The Last Vegas „Whatever gets you off"
Markus, 20.03.2011
   The Last Vegas stammen aus Chicago und haben Nikki Sixx-Credibility. Stehen nämlich seit einiger Zeit bei dessen Label Eleven Seven unter Vertrag. Außerdem setzten sie auch bei der Produktion ihres hier vorgestellten vierten Full Length-Outputs ("Whatever gets you off") auf die Fuchtel des kalifornischen Glam Metal-Urgesteins. Das allein reicht eigentlich, um die fünf Buben aus dem Mittleren Westen einmal näher unter die Rock`n`Roll-Lupe zu nehmen. Was der Mr. Sixx im Vorfeld dieser VÖ zu selbiger an Wortmeldungen vom Stapel ließ, kündete jedenfalls von gar Wunderprächtigem: "Die Retter und Zukunft des Rockblablablaundschnarch ..." Najo. Zukunft ist schon mal nicht, weil viel zu retro, sprich 70ies vs. 80ies. Wer aller­dings schon öfters über Interviews und Wortspenden des flächendeckend täto­wier­ten Mötley Crüe-Masterminds gestolpert ist, weiß natürlich, dass selbiger einen grundsätzlichen Hang zu übertriebenem Enthusiasmus pflegt. Schön, dass er sich mit bald 53 Lenzen diesen jugendlichen Habitus bewahrt hat! Und eine gewisse Beur­teil­ungs­kompetenz wollen wir ihm ja durchaus nicht absprechen.
   The Last Vegas also. Wir notieren: es gab schon pfiffigere Bandnamen. Unter die­sem Banner firmieren die Fünf übrigens seit ca. 2002. In ihrer Sturm und Drang Phase gaben sie es dem Publikum noch deutlich ruppiger. Motörhead`scher Punk N` Roll wurde damals ungehobelt in die um Gnade winselnden Boxen gestemmt. 2007 dann Personalrochaden an den Positionen Gesang und Bass sowie damit einher­geh­ende Motivwandel in den musikalischen Ausdünstungen in Richtung Glam und Blues.
   2008 gewannen sie schließlich einen lokalen Bandcontest und damit den Opening Slot für die in diesem Jahr durch Nordamerika tingelnde Mötley Crüe-Tour. Das daraus resultierende wurde weiter oben bereits erörtert.
   Was bietet uns das aktuelle Album? Optisch den heute wieder angesagten He­ro­ine-Chic an Spargel-Tarzan galore. Dazu die erwartete musikalische Entsprechung. In aktuellen Statements der Band wird sich daher nun weniger auf Mötorhead berufen, sondern eher der Hinweis auf Kiss, AC/DC, Aerosmith und die New York Dolls (70ies) sowie Guns`n`Roses und Mötley Crüe (80ies) gegeben. Nach mehrmaligem Durchhören sei festgestellt: stimmt eh alles. Allerdings haben sie bei ihren Quellen­angaben auf ein paar andere, wie z.B. Ratt und Slaughter, vergessen. Falls die jetzt noch irgendwer kennt. Quasi einen "Zu Guttenberg" abgezogen und nicht mit den Chef-Nerds der Lounge gerechnet! Denn wenn Sänger Chad Cherry nicht wie Stephen Pearcy (Ratt) vs. Mark Slaughter (Slaughter) phrasiert, dann wissen wir auch nicht mehr. In punkto 80er Spandex-Mucke kann uns nämlich wirklich niemand ein X für ein S vormachen! Beschämend, aber wahr. In Merkel`scher Kanzler-Milde sehen wir ihnen diesen Sachverhalt jedoch großmütig nach. Denn das slicke Transpirat der Scheibe überzeugt. Wie "Loose lips", ein legerer "Tounge in Ceek"-Rocker. Oder "High class trash". Ja, dessen Riff wurde bereits vor über 30 Jahren von Gene Simmons und Co. aufgeschnupft, keine Frage. Der Song taugt aber trotzdem zum tadellosen Stimmungsaufheller. Ebenso wie das die großen Faster Pussycat zitier­ende "White lies" oder der Aerosmith meets Tesla-Aufguss "Love me bad". Über allem thront jedoch der Titeltrack. Sämig nach vorne stürmender Boogie-Rock in klassischem Tütü, dass Buckcherry ganz Ding werden vor sowieso und überhaupt.

   Trotz ausgeprägter Zitierwut angesichts des sauberen Handwerks sowie der eher dreckig denn poliert eingelassenen Grundierung eine der wenigen neueren Ami- Bands, die der skandinavischen Phalanx in Sachen zeitgenössischem Sleaze / Glam / Rotz N` Roll ansatzweise ans Bein wischerln kann. Darauf ein herzhaftes Prost ihr Säcke und vier nostalgisch aufstoßende Sterne! mk






› Release: 04/2009
› Label: Eleven Seven
› Links: Website, MySpace

Videos:
I'm Bad
Loose Lips
Whatever Gets You Off
Apologize

Tracklist:
01. Whatever Gets You Off
02. I'm Bad
03. High Class Trash
04. Loose Lips
05. Apologize
06. Cherry Red
07. Another Lover
08. Dirty Things You Do
09. White Lies
10. Love Me Bad
11. Outta My Mind

_retour