Zebrahead „Phoenix"
Markus, 29.9.2008
   Tüchtig. Die Taktung wird brav ein­ge­halten. Man könnte sogar die Uhr danach stellen. Denn von Zebrahead gibt es pünkt­lich alle zwei Jahre ein neues Album. „Phoenix“ also das aktuelle Release, des mit der Erfahrung von 12 Jahren des lau­nig Kopfnüsse-Verteilens beschlagenen O.C.-Fünfers. Freut uns natürlich, as usual. Wir haben sie ja schon seit langem fest in unsere Herzen geschlossen. Los geht`s mit „HPM“ und Jössas!. Der Opener dreht die Temposchraube nämlich ansatzlos auf 11. Akzelerationspegel wie sonst nur bei den seligen Bad Brains oder den Turbowarzen von Mötorhead. Zwischendurch aber wieder frickelig rhythmisiert, wie wir das bei den Streifenrüben schon seit eh und je kennen. Und der Gesang-Rap-PingPong ebenfalls wie gehabt. Klingen schon verdammt unverwechselbar. Und nicht nach Offspring oder gar Green Day wie manch unverbesserliches Schweinsohr gern behauptet. U.a. dank dem Hrn. Bergdorf. Der ist ja ein rechter Auskenner an der Klampfe und würzt seit jeher den gebotenen Crossover-Punk mit handfesten 80er-Jahre Metal-Licks. Z.B. die Songs Nr. 2 (“Hell Yeah!“) und 3 (“Just the tip”). In diesen Fällen der Diener vor Iron Maiden. Hm, die „Stretch-Jeans an Jogging High“-Metaller aus GB muss unser einer ja nicht unbedingt haben. Deren zwei­stim­mige Gitarrenläufe kommen hier aber eh nur in homöopathische Dosen ins Misch­pult. Trotzdem fangen wir uns mit seiner ebenfalls sehr ausgeprägten Vorliebe für das Tapping des Hrn. Eduard Van Halen mehr an. Hörbar in den pipifeinen Titeln „Juggernauts“ oder „Be carefull what you wish for“. Eigenzitate sind ausdrücklich erlaubt und frommen der Orientierung. Daher nixx zu maulen wegen „Mental Health“. Spitzen Nummer mit bekannt formidablen Backgroundhooks, dessen Eröffnungs-Riff den Zebrahead-Klassiker „Playmate of the year“ hoch leben lässt. Da kratz wiedereinmal der Sand in der Badeflack, dass es nur so ein Strandurlaub ist! Die Songs an sich werden in bewährter Weise mit Titeln versehen, die mitunter an gewollter Dämlichkeit kaum zu überbieten sind. Wie das unerwartet Ska-lastige „Mike Dexter is a god, Mike Dexter is a role-model, Mike Dexter is an asshole“.
   Zweiter Ausflug in bis dato weniger beackerte Brachflächen: „The junkie an the halo“. Rockabilly pomadierter Sixties-Boogie im Vers ist hier das Thema. Höhepunkt und aktuelle Benchmark: „Two Wrongs Don't Make a Right, But Three Rights Make a Left“. Ein sperrangelweit aufgedrehter Endorphin-Beschleuniger wie ihn nur die Jungs aus der Kiesgrube hinbekommen. Dazu will die Welle geritten werden bis die Oma schreit. Wenn man es halt könnte. Zum Purzelbaum schlagen passt`s aber auch. Kritikpunkte? Ja, doch. Punkt 1: bisserl eine Dränglerei im Lautsprecher, sprich zu viele Nummern auf die Scheibe gepackt. Das hatten wir schon auf dem Vor-Vor­gänger „MFZB“. Punkt 2: der Auswurf an begnadeten Hooklines fällt dieses Mal spärlicher aus.

   Ergo flutschen die Tracks auf „Phoenix“ nicht immer so slick in die Gehörmuschel, wie man es ansonsten von den Buben gewohnt ist. Das mag jedoch mit ange­mes­sener Heavy-Rotation in den Griff zu bekommen sein. Vorerst aber: 3 solide Sterne. mk






› Release: 08/2008
› Label: SPV, Steamhammer
› Links: Website, MySpace
› Video: Hell Yeah

Tracklist:
01. HMP
02. Hell Yeah!
03. Just the Tip
04. Mental Health
05. Juggernauts
06. Death by Disco
07. Be Careful What You Wish For
08. Morse Code for Suckers
09. Ignite
10. Mike Dexter Is a God
11. Brixton
12. Two Wrongs
13. All For None
14. Hit The Ground
15. The Junkie & The Halo
16. Your Friends Are Hot

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