Saliva „Back into your System" / „Every six Seconds"
Markus, 28.11.2005
   Die Burschen von Saliva wurden bereits einmal auf der LL mit einer Plattenkritik abgefeiert ("Survival of the sickest"/VÖ '04) . Nun ist es Zeit für eine kleine Nach­reichung zu den zwei vorangegangenen Werken: "Every six seconds" und "Back into your system". Hier muss der Ver­fasser dieser Zeilen – der auch der Re­zen­sent besagter Review war – allerdings ein kleines Erratum voran stellen: habe die fünf Buben aus Memphis erst mit ihrem dritten Major-Output richtig kennen ge­lernt, den Vorgänger-Alben (Schande, Schande!) zu wenig Aufmerksamkeit ge­schenkt und ihnen daher auf selbigen kurzerhand „mäßige Originalität“ attestiert. Zu unrecht, wie meiner einer jetzt feststellen musste. Zwar sind sowohl "Every six seconds" als auch "Back into your system" mehr 90ies-Mischmetall als das schwei­ne­rockende dritte Album, trotzdem treten Saliva auch hier manch ernsthaften Arsch. Wieso? Nun ja, weil sie einfach damals schon eine enorm tighte Truppe mit einem sehr ambitionierten Shouter waren. Und, weil sich alle Ingredienzien, die auch "Survival of the sickest" zu einer feinen Peitschenschlagsyndrom-Perle machen, ebenso auf diesen Werken finden lassen: Nu Metal, Alternative und Sleaze im extra bladen Soundgewand. War halt damals nur ein wenig anders abgemischt, sprich mehr Nu- und Alternative Metal denn Schweine-Rock.
   Widmen wir uns zunächst dem Major-Debut "Every six seconds". Da lag das Schwergewicht noch eindeutig auf der Sparte Nu Metal. Schwergewichtig erklingen dann auch Nummern wie "Click Click Boom", "Superstar" oder "Your disease", die zu den granatenstärksten Songs dieses Genres zählen. Der Alternative-Anteil erschöpft sich in Alice in Chains-Reminiszenzen bei den Harmonien (z.B. "Musta been wrong"). Der Sleaze-Part wird wiederum mit einer hinreißenden Ballade abgehandelt, die sinniger Weise auf den Namen "Hollywood" hört und ein Solo enthält, dass dem alten Slash die Tränen in die Augen treiben würde. Dazwischen befinden sich wohl auch ein paar eher halbangenehme Ergüsse, die aber das Gesamtbild nicht wirklich trüben.
   Der Nachfolger Back into your System" geriet schließlich noch um einiges knus­pri­ger und zeigte bereits einen höheren Durchmischungsgrad der Stile. Gefestigt durch die properen Verkaufszahlen des Vorgängers, durften sich gefühlsbeladener Alter­native und Adrenalin geschwängerter Rock im neumetallischen Sound-Korsett noch breiter machen. So findet sich auf  "Back into your system" z.B. der Track "Holdin on" eine äußerst gelungene Symbiose aus Nu Metal und versifftem Blues. Slide-Gitarren mit übergestülpter Kopfsocke also. Sehr kleidsam! Aber auch bestechende Sports Metal-Nackenbrecher wie Raise up sorgen für Frohsinn und grooven nebenbei dem Durst Fredl das rote Kapperl vom Schädel. Die letztgültige Symbiose aus 90ies Metal, Alternative und dreckigem Rock manifestiert sich aber im Überhammer "Pride": dieses WahWah, dieser Groove, diese Licks, diese Hookline… Pfuh, rockt einem derart den Anus weg, dass danach nur mehr die Frage bleibt, wohin sich das liebe Steißbein denn jetzt genau verabschiedet hat.

   Darum: Wer auf P.O.D. genauso kann wie auf Alice in Chains und immer noch Haarspray und Eyeliner in seinem Devotionalien-Kästchen verwahrt, dem seien diese zwei Scheiben wärmstens ans Herz gelegt. Geht einem ein Kavalierströpferl ab! Mark "Every six seconds" "Back into your system": mk






„Back into your System"
› Release: 11/2002
› Label: Island
› Links: Website

„Every six Seconds"
› Release: 03/2001
› Label: Island
› Links: Website

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