The Donnas „Bitchin"
Markus, 26.11.2007
    Und da vergeben wir gleich ein Blanko-Sternderl! Zunächst einmal für dieses wirklich gelungen schiache 80er-Retro-Cover. Ich mein, über so etwas Hässliches ist man früher in der Platten-Wühlkiste vom Herlango gestolpert! Den jetzt na­tür­lich wieder keiner kennt. Pfuh, sind wir alt...  Außerdem natürlich: The Donnas sind Frauen! Darüber sollte man zwar im 3. Jahrtausend nicht mehr viel Worte ver­lieren müssen. Tatsächlich ist es aber so, dass sich nach wie vor nur verhältnis­mäßig wenige Damen die Äxte zum ernsthaft Rocken vor die hübschen Schnenkerln hängen. Daher allerweil ein erfreuliches Ereignis, wenn einem eine solche Truppe unterkommt. Natürlich, in den 90ern tummelten sich L7, Babes In Toyland oder Hole als Begründerinnen der Riot Grrl-Genres. Und noch viel früher, sprich so Ende 70/Anfang 80 sorgten die Urmütter des weiblichen Heavy Rock, die Runaways und ihre später als Solo-Künstlerinnen erfolgreichen Guitarettes Joan Jett und Lita Ford, für offene Mäuler. Aber irgendwie ist es bisher immer bei kurzen Zeitgeist­er­schei­nung­en geblieben und nie zu einer nicht weiter beredenswerte Selbst­ver­ständ­lich­keit geworden. Keine Ahnung warum...
   Mit den Runaways, Joan Jett und den frühen Achtzigern sind wir nun dort wo wir eigentlich hin wollten. Die damaligen Tunes und dieser Zeitabschnitt sind nämlich genau das Ding der Donnas. U.a. erkennbar an den geschmackssicheren Pamela Ewing-Gedächtnisfönwellen. Grundsätzlich sind sie alte Hasen im Biz, denn mit „Bitchin`“ haben die Dirndln aus Palo Alto/CA ihre dritte Major-VÖ in den Läden. Die Band-Vita klärt uns zudem darüber auf, dass die Vier bereits im juvenilen Alter von 14 Jahren flügge wurden und schon seit dem Jahr 1993 zum Tanz aufspielen. In den pickligen Anfängen noch Ramones-inspirierten Heyholetzgo-Punk zelebrierend, gehen sie nun, mittlerweile erwachsen, eindeutig heavy rockend an die Sache ran. Punk sind genau genommen nur mehr der simpel gestrickte Aufbau und die Länge der Songs. Ihre größte Stärke: die musikalischen Ahnväter. Die sind ja so was von oberkorrekt, dass wir uns gar nimmer einkriegen können vor ichweißnichtwas! AC/DC, Kiss, Van Halen, Mötley Crüe, Poison, frühe Def Leppard ... die Ober­schlümpfe des „Dicke Hose“-Hardrocks halt. Also Spandex, Fusel und Party. Immer den Schlecker heraußen und das „Rock Horn“ in die Höhe gestreckt. Der Skandinavien-Rotz der Neunziger hat ebenso ein paar Fußabdrücke hinterlassen, was kann da eigentlich noch schief laufen?! Im Grunde genommen nixx, aber leider dann doch... Naja, am unverschämten Riff-Geflauche liegt`s jedenfalls nicht. Sicher, bei fast jeder Nummer baut sich mindestens eine der obengenannten Gruppen noch im selben Augenblick dreckig grinsend vor dem geistigen Auge auf. Das halten wir noch für relativ wurscht. Bei ihren männlichen Alterskollegen die Ähnliches ausdampfen verhält sich das ja keineswegs anders. Fehlenden Abwechslungs­reich­tum werten wir ebenfalls nicht als den Pferdefuß. Schließlich gewinnen Eierbären wie die Backyard Babies oder die Hellacopters in dieser Kategorie auch keine Blumentöpfe.

   Nein, irgendwie fehlt einfach der letzte Tritt in den Anus, das unverzichtbare „In your face“. Vieles rockt schlicht um einen Deuter zu brav. Was zum kleineren Teil im Sound, zum deutlich größeren im zwischendurch etwas laschen Gesang wurzelt. Echt schade! LL-geprüfte Anspieltipps wie „Save me“, „Like an animal“, „Tonight`s alright“ und vor allem das rattenscharfe „Smoke you out“ sind nämlich wirklich gut abgehangene Rock`n Roller. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass da mehr drinnen gewesen wäre. Hmm... vielleicht sollten sie sich beim nächsten Mal das lebende  Festl-Rock-Rollkommando Andrew W.K. ins Studio holen. Dann sollte sich das mit der fehlenden Heftigkeit erledigt haben. mk






› Release: 09/2007
› Label: Cooking VI
› Links: Website, MySpace
› Video: Don't Wait Up For Me

Tracklist:
01. Bitchin'
02. Don't Wait Up For Me
03. Wasted
04. What Do I Have To Do?
05. Save Me
06. Like An Animal
07. Here For The Party
08. Better Off Dancing
09. Love You Till It Hurts
10. Smoke You Out
11. Girl Talk
12. Give Me What I Want
13. We Own The Night
14. Tonight's Alright

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