Saliva „Cinco Diablo"
Markus, 9.2.2009
  Aha, also doch nicht von grantigen Smack Down-Wrestlern letztgültig paniert wor­den (vgl. „Blood stained love story“). Einen neue Platte ist zum Rezensieren, Saliva dürften ergo weiterhin als Rock-Musi­kanten durchs Land ziehen. Schön.
   Erstes Stirnrunzeln beim Blick auf „Cinco Diablo“, denn mit Kennerblick sofort die sehr kompakte Länge des Albums be­merkt: 10 Songs, 37 Minuten Spielzeit. Nun, warum nicht? Das verringert ge­mein­hin die Wahrscheinlichkeit von Lück­en­füllern. Theoretisch zumindest. Alsdann, los geht`s mit „Family Reunion“. Keine Irritationen, weil Bandtypischer Neurocker samt rhythmisierten Metal-Hauruck, Raps und Arena-Shoutalong. Am Horizont macht man zwar irgendwo die Schablone vom Opener der letzten Scheibe aus („Ladies and gentlemen“), owa sonst soweit in Ordnung. Hinten nach „My own worst enemy“. Na schau dich an! Pöbelt doch glatt ein erdiges Rotzrock-Riff ums Eck. Der Hörer erinnert sich wohlwollend an die glorreiche Vergangenheit des Memphis-Fünfers und grunzt zufrieden. Minus der im Hintergrund aufgezogenen Raumklang-Keys hättat die Nummer nämlich auch auf ihrem dritten Album („Survival of the sickest“) mächtig Eindruck geschunden. Auf welchem sie bekanntlich kurzfristig dem Nu Rock ihre behaarten Buckel zukehrten und die nicht minder bepelzte Brust im Rotzrock sonnten.  
   Näxtes Stückl „Best of me“. Bisserl überraschend, weil gemahnt zunächst dezent an NIN in der Broken-Phase. Zwischendurch zitieren die Gitarren-Leads Mötley Crüe anno ´83. Wär nicht uninteressant. Dieser pathosübertünchte Refrain jedoch ... Hier wurde eindeutig zu dick aufgetragen. Durchwachsen das. Bei „How could you“ wird`s dann erstmals gebacken. Tropfende Halbballade, die weniger schöne Erinnerungen an die übleren Nummern von “Blood stained love story” aufkommen lässt. Irgendwie unnötig.
   „Hunt you down“ gefällt da schon um einiges besser. Polternder Schweinerock und damit zweiter Querverweis auf Album Nummer drei (s.o.). Recht so. „Judgement day“ ebenfalls sehr ok. Tonnenschwer und Midtempo geschnitzter Alternative-Blue­ser. Sehr leiwandes Hank O`Bello-Riff. Sie haben es ja doch noch nicht verlernt! Daran anschließend die obligatorische Ballade „Forever and a day“. Veranschaulicht einmal mehr ihre Haarspray-Kompetenz und ist alles in allem eh lieb.
   Mit „I`m coming back“ das nächste „Weißnicht.“ Eröffnet grundsätzlich recht wild und ungestüm, plätschert im Weiteren aber ziemlich larifari dahin. Hm. „Southern girls“ bringt die Rodel wieder in die Spur. Launiger Tennessee-Rock`n`Roller, suder­freie Zone, zwei Daumen rauf. Aber dann, aber dann. „So long“. Hmpf, na genau. Ganz gschwind verabschieden. Ja was soll denn dieser Bockmist jetzt wieder! Verhalltes Piano, dick aufgetragene Synthies, Chorus getunte Stromgitarren und wimmernder Säuselgesang. Furchtbar, schrecklich, erschütternd. Kurzum wir verstehen es nicht. Wie hat sich nur dieses Coldplay-Gedudel in den Player eingeschlichen? Mehr­ma­li­ges Nachsehen verleiht jedoch traurige Gewissheit: das Liedl stammt tatsächlich von Saliva. Und wir haben erneut ein ähnliches Problem wie mit „Blood stained love story“. Nämlich diese rätselhaften und peinlichen, keinesfalls gelungenen oder gar originellen Stilbrüche. Deren finden sich auf „Cinco Diablo“ zwar glücklicherweise weniger als zuletzt, aber unterm Strich haben die Buben offenbar ihren Leistungs­zenit tatsächlich überschritten.

    Kommen über drei wohlwollende Freundschaftssternderl irgendwie nicht mehr hinaus. mk






› Release: 12/2008
› Label: Island (Universal)
› Links: Website, MySpace

Tracklist:
01. Family reunion
02. My own worst enemy
03. Bets of me
04. How could you?
05. Hunt you down
06. Judgement day
07. Forever and a day
08. I'm coming back
09. Southern Girls
10. So long

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