Saliva „Blood Stained Love Story"
Markus, 5.2.2007
   Na das ist mal eine zwiespältige An­ge­le­gen­heit dieses Album! Wo führt das hin, wann hört das auf? Hmpf.  Fassen wir kurz zusammen: da gab`s in letzter Zeit manch neuen Output von (ehemaligen) Re­dak­tions­lieblingen wie z.B. den Lostprophets oder Sugarcult, die dermaßen im Braunen aufklatschten, dass einem bei Durch­hör­ung dieser musikalischen Blähungen nur mehr der stinkerte Dampf davon in der Nase blieb und man sich daher unter erup­tiven Reckanfällen abwenden musste. Von wegen grauslicher Richtungswechsel aus kommerziellen Gründen. Und nun die neue Saliva. Fesche Sauproleten aus dem Süden der U.S. of A, die uns ursprünglich Nu Metal mit Heavy Rock-Appeal („Every six seconds“, „Back into your system“) und zuletzt Heavy Rock mit Nu Metal-Brösel („Survival of the sickest“) um die glühenden Ohrwascheln geprackt haben. Klatscht man ins Handerl und freut sich auf „Blood stained love story“ wie der Will Ferrell auf das australische Weihnachtskänguru. „Ladies and gentlemen“ schlackert aus den Amps: „Do you want it, do you need it?!“ - Latürnich tu ma das! Und wackeln schon glücklich mit dem Schädel. Passt. Geht halt wieder mehr ins Nu Metal-Eck. Soll sein, damit gefallen sie uns auch. Nächste Nummer „Broken sunday“: Ah, fettiges Gitarren-Brett. Also weiter wackeln. Aber dann schleimt sich plötzlich „Never gonna change“ den Weg frei. Gnnwasisndas?? Dieses Lick im Vers klingt ja wie von „Aisha“ (Outlandish) gefladert! Burps. Gut, Bridge und Chorus tönen recht gefällig, kommen uns jedoch irgendwie schon mal gehört vor. Hmmm, powidl. „King of the stereo“! Klingt wie`s heißt. Sprich leiwand. Mit einem Überschuss an Testosteron versehener Nu Metal-Uppercut sonders­hausen. Hamma die Buben gleich wieder lieb. Genau wie diese ganzen Soundtrack-Supervisoren von Martial Arts- und Roadracer-Flicks, die Saliva so gern auf den Audio-Spuren der ihnen anvertrauten Filme verwursten. „One more chance“: guter Anschluss, geringer Drehzahlverlust, wie bei einem sportlich abgestuften Sechs­gang-Getriebe. Schön. Mit „Going under“ auf einmal das nächste “Öha!“, denn ziem­lich fade Poprock-Halbballade. Und mit dem darauffolgenden „Twister“ wird`s dann sogar richtig seltsam bis schiach: Leicht angewavete Postpoppunk-Nummer, die nach All American Rejects (!!) tanzen sich einen mit Placebo (!!!) klingt. Gestandene Metalheads, die auf einmal picklige College-Musik machen? Steigt einem doch glatt die Feder aus der Matte! Ungefähr so überzeugend, wie Lemmy Kilmister mit Lipgloss und Pumps. „Black Sheep“ macht`s jedoch fast wieder vergessen, weil rockt oberamtlich, wui! Härtestes Riff seit Metallica`s „Sad but true“. „Startin over“ (geht so) und „Here with you“ (nett) erledigen schließlich die obliga­torische „Auch harte Männer wollen kuscheln“-Abteilung. Und die letzten zwei Liedchen „beglücken“ uns zum Abschluss wieder mit so einem eigenartigen Poprock-Trallala, der zwar nicht unbedingt grottenschlecht ist, den ihnen aber erstens kein Schwein abkauft, der zweitens halt üüüüberhaupt nicht zu den Nu Metal-Versatzstücken auf „Blood stained love affair“ passt und den von Saliva nun wirklich kein Schwanz hören will. Geht uns jetzt ein bisserl am Senkel. Und wirft die Frage auf: Was wollen die eigent­lich damit? Vielleicht Watschen kassieren. Von den Herren der WWF (World Wrestling Federation) nämlich. Die vergenusszwergeln Saliva seit Jahren wegen ihrer bis dato völlig unzweifelhaften Stier-Cochones-Qualitäten, um die Auftritte diverser Proteinlaberln beschallen zu lassen. Wenn ihnen die mal nicht für ungefähr ein Drittel der Lieder mit nassen Fetzen die Zähnt hinten raushauen!

   Obwohl, ist vielleicht eh schon passiert. In der Demo-Phase des Albums. Und darum heißt`s auch so wie`s heißt. Mit kleiner Träne im Knopfloch und gaaanz knapp: mk




› Release: 02/2007
› Label: Island (Universal)
› Links: Website, MySpace

Tracklist:
01. Ladies & Gentlemen
02. Broken Sunday
03. Never Gonna Change
04. King of the Stereo
05. One More Chance
06. Going Under
07. Twister
08. Black Sheep
09. Starting Over
10. Here with You
11. Is it You (Bonus)
12. Write your Name

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