Zebrahead live - Szene, 15.10.2006
Markus, 23.10.2006
  Tja, manchmal kommt es anders als man glaubt. All unsere Lieblinge aus Orange County (Lit, Handsome Devil, Zebrahead, etc.) haben schließlich immer zielsicher an uns vorbei getourt. Ergo vermuteten wir noch in unserer Review zum aktuellen Ze­bra­head-Auswurf „Broadcast to the world“, dass man sie aufgrund chronischer Er­folg­lo­sig­keit im schnöden Europa, hierzulande nie live zu Gesicht bekommen wird. Jedoch, man glaubt es kaum, mittlerweile waren die Burschen aus Huntington Beach / Kali­for­nien bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in Wien zu Gast. Im Februar beehrten sie als Support der Ska-Punk-Opas Reel Big Fish das Flex und jetzt eben ihr erster Headlin­er-Gig in der Szene. Zum sensationellen Preis von 10,80 € erstanden der Herr Oberbürgermeister, der Herr Vize und Meiner gleich nach Erhalt der frohen Kunde die Tickets für dieses epochale Ereignis. Aufgeregt wie rotznasige Schulbuben vor der erstmaligen Zündung eines China-Krachers begab man sich also an jenem Sonntag Abend in den 11. Wiener Ge­mein­de­bezirk. Entspanntes Gleiten auf den vierspurigen Weiten des südlichen Gürtels war schon mal überhaupt nicht, da vor freudiger Erwartung der Kupplungsfuß ein zittriger war und  die vor Nervosität transpirierende Hand einfach nicht am Schalt­knüppel halten wollte. Derart ruppig durchgebeutelt kamen wir klatschnass und scheppernd wie die Kluppensackeln in der Szene an und fanden uns, der eigenen Stimmung entsprechend, unter lauter Schulbuben wieder. Simma uns kurz ein bisserl alt vorgekommen. O.k. so schlimm war`s wieder nicht, der Anteil an Gymnasiasten ist aber doch überraschend hoch gewesen.
   Den angekündigten Opening-Slot Dopamine (Engländer, die einen auf Fall Out Boy machen) hatte der Veranstalter kurzerhand gekübelt. Achsbruch am Nightliner oder so ähnlich die Begründung. Also begann die ganze Chose verspätet, nämlich erst gegen 20.45 statt 20.00. Blieb somit noch Zeit zur Beruhigung der Nerven ein, zwei Bierlis einzuatmen. Ca. 120 Leute dürften sich grob geschätzt in die Szene verirrt haben, folglich war es rundumadum relativ luftig. Wenn man die hiesigen Verkaufs­zahlen der Band bedenkt, hätte es allerdings noch weit trauriger aussehen können. Pures Underground-Ding das. Die Lichter auf der Bühne gingen aus und der O.C.-Fünfer enterte zu Michael Jacksons „Beat it“ die Bühne. Der Unwissende dachte dabei natürlich an augenzwinkernde Verarsche. Klugschiss verbreitende Rock-Nerds wie wir wussten aber mehr, soliert auf diesem Evergreen doch der Herr Eduard Van Halen! Und Zebrahead-Saitenmann Greg Bergdorf ist ein glühender Verehrer des alten Flitzefingers, also. Darauf gingen die Lichter flugs wieder an, denn die kali­fornischen Spaßbirds wollten sich partout nicht mit der Tatsache abfinden, dass sich einige Gäste verschämt in den hinteren Winkeln des Clubs herumdrückten. Er­inn­erte an Sportunterricht im Gym wie Rapper Ali Tabatabaee mit dem liebvoll-autoritären Untertun eines Turnlehrers sinngemäß meinte „Und jetzt machen wir alle 10 Schritte nach vorn, sonst fang ma nicht an zu spielen!“. Hat funktioniert der Schmäh und zu den Klängen des Titelsongs der neuen Scheibe ließen sie`s gleich ordentlich krachen.
   Überhaupt spielten sie ihre auf unzähligen Spring Break- & Vans Warped-Tourneen gewonnene Routine immer dann souverän aus, wenn die Stimmung zu kippen droh­te. Und folgten dabei offensichtlich einer fix vorgegebenen Rollenverteilung in der Rapper Ali Tabtabaee das Frontschweindi, Sänger/Rhythmusgitarrist Matty Lewis den jugendlichen Sympathikus und Bassist Ben Osmundson den ungustigen Kasperl gaben. Drummer Ed Udhus wiederum kam mehr die Figur des gutmütigen Dicken zu, während Leadgitarrist Bergdorf den sensibel-exzentrischen Saitenvirtuosen gab. Der wirkte auch als einziger den ganzen Abend über ein wenig unrund. Ob das mit dem bisserl arg matschigen Sound, eingewachsenen Fußnägeln oder verschlagenen Darmwinden zu tun hatte, blieb leider ungeklärt.
    Die Playlist hatte ihren Schwerpunkt auf den letzten beiden Alben „Broadcast“ und „MFZB“ (jeweils 5 Songs), während der Klassiker „Playmate of the year“ sowie das Debut „Waste of mind“ nur zwei- bzw. einmal serviert wurden. Hamma bissi schad gefunden, aber was muschelts. Ansonsten lieferten die Zebrarüben einen wirklich hübschen Gig gewürzt mit allerlei kindischem Schabernack und kalifornischer Strand­animation. Mal wechselten Gitarrist und Drummer für sagenhaft schlechte Soloeinlagen unter Schmähgesängen ihrer Band-Mates die Arbeitsplätze, wurden Geburtstagsständchen für Sänger Matty Lewis angestimmt, das Publikum zum kollektiven Ausziehen aufgefordert oder lustige Bewegungsspiele angeleiert. Und wenn ihnen sonst nichts einfiel, sabberte sich Bassist Ben Osmundson halt einfach herzhaft den Trenz auf seine Dickies.
   Nach ca. 60 min war dann zunächst mal Schluss. Für drei Zugaben kamen sie schließlich noch mal vor den Vorhang und baten zum Finale die Menge in den Circle Pit. Was jetzt nix mit der im Metalcore beliebten Wall of Death oder gar Gruppensex zu tun hat, sondern ein „Im Kreis“-Gepoge darstellen soll. Tatsächlich geriet es allerdings mehr zu einer verreckten „Löcher aus dem Käse“-Polonaise oder wie Kollege Schneida grunzend anmerkte zum „Ringelpietz mit Anfassen“.

      Insgesamt jedenfalls eine schöne Sache die Buben endlich mal live zu erleben. Einzig die Spielzeit von wohlwollend geschätzten 70min war schon ziemlich knapp bemessen. Bei diesem unpackbaren Kartenpreis wollen wir das jedoch generös unter den Teppich kehren. mk






Datum: 15.10.2006
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