Tommy Lee „Tommyland: The Ride"
Markus, 22.8.2005
   Hat der rastlose Mr. Lee trotz aller Ne­ben­be­schäftigungen (Motley Crue-Tour, neue NBC-Reality-Show, usw.) doch noch Zeit gefunden, sein mittlerweile drittes Soloalbum aufzunehmen. Recht so. Also CD in die Hand nehmen, Booklet stu­dier­en, wissend nicken: hat er sich wieder ei­nen Pulk an Gast-Performern ins Haus ge­holt (siehe Info-Leiste oben), wo keinem was dazu einfällt. Krude Mischung das… Alles wie gehabt folglich. Daher CD in den Player und… Kopf kratzen. Wirklich die neue Tommy Lee? Fabrizierte er auf den beiden Vorgänger-Alben noch dieses pol­ternde Getöse aus Metal, Hip Hop und Industrial so strahlt einem gleich zu Beginn die sonnige Halbballade „Good Times“ ins Gesicht, ehe einem die zuckersüße Voll­ballade „Hello again“ ins Ohr tropft. Der notorischste aller bösen Buben nun ein alter Schmalzer? Ah, doch nicht. Stampfen ja schließlich schon „Tryin`to be me“ und „Sister Mary“ aus den Boxen. Zwar kein Crossover, aber gut abgehender, moderner Heavy Rock. So könnten sich Mötley Crüe heute anhören, gäbe es da keinen Vince Neil. Öha, was ist jetzt los? „Tired“, ein astreiner Poppunk-Hadern im Stile von Good Charlotte. Und nu? Post-grungiges á la Nickelback in Form von „Make believe“. Hm, diesem Album fehlt irgendwas. Aber was…? Ha, der rote Faden! „Tommyland: The Ride“ mutet nämlich mehr an wie ein bunter, poppiger Soundtrack zu einem amerika­ni­schen College-Film als wie die neueste VÖ eines geeichten Solo-Künstlers. Ergibt bei genauerer Betrachtung aber wieder einen Sinn. Vergleicht man die musizier­en­den Gäste mit den jeweiligen von ihnen unterstützten Liedern, keimt die Vermutung auf, dass der gute Tommy beim Schreiben der Nummern schon genau im Kopf gehabt hat, wen er sich da aller ins Studio einlädt. Sprich: als wären die Songs jedem Mit­streiter maßgeschneidert auf den Leib geschrieben worden. Und tatsächlich drängen sich seine Musikerkollegen diesmal weit mehr im Vordergrund herum als auf den bisherigen Studiowerken. Außerdem liefert dieser Output auch wirklich den „Sound­track“ für das bereits erwähnte NBC-Reality-Format „Tommy Lee goes to College“. Das macht jetzt eine Bewertung natürlich schwierig, weil: zwei Zugänge zu ein und derselben Scheibe. Nähert man sich ihr aus der Blickrichtung „Soundtrack“ bzw. „Auftragskompositionen für andere Künstler“, so muss man sie als durchaus ge­lung­en ansehen. Die Lieder erklingen allesamt auf hohem Niveau, schmeicheln den Gehör­gängen und sind teilweise von erschreckender Hit-Qualität.

   Für ein neues Album des Metal-Kapazunders Lee mangelt es jedoch bisweilen an fettem Rock und an einer durchgehenden, eigenständigen Linie. Klassischer Zwisch­en­fall: Soundtrack 4 Sterne, Lee-Album deren 3, macht ergo: mk






› Release: 08/2005
› Label: Rocket Science
› Links: Website, MySpace

Tracklist:
01. Good Times
02. Hello Again
03. Tryin To Be Me
04. Sister Mary
05. The Butler
06. Tired
07. I Need You
08. Make Believe
09. Makin' Me Crazy
10. Watch You Lose
11. Say Goodbye
12. Hello Again (Acoustic)

_retour