Zebrahead „Get Nice"
Markus, 29.01.2012
   Aus langjähriger Verbundenheit und ungebrochener Sympathie ist es einmal mehr an der Zeit, hier auf der LL eine dicke Lanze für Zebrahead zu brechen. Vom tranigen, europäischen Fach­pu­bli­kum seit jeher nicht verstanden und also für ein mittelmäßiges Rip-Off besser ver­kaufender Bands befunden, sei zum wie­der­holten Male angemerkt: Erstens sind die Buben äußerst firm an ihrem Werk­zeug und picken beim Nudeln stets "al dente" beieinander. Zweitens ist "Fun­punk plus Metalleads und Raps" anno 2012 fürwahr nichts Neues, war aber im Jahre 1996, als ihre erste offizielle Scheibe das Licht der Welt erblickte, eine durchaus nicht ranzige Angelegenheit. Drittens sind sie mitnichten ein Abziehbild der tüch­ti­gen Kanadier von Sum 41. Denn die sind – ihr Geburtsschein verrät es – ein wengerl jünger und waren dementsprechend später am Start als die gestreiften Bengeln aus Huntington/CA . Viertens hechelten Zebrahead auch nie rastlos den Alterskollegen von Blink 182 hinterher. Diese betraten mit ihrer Mucke in etwa im selben Moment die Bühne der Öffentlichkeit, waren zwar im Lauf der Jahre bei weitem umsatz­stärker, hielten jedoch Crossover-Ambitionen immer außen vor. Wenn, dann folgten sie – fünftens - ursprünglich dem Ruf von z.B. Sugar Ray, welche tatsächlich ein Aitzerl früher debütierten wie reüssierten und das mit sehr ähnlich angelegtem Grundkonzept. Das nur, um ein paar unqualifizierten Vorurteilen Halbwissender auf den Pelz zu rücken.
   Genug des nerdigen Jeierns. Zutiefst berechtigte Kritik an der Truppe reibt sich an der latenten Mittelmäßigkeit ihres letzten Studio-Outputs "Phönix", der laienhaften Gymnasiasten - Daherkommung ihres Cover-Albums "Panty raid" und am grüb­ler­i­schen Einwurf, ob man mit bald 40 für jugendbewegten Funpunk kalifornischer Prägung nicht langsam zu alt wird. Eine Frage, die wir uns zuletzt schon bei Bowling for Soup gestellt haben. Owa was muschelts. 40 ist ja angeblich das neue 30, also heften wir diesen Einwand als Zeitgeist-hörige Freizeit - Kurier - Aficionados als Totally dated! ab. Ganz ehrlich, wir hätten es angesichts von "Panty raid" ja auch nicht mehr geglaubt. Jedoch, "Get nice!" ist über weite Strecken ein wirklich, wirklich gutes Album geworden. Jo eh, sie baden förmlich in pazifischen Wellen von Back­ground- "Woohs!" und -"Ooohs!". Das ist manchmal schon zu viel des Guten, keine Frage. Und textlich braucht man sich (fast)nix Neues mehr zu erwarten. Fakt bleibt jedoch, dass wir es mit "Get nice!" aufgrund einiger steinstarker Songs, eigentlich mit dem besten Zebrahead-Album seit ihrer Benchmark "Playmate of the year" (1999) zu tun haben. Na das ist doch! Die Hitlist: "Nothing to lose" mit routinierter Up­tempo- vs. Midtempo-Dynamik, die - gewieftes Songwriting vorausgesetzt - nach wie vor wunderprächtig funktioniert. "Ricky Bobby", das "Pedal to the metal" ein kollek­tives Grinsen ins Talladega-Oval rockt wie sonst nur Will Ferrell in der Titelrolle. Der fidele Titel-Track "Get nice!". Der Ska-Punker "Nudist priest", der jetzt allein auf­grund des bescheuerten Namens Erwähnung finden musste. Das nette Riffing von "I`m definitley not gonna miss you", dass allerdings – zugegebenermaßen - von New Found Glory geflaucht wurde. Die wärmende, von feinem Gitarren-Tremolo und behutsam unterstützendem E-Piano kreierte Atmo von "Kiss your ass goodbye". Das grandiose "This is gonna hurt you...", dass das bewährte "schnell-mittelschnell-lang­sam"-Schema abermals um den frivol dazwischen gesetzten Elektrowurschtl erwei­tert, welchem der schöngeistige Hörer in diesem Fall gar eine spirituelle Nähe zu "Blinded by the light" (Manfred Mann) oder "Dreamer" (Supertramp) attestiert. Die sprühende Euphorie von "Light up the sky". Und schließlich unser ganz per­sön­lich­er Favorit: "She don`t wanna rock". Der Titel eine Hommage an die überwuzelten Spaß­laberln von Twisted Sister. Der Text eine fundierte Abhandlung zwischen­mensch­lich­er Interferenzen. Exemplarisch sowie zum besseren Verständnis veranschaulicht am beziehungsinternen Diskurs über Spandex-Hose vs. Mädchen-Romantik, Mötley Crüe vs. Dokken, Slaughter vs. Stryper, Aerosmith vs. RunDMC, Iron Sheik vs. Roddy Piper sowie Haarbürste vs. Mikrophon. So etwas sucht seinesgleichen und be­geis­tert alternde Kinder der 80er wie uns natürlich ungemein. "I like Van Halen, she likes Van Hagar – she`s a violin, I am a mother*** guitar"?

   Danke, keine Fragen mehr. Wir sind infantil genug, um Derartiges uneingeschränkt großartig zu finden. Von der Musik sowieso allererster Schlagobers. Machen damit allen Verständnislosen das "Schleckerbatzl" und den Empfindsamen trübe Novem­ber­tage zu einer sonnigen Angelegenheit. Kurzum: Wer es mag, wird es lieben. mk








ComScore

› Release: 08/2011
› Label: Sony/MFZB/3Wise
› Links: Website
› Reinhören: LL-Player

Videos:
She Don't Wanna Rock
Get Nice!
Truck Stop & Tail Lights
Blackout
Nudist Priest
Ricky Bobby

Tracklist:
01. Blackout
02. Nothing To Lose
03. She Don't Wanna Rock
04. Ricky Bobby
05. Get Nice!
06. The Joke's On You
07. Nudist Priest
08. Galileo Was Wrong
09. Truck Stops and Tail Lights
10. I'm Definitely Not Gonna Miss You
11. Too Bored To Bleed
12. Kiss Your Ass Goodbye
13. This is Gonna Hurt You
14. Demon Days

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