Was zum Geier ist Metal Skool?
Markus, 18.6.2007
   Wir wollen euch nicht lang auf die Folter spannen und beantworten die Frage gleich zu Beginn: das ist eine Band sowie  „the longest running metal show on the Sunset Strip“ (Wikipedia). Na nicht schlecht! Gemeint ist allerdings, hier heißt es aufpassen, „Metal“ in der Art wie ihn der ordinäre US-Amerikaner versteht. Bzw. verstand. Damals in den 80ern. Vor „Grungecrossoveralternative“ und dem sich daraus herausgeschält habenden „Nu Metal“. Wir sprechen in diesem Fall von Hairspray-Metal (Def Leppard, Van Halen, Whitesnake etc.), samt seinen Unterarten „Glam“ (Mötley Crüe, Poison etc.) und „Sleaze“ (Guns-n-Roses, Skid Row etc.). Welche dazumal drüben das Ding schlechthin waren, im humorlosen Europa mit seinem ebenso ernsthaften wie wagnerianisch geprägten Metal-Verständnis hingegen immer als Poser-Dreck abgeschasselt wurden. Womöglich mit ein Grund warum Metal Skool bei uns so gut wie unbekannt sind, während sie jenseits des Atlantiks ein beachtlicher Promi-Hype und Web 2.0-Phänomen sind.
   Die Herrn Pädagogen der „Metal Skool“ (Ralph Saenz - voc., Travis Haley - bass, Russ Parrish – git, Darren Leader - drums) beackerten in den 90er jeder für sich mehr schlecht als recht das Musikbiz L.A.`s. Die prominentesten Credits kann sich noch Gitarrist und  Satriani-Schüler Russ Parrish ans Revers heften, durfte dieser doch eine Zeit lang in Rob Halfords Band Fight die Axt schwingen. Das erfolglose Nu Metal-Vehikel des glazerten Judas Priest-Opas war jedoch nach nur zwei Alben Geschichte und der Herr Parrish wieder auf Jobsuche. Anfang 2000 trafen die vier Buben aufeinander und ihnen kam die „originelle“ Idee eine 80er-Jahre-Glam-Metal-Tribute-Partie ins Leben zu rufen. Eigentlich wenig Erfolg versprechend, denn genau von der Sorte gibt es rund um den Sunset Strip (Anm.: die Rock-Club- und Prosti­tuier­ten-Meile Hollywoods und in den 80ern das Mekka jedes nuttig aufgebrezelten Spandex-Rock`n`Rollers) eine ganze Menge. Nur dass so gut wie all diese Kappellen halt einer bestimmten Band huldigen und eher auf dieser „Las Vegas-Elvis-Imi­tatoren“-Schiene entlang gondeln. Damit dürfte sich dort ganz gut Kohle machen lassen, überregionale Bekanntheit erlangt man in dem Metier aber nicht. Das hatten die vier Buben bereits überrissen, weil u.a. Parrish sowie Sänger und David Lee Roth-Lookalike Ralph Saenz jahrelang mit der Van Halen-Coverband Atomic Punks durch die Lande tingelten. Folglich einigte man sich zunächst darauf, im Gegensatz zu ihren Konkurrenten am Strip, einfach alles nachzuspielen was in der vorvergangenen Dekade zum Thema Hair­spray- und Party-Metal an Leiwand­heiten hervorgebracht wurde. Außerdem schmink­ten sie sich fortan wie Tante  Erna und tauschten ihre Geburtsnamen gegen die Glam-Alter Egos Michael Starr, Satchel, Stix Zadinia und Lexxi Foxx. 
   Weiters stellten Metal Skool bald fest, dass sie im Scheiße reden und grauslich sein recht firm sind und legten daher ihre Show als ebenso derbe wie völlig überzogene Satire auf die in den 80ies gängigen Rock­star-­Klischees an. Ein Glücksgriff war es schließlich einen fixen Job inklusive wöch­ent­lichem Auftritt im schwer angesagten „Viper Room“ zu ergattern. Dieser Club stand ein Weilchen im Besitz von einem gewissen Hrn. Depp. Dass sich dort das Hollywood-Who is who allabendlich die Klinke in die Hand gab, versteht sich von selbst. Diese nützliche Tatsache wurde sogleich in das kabarettistische Gesamt­konzept der Band miteinbezogen. Mit einer „Scheiß ma nix“-Attitude vom Feinsten begann die Band, der anwesenden Enter­tainment-Schickeria mit wüstem Schaber­nack auf den Pürzel zu gehen und selbige in die überdrehte Bühnenparty mit einzubeziehen. Das p.t. Publikum fand daran Gefallen und es sprach sich schnell herum, dass da im Viper Room jede Woche propere Festln gefeiert werden. Unter dem Motto „Es ist besser sich unter den Pöbel zu mischen als unter die Möbel zu pischen“ wollten nun immer mehr prominente Schauspieler und Musiker zusammen mit den übermütigen Comedy-Bengeln sturzbetrunken alte Def Leppard- Van Halen- oder Mötley Crüe-Hadern ins Mikro rülpsen und sich dabei deftig verarschen lassen. Noch dazu, wo Metal Skool sich selbst am allerliebsten in die Pfanne hauen und mit Weisheiten wie „I like my name Lexxi, cause it rhymes with sexy!“, „If you don`t condition your hair it would fall out and then you couldn`t be in a band!” oder „Wow, yesterday I`ve discoverd that my bass-guitar got four strings not only two, so I can play more different notes now!“ gern als veritable Dodeln hinstellen.

   Nach einigen Jährchen wechselten sie vom Viper Room in den Key Club und griffen zudem weitere fixe Engagements in San Diego ab. Die Shows erlangten in Südkalifornien regelrechten Kultcharakter und sie veröffentlichten 2005 ihr erstes Album mit dem geschmackvollen Titel „Hole Patrol“.
   Zur selben Zeit startete schließlich mit MySpace und YouTube ein anderer Hype, nämlich der um Web 2.0. Und den wussten die Buben gekonnt für ihre Zwecke auszunutzen. Metal Skool ließen nun ihre notorisch ausverkauften Gigs audio-visuell mitschneiden und stellten Clips der feuchtfröhlichen „Duette“ mit diversen zuge­dröhnten Stars via YouTube ins Netz. Diese Videos wurden ein Renner und erfreuen sich nach wie vor steigender Beliebtheit. Zelebritäten beim Feiern zu beobachten, davon leben bekanntlich ganze Sendeleisten im TV. Der Erfolg dieser YouTube-Filmchen ist mittlerweile von einer derartigen Heftigkeit, dass demnächst sogar ein ganzer „Metal Skool“-Flick auf den Markt gerotzt wird. Der scheint im Stil einer Spinal Tap-mäßigen Doku-Satire (legendäre Parodie auf Rocker-Dokus, aber das ist eine andere Geschichte) angelegt worden zu sein und gibt allen die`s interessiert, die Gelegenheit, lustige Show-Biz-Kampeln wie Juliette Lewis, Kelly Clarkson, Steve O, Dennis Rodman, RZA, Pink oder Mama Magera beim ausgelassenen Poser-Ringel­piez zu beobachten.
   Alles in allem sind Metal Skool aufgrund des Comedy-Faktors also auch für Leute, die im Gegensatz zu uns über einen normalen Musikgeschmack verfügen und daher mit Tunten-Metal nix am Hut haben, eine echt unterhaltsame Sache. Und das ist wohl das Geheimnis ihres Erfolgs. Hamma wieder was gelernt, herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit! mk





Metal Skool:
Ralph Saenz (Gegröhle)
Travis Haley (Basserei)
Russ Parrish (Klampfe)
Darren Leader (Zeugl)

Links:
Metal Skool
Sunset Strip
Viper Room
Key Club

Discography:
(2004) Hole Patrol
(2009) Feel The Steel

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