Velvet Revolver „Libertad"
Markus, 16.7.2007
Hier nun Velvet Revolvers Zweite, schlicht „Libertad“ betitelt. Das Debut der Allstar-Partie aus L.A. („Contraband“ / 2004) wur­de von uns ja hinreichend mit Applaus ver­sehen. Ergo zieht man sich den Nachfolger durchaus erwartungsfroh ins ausgedörrte Ohrwaschel. Und man wird – um`s gleich zu verraten – gottlob nicht enttäuscht. Nicht unbedingt selbstverständlich, denn im fortgeschrittenen Alter neigen viele Heroen von einst zu seniler Demenz und tonalen Stoffwechselstörungen. Die Man­nen um Ex-Gunner Slash und Drogenbaron Scott Weiland jedoch nicht. Haben das mit dem Rocken noch allerweil drauf. Stellen diese Velvet Revolver auch von Beginn an klar in dem mit „Let it roll“ gleich mal Uptempo losgebrettert wird. Der sich anschließende Midtempogroover „She`s mine“ gefällt wiederum durch Hrn. Wei­lands schräge Hooks. Die erste Singleauskoppelung „She builds quick machines“ sowie „Get out the door“ wirbeln wiederum ein wenig Wüstenstaub in den Sound und verharren in bärtigen Stoner-Rock-Posen.
   Überhaupt ist es u.a. der Sound der „Libertad“ variabler ausfallen lässt als „Contra­band“, was nicht zuletzt ein Verdienst von Produzentenlegende Brendan O´Brian (u.a. Pearl Jam, Bruce Springsteen) sein dürfte. Während bei der Erstausgabe die jeweilige Homebase der Beteiligten – Grunge die eine, Sleaze-Rock die andere – trotz oberknackiger Songs wie „Superhuman“ oder „Slither“ recht deutlich ausmach­bar waren und alles ein bisserl nach Guns `n` Roses covern Alice In Chains klang, bleibt bei „Libertad“ einfach sehr sauber gespielter, bluesiger Rock`n`Roll übrig. Zwar weniger heavy, dafür diesmal wirklich wie aus einem Guss. Somit gibt es kaum Ausfälle zu notieren und der geneigte Hörer kann sich an gelungenen Titeln wie den popotretenden Jack Daniels-Krachern „Mary Mary“ oder „Just sixteen“ laben, wo dreckige Riffs zusammen mit der routiniert vorwärtsstürmende Rhythm-Section einen charmanten Kontrast zum immer noch „alternativ“ säuselnden Mr. Weiland bilden. Außerdem tut der grauperte Slash diesmal den Teufel um seine Vorliebe für Aerosmith-Obernudler Joe Perry zu verstecken und garniert z.B. das sehr supere „Pills, demons & etc.“ mit rotzfrech geflauchten Perry-Licks. Was angesichts der unpackbaren Altersschwachheit der letzten Luftschmied-Studiowerke völlig in Ordnung geht. Außerdem war er schon bei G`n`R nichts anderes als die Glam- Variante des legendären Aerosmith-Leadgitarristen, is also nix Neues.

   Einzig das langatmige Country-Outro von der an sich schnuckeligen Ballade „Gravedancer“ hinterlässt halt ein kleines Fragezeichen. Soll wahrscheinlich lustig sein. Auch recht. Wenn ihnen nur der unbarmherzig wütende Gesichtsherbst nicht in das musikalische Zentralnervensystem wandert. mk




› Release: 06/2007
› Label: RCA, Sony BMG
› Links: Website, MySpace
› Plattentipp: LL-Player

Tracklist:
01. Let it Roll
02. She Mine
03. Get out the Door
04. She builds quick Machines
05. The last Fight
06. Pills, Demons & etc.
07. American Man
08. Mary Mary
09. Just sixteen
10. Out of my Head
11. For a Brother
12. Spay
13. Gravedancer

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