Tommy Lee: Tommyland
W-Bär, 15.11.2004
   Nach "The Dirt", Mötley Crüe's schmu­tzi­ger Autobiographie, legt der Zeugler noch ein Schäuferl nach und bringt sein eigenes Leben in Buchform heraus.
  "Tommyland" beginnt leicht verstörend mit einem Dialog zwischen dem Haupt­pro­ta­go­nis­ten Tommy Lee (ohne Jones) und seinem allerbesten Freund, seinem primären Ge­schlechts­teil. Was einem da im ersten Mo­ment noch die Grausbirn aufgehen lässt, entpuppt sich aber als gar nicht einmal so unlustige Art und Weise sich selbst ein bis'l auf die Schaufel zu nehmen.
   Wie es halt bei Autobiographien so üblich ist, gibt es auch hier haufenweise auto­bio­gra­phisch­es. Von den ersten Ballettstunden (!), den ersten musikalischen Gehversuchen über seine ganzen Frauengschichtln (namentlich genannt werden vor allem Carmen Elektra, Heather Locklear und die Frau Ober-Baywatch) bis hin zu seinem kurzen Häf'n-Gastspiel und seinem jetztigen Leben als Solo-Künstler ist hier alles ver­sammelt was in den ersten 42 Jahren Tommy Lee so passiert ist. Dazwischen lässt sich sein bester Freund, Mr. Dick nicht lumpen und gibt fleißig seinen Senf dazu ab ("Burning bad. Sex good. Mmm. Yess!") und dann und wann kann man auch lesen was denn der Herr Verleger bei Vorlage der jeweiligen Kapitel zu sagen hatte. (Beispiel: Verleger: "Change 'while' to 'whilst'? TL: "Whilst"? This isn't Shakespeare, Sherlock. Don't you at least need to be a knight to use a word like that? Should we change all the 'comes' to 'comeths' whilst we're at it? Save that shit for Sir Elton John's and Sir Paul McCartney's autobiographies, Squire"!). Und zuguterletzt geben dann auch noch ein paar ebenfalls aus Funk und Fernsehen bekannte Kollegen ihren Schmus ab. (z.B. Kurzzeitbetthaserl Pink "Tommy Lee is one of the fuckin' hottest musicions left!" oder Trent Reznor: "Tommy is the definition of a fucking rock star, a great guy and a fucking great drummer!") und Ober-Jackass Steve-O darf sogar zwei Seiten lang erzählen wie er als 11jähriger alles unternommen hat um auf ein Mötley Crüe- Konzert zu kommen.
   "Tommyland" ist zwar nur halb so gut wie "The Dirt", aber nichtsdestotrotz sehr unterhaltsam und selbst für all jene geeignet, die den Herrn Lee für einen Dodl halten. Passt! Übrigens: der Umstand, dass das das Buch im Endeffekt so ge­schmei­dig daherkommt, dürfte vor allem auch daran liegen, dass Tommy Lee hier nicht allein gewerkelt hat. Der eigentliche Autor von "Tommyland" heißt nämlich Anthony Bozza, jener welcher bis jetzt hauptsächlich für's Rolling Stone (Cover Stories über J-Lo, Trent Nine Inch Nail  Trent Reznor, Cameron "Almost Famous" Crowe u.a.) ge­schrie­ben hat. W-Bär

   "He's a great drummer with a lot of style! Also, "Pour some Sugar on me" can be played at any hiphop party. I love that!" --Pharell Williams, N.E.R.D






Erscheinungsjahr: 1999
Links: Tommy Lee

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