The Exies „Intertia"
Markus, 2.1.2006
   „Öha, eine „The“-Band!“, hören wir jetzt die aufmerksame Leserschaft aufschreien. Jaja, stimmt schon… Grundsätzlich hat`s die LL nicht so mit den „The“-Bands. Weil wo The drauf steht, ist meist gesei­ten­schei­tel­ter Briten-Rock oder an­ge­wärm­ter New Wave drin. Nicht unbedingt die Art von Musik, die die Redaktion der LL leiwand findet. Aber Ausnahmen be­stä­ti­gen die eh scho wissen und neben The Smiths und The Cure gab es ja auch immer The Cult , also…
   The Exies treiben seit 1997 im – welch Überraschung - Großraum L.A. ihr Unwesen und das 2003 erschienene Album „Inertia" war ihr erstes für einen Major. Da die Buben allesamt zuvor in verschiedenen Sunset Strip-Kappellen musiziert haben, gaben sie sich den einfallsreichen Namen The Exies. Was aber machen die Exigen für Musik? Wirft man einen Blick auf die Länge der Songs (kaum einer über 3 min.) und ihr Herkunftsgebiet (Südkalifornien), kommt man unweigerlich zu dem (Kurz-) Schluss: „Alles klar, Punk!“ Und liegt damit eigentlich falsch. Ist nämlich mehr so eine durchs Brennglas gejagte Melange aus den verschiedensten Spielarten harten Rocks. So werden auf dieser Scheibe Effekte auf den Gesang gelegt, ohne dass indus­tri­ali­siert wird, cleane Gitarren geschrubbt und der Bass geslapt, ohne wirklich zu funken, Riffs im Schweinsgalopp rhythmisiert, ohne dem Dirt Rock zu huldigen, auf die offene Hi-Hat eingedroschen, ohne Nirvana  zu küssen oder eben Songs in Unter­länge hingerotzt, die trotzdem kein Punk sein wollen.
   Irgendwie eine Zitatensammlung aus Filter („Without“), Foo Fighters („Inertia“), Monster Magnet („My Goddess“), Everclear („Can`t relate“) und ein Fitzelchen von RHCP („Lo-Fi“), die zu einer wohltönenden Variante modernen Rock`n`Rolls zusam­men geschustert wurde. Der gelernte Ami nennt das dann Modern- bzw. New Rock, im CD-Regal irgendwo zwischen der letzten Unwritten Law und früheren American Hi-Fi-Veröffentlichungen einzuordnen. Extrem Action-Movie-kompatibel. Folglich brachte es die Single-Auskoppelung „My Goddess“ über den Umweg der Actionserie Alias zu MTV-America- und VH 1- Heavy Rotation und den Exies fettes Airplay in den USA.

   Bleibt noch anzumerken, dass der Bassist hier ziemlich Chef ist und immer mal wieder die Melodieführung der Gitarre behände aufvolliert und kurzerhand über­nimmt („Inertia“, „Irreversible“). Das gefällt und adelt darüber hinaus den Tiefton. Ein sehr gelungenes Teil Musik also, dass dem geneigten Leser ohne schlechtes Ge­wis­sen wärmstens ans Herz gelegt werden kann. mk






› Release: 01/2003
› Label: Virgin Records
› Links: Website

Tracklist:
01. My Goddess
02. Without
03. Can't Relate
04. Kickout
05. No Secrets
06. Inertia
07. Creeper Kamikaze
08. Calm & Collapsed
09. Lo-Fi
10. Irreversible
11. Genius

_retour