Span „Mass Distraction"
Markus, 18.2.2008
    Wieder einmal Knäckebröts. Norweger um genau zu sein. Und: sie sind leider nicht mehr aktiv. Sehr bedauerlich, denn auf vorliegendem Major-Debut aus 2004, welches uns halt leider erst vor ein paar Monaten in die Finger gekommen ist, fliegt nicht nur die Kuh, sondern ei­gent­lich eine ganze Rinderherde. Aber wie auch noch!
   Im Jahr 2000 aus der Taufe gehoben machten Span zunächst mit proletigen Fat Lip-Rülpsern auf sich aufmerksam. Über ihre Website ließen die Buben verlauten, dass sich die Welt auf „Norwegian Turbo-Rock`n`Roll“ vorzubereiten hat, der aus „Monitorboxen so groß wie Bungalows“ dröhnt und von „sexuellem Antrieb mit Mach 1“ befeuert wird. Soso. Nun da wäre natürlich Vorsicht angebracht gewesen, in diesem Fall jedoch traf das juvenile Imponiergehabe die musikalische Darbietung wie der Hunderternagel den Kopf. Produziert von Gil Norton (u.a. Foo Fighters) gefällt uns „Mass Distraction“ nämlich zuallererst aufgrund seines furztrockenen, jedoch unpackbar druckvoll hämmernden „Reduced to the maxx“-Sound. Sehr amtlich das. Für die musikalische Einordnung nennen wir Heavy Rock, unter Berücksichtigung folgender „Name-Droppings“: frühe Aerosmith auf der einen, Danko Jones, ein Fitzelchen Audioslave sowie ein bisserl Spaß-Punk auf der anderen Seite.
   Von letztgenannten Bands unterscheiden sich Span durch erdige Rhythm n`Blues-Vibes. Die gehen weitgehend auf das Hauberl des Sängers, Jarle Bernhoft. Singt nämlich als hätt er eine schwarze Mutti. Weil ziemliches Soul-Timbre der Mann! Mit dem Opener „Found“ setzt es zur Eröffnung gleich mal einen handfesten Pracker am Ziguri. Straff hingehacktes Muskel-Riff matcht sich mit bluesigen Slides, brutalem Seekanddestroy-Groove und kecken Wechselshouts. Da spritz der Schwitz quasi hektoliterweise aus den Amps. „Don`t think the way they do“ besorgt`s einem daran anschließend mittels treibendem R`n`R-Piano zwar ein bisserl weniger heftig, dafür mehr Uptempo. „Peaceful“ ist die mächtigste Halbballade seit langem und „Papa“ Blues Rock in bester Luftschmied-Tradition. Top of the pops: „Buckle under pressure“, das leichtfüßig zwischen knochenhartem Helmet-Riffing und souligen Akustik-Passagen tänzelt und in seiner spielerischen Tightness gar Erinnerungen an die seligen Oberhäuptlinge von Living Colour hervorruft, sowie der Spitzwielumpi-Punker „Babys come back“ und das The Cult`schen Straßenrock zitierende „Wild­flower“.

   Lediglich die Ballade „Missing in stereo“ fällt unter das Kapitel „Geschmackssache“. Alles unter 4 Sternen wäre somit der blanke Hohn.   mk





› Release: 02/2004
› Label: Island
› Links: MySpace
› Video: Don't Think

Tracklist:
01. Found
02. Don't Think The Way They Do
03. Peaceful
04. Papa
05. Stay As You Are
06. Missing In Stereo
07. On My Way Down
08. Buckle Under Pressure
09. Baby's Come Back
10. Wildflower
11. When She Stares

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