Was zum Geier ist Lola/DCE?
W-Bär, 19.5.2008
»Lola gilt als bester Schönheitschirurg der Filmindustrie. Dank unserer Arbeit haben Stars jünger, dünner, muskulöser, älter, dicker, fitter, grösser und kleiner gewirkt.« O-Ton Lola

   Was zum Geier ist DCE? Und wer zum Geier ist diese Lola? Nö, die von den Kinks ist nicht gemeint. Auch nicht die, die allerweil so  damisch in der Gegend herumtschörtelt. Unsere Lola wohnt im sonnigen Kalifornien und verdingt sich dort quasi als eine Art DCE-prak­ti­zier­ender Schönheitschirurg. So will es uns zumindest der schöngefärbte, unter­nehmens­eigene Pressetext weis­mach­en. Die Lola ist nämlich eine Firma. Und eine ganz ominöse noch dazu. Leicht hat's die Lola ja nicht gerade. Obwohl so veritable Kapazunder wie Brad Pitt, die gesamte "Sex & the City"-Belegschaft, Pamela Anderson, Schnarchbolzen Patrick Stewart und viele andere Hollywood'sche Schwergewichte zum Kundenstamm zählen, darf sie es in den meisten Fällen nicht ausplaudern. Weil wenn's um's jünger, dünner, muskulöser und fitter machen geht, wünscht der Kunde Diskretion. Ist ja auch verständlich, dass ein Fräulein Sarah Jessica Parker nur ungern zugeben will, dass ihr so ein nerdiger VFX-Futzi im Nachhinein die welken Falten aus dem Gesicht  gebügelt und den schon leicht angerunzelten Popsch wieder  dezent gestrafft hat.

DCE, juhe!

   Die Lola-Belegschaft arbeitet still und heimlich in einem alten Bürotrakt in Santa Monica und ist nach eigenen Angaben "Hollywood's größtes Geheimnis". Zu kaufen gibt's imposantere Muckis, üppigere Oberweiten, definiertere Sixpacks, blitzende Beisserchen und allerhand sonstige Geschmeidigkeiten. Wobei es sogar bereits eine  propere Abkürzung für's kosmetischdigitale Verschönern gibt: DCE, "digital cosmetic enhancement" nennt sich der Prozess, in dem die knapp 20 Lola-Klempner ihre Klienten  lieber mit Maus, Tastatur und Grafiktablett anstatt mit Skalpell, Botox und Silikon malträtieren.

Baywatch Redux

   Was in sämtlichen Hochglanzmagazinen schon seit Jahren praktiziert wird und im schlimmsten Fall so ausschaut wie das News-Cover, hat sich nun auch endgültig in der Filmindustrie breitgemacht. Wobei es gar nicht so einfach ist herauszufinden, bei welchen Flicks Lola nun tatsächlich nachgeholfen hat, denn meistens wird die Firma weder im Abspann genannt, noch erhält sie sonstige Credits. Also wird vorläufig noch mit Projekten geworben, bei denen Lola's digitaler Senf zu offensichtlich ist, um ihn zu verheimlichen. Wie z.B. bei einer Werbespot-Serie, in der Pamela Anderson, Charlie Sheen und Sigourney Weaver dran glauben mussten. Anderson durfte noch einmal  herumflanieren wie zu seligen "Baywatch"-Zeiten, Weaver war noch einmal als Ellen Ripley unterwegs und unser LL-Schutzheiliger Charlie Sheen sah wieder aus wie zu "Major League"-Zeiten.

The Last Stand

   Das größte und prestigeträchtigste Projekt bis dato war allerdings kein schnöder Werbespot, sondern der dritte "X-Men"-Flick "The Last Stand". Zu Beginn des Films treffen die beiden alten Säcke Patrick Stewart und Ian McKellen aka Xavier und Magneto aufeinander. Da es sich dabei allerdings um eine Rückblende handeln sollte, trat Lola zum Dienst an, entwickelte kurzerhand eine Technik namens "Digital Skin Grading" und verpasste den beiden eine digitale Verjüngerungskur vom feinsten.  Um ein möglichst perfektes Ergebnis zu erzielen wurde dabei vorlagentechnisch zum Teil mit alten Aufnahmen der Protagonisten und unter Beihilfe echter Schönheits­chirurgen herumhantiert.
   Aber auch vor "X-Men" wurde schon wild herumgewütet: in "Night at the Museum" wurden der 81jährige Dick Van Dyke und der 86jährige Mickey Rooney verjüngert, in "Babel" bekam Brad Pitt ein paar Falten und Tränensäcke ins Gesicht geflochten, Brandon Routh durfte sich in "Superman Returns" über ein veritables Sixpack und leuchtendere Glubschaugerl freuen, Lindsay Lohan's gar nicht mal so unüppiger Vorbau wurde für "Herbie: Fully Loaded" kindergerecht   um ein paar Körbchen­größen verkleinert, Augenschmaus Jennifer Connelly kullerte in "Blood Diamond" gar eine künstliche Träne über die Wange (um der Szene noch ein Eitzerl Schmus zu verpassen) und demnächst wird  Brad Pitt in David Fincher's "The Curious Case of Benjamin Button" dank Lola rückwärts altern. Mittlerweile ist  die von Lola entwickelte DCE-Technik sogar schon so weit ausgereift, dass kleinere Dialogszenen im Nachhinein noch geändert werden können. Ungewollte Mundbewegungen lassen sich  problemlos für ein paar Sekunden manipulieren und damit bereits Gesagtes auch nach Drehschluss noch korrigieren. Da wird's wohl nicht mehr allzulang dauern bis uns Hollywood reihenweise Prequels vor den Latz knallt. Harrison Ford ist vermutlich in "Indiana Jones V" plötzlich wieder 30, Sly Stallone erzählt uns vielleicht schon bald in "Rocky VII", wie er als 17jähriger Rotzbub seine zukünftige Holde Äidriäääääään angebaggert hat und John Travolta und Michael Madsen sind vielleicht tatsächlich noch in einem "Reservoir Dogs"/ "Pulp Fiction"-Prequel als hunghupferische Vegas-Brüder unterwegs. Hamma wieder was gelernt. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit, W-Bär





Lola VFX & DCE
digital cosmetic enhancement

Links:
Lola VFX
X-Men - vorher/nachher
A. Iñárritu's Babel
X-Men: The Last Stand
Reservoir Dogs
Pulp Fiction
Night at the Museum

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