwen Stefani damals die Mainstream-Gischt, welche es bis an die Gestade des europäischen Format-Radios geschwappt hat. Die Wilderen wie Might Mighty Bosstones, Buck-O-Nine, Save Ferris oder eben Reel Big Fish blieben weitgehend außen vor. Viel Nachwuchs ist in diesem Bereich seit dem nimmer nachgekommen und die meisten jener Truppen haben sich inzwischen von der musikalischen Landkarte Richtung Absterbensamen verabschiedet. Reel Big Fish nicht. Die gibt`s noch immer. Und sie weigern sich standhaft (musikalisch) erwachsen zu werden. Das honorieren wir, darum wollen wir uns nun ihr letztes Opus „Monkey for nothin`and the chimps for free“ zur Brust nehmen.

   Der Vollständigkeit halber: seit 1992 am sich die-Finger-wund-spielen, mittlerweile nur mehr der Aaron Barrett vom Original-Lineup über. 2006 vom Major (Jive-Records) gedropped, seit dem über den Eigenverlag operierend. Die Mucke? Ja wers weiland mochte, wird es noch immer gern haben. Ska-Punk halt. Party bis Ober­kante-Unterkiefer und so. Ganz einfach Musik für die „Gute-Zeit“, zu der man unweigerlich mit allem wackeln muss, was die Gliedmaßen hergeben. Ganz proper, routiniert und technisch versiert angerichtet. Das da wenig mit Schwächeln ist lehrt bereits der fröhlich hopsende Opener „Party down“. Immer voll in die Tröten und geduckt in der Spaß-Kurve pickend. Pfeift, keine Frage. Gut, insgesamt 17 Tracks hätt`s natürlich nicht gebraucht. Sparsamkeit ist ja mitunter auch eine Zier. Weil manch Mittelmäßiges dringt dann doch an unser Ohr. Z.B. das unnötige Cover von „Another day in paradise“ (Phil Collins). Einer an sich unleiwanden Nummer kann man nicht einmal in schwarz-weiß-karierter Skapanier Leben einhauchen. Ansonsten funktioniert das Zappen zwischen Feiern („Party down“, „Live your dream“, „New version of you“, “Call you”), Abhängen („Slow down, My imaginary friend") und grundwichtige Fragen stellen („Why do all girls think they`re fat?“) nach wie vor. Mit „Cannibal“ haben sie schließlich einen Song an den Schluss gepackt, der mit über 6 Minuten für Genre-Verhältnisse wahrhaft epische Ausmaße hat. Schmückt uns besonders, weil der jettet gar im Abgasstrahl der spinnerten Ska/Funk/Rock-Cross­over-Weirdos Fishbone. Mitsamt des wunderprächtig in den Wind ges­temm­ten Guitar-Hero-of-se-80ies-Solo zum Outro stellen sie damit ab­schlies­send ihr musi­kalisches Auskennertum charmant unter Beweis.

   Bleibt unterm Strich ein sympathisches Schönwetter-Machwerk, das von Inno­vation, Weiterentwicklung und Reife jetzt echt nicht viel wissen will. Aber wen juckt das schon, wenn nach garstigem Winter erste wärmende Sonnenstrahlen die Nasenborsten kitzeln? Na also. Darum 3 unheimlich gut gelaunte Sternderl! mk




› Release: 07/2007
› Label: Rykodisc
› Links: Website, MySpace
› Plattentipp: LL-Player
› Video: Party Down

Tracklist:
01. Party down
02. Another F.U. song
03. Live your dream
04. My imaginary friend
05. Slow down
06. The new version of you
07. Will the revolution come?
08. Another day in paradise
09. Everybody's drunk
10. Please don't tell her
11. Way back
12. Hate you
13. Call you ...
14. Why do all girls ...
15. I'm her man
16. Till I hit the ground
17. Cannibal

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