Was zum Geier sind The (three) Stooges?
Markus, 1.5.2005
stooge (engl.) 1. thea. bsd. Am.  Stichwortgeber m., 2. contp. Handlanger m.

   Stoo…wer? Ständig vernimmt man diesen (vermeintlichen) Familiennamen schein­bar zusammenhanglos in musikalischen Fachzeitschriften einerseits sowie ameri­kanischen Filmen und Serien andererseits. Immer wiederkehrende An­spiel­ungen auf die Stooges bzw. die 3 Stooges sorgen für gehörige Verwirrung. Durch dieses per­ma­nente Name-Dropping an den unterschiedlichsten medialen Orten völlig gaga im Kopf, gerät man schließlich zu der Überzeugung, dass die Stooges eine ver­hal­tens­auf­fällige Clown-Truppe waren, die nebenbei auch bahnbrechende Rock-Musik komponiert hat. Fast, liebe Freunde, fast. Aber halt nicht die ganze Wahrheit. Wir wollen hier mal versuchen den Nebel ein wenig zu lichten ...

1. The Stooges: (Rock-Band)

   The Stooges waren jene Band, die dem allseits bekannten, respektierten und ver­ehrten Derwisch Iggy Pop die Tür zu sei­ner beachtlichen Karriere aufstießen. 1967 in Detroit vom Meister himself ge­gründet, gelten sie bis heute als die be­kann­teste Band jener Stadt, die vor allem als Synonym für die amerikanische Auto­industrie steht.
Hrn. Iggys Buddies waren die Brüder Ron (Gitarre) und Scott Asheton (Schlagzeug) sowie Dave Alexander (Bass). Ihr erstes Konzert gaben die Stooges Halloween 1967 an der Universität von Michigan. Ihre Konzerte sollten es dann auch sein, die ihnen sehr rasch zu einem berüchtigten Ruf verhalfen. Eingehüllt in einen ebenso brutalen wie dillettantischen Sound waren ihre Gigs die Plattform für des Frontmans mehr als exzentrisches Bühnenverhalten. Da wurde das Equipment zerlegt, zahllose autoaggressive Handlungen gesetzt (wie z.B. mit Glasscherben offene Wunden in die Brust ritzen), blutiges Rindsfleisch in die Menge geworfen, der Körper mit Erdnussbutter eingerieben (!!) und anschließend, erstmals in der Geschichte des Rock`n`Roll, dem Stagediving gefrönt. Für die damalige Zeit natürlich ein Wahnsinn. Mr. Pops Körper zeugt noch heute von diesen Eskapaden. Dieses anarchische Gehabe gepaart mit dem mehr als rotzigenSound ihrer Musik, der so gar nicht zur in den Sechzigern gängigen Flower Power-Romantik passen wollte, macht die Stooges (gemeinsam mit den ebenfalls aus Detroit stam­menden MC 5) zu den eigentlichen Begründern des Punk Rock. Jaja, da haben die ollen Sex Pistols noch brav die Volksschulbank gedrückt als diese entfesselten Detroiter Burschen ihrem Tagewerk nachgingen.
   Nachdem die Band 1968 einen Major-Deal ergattert hatte, folgte ihr Debut im Jahr darauf. Produziert wurde diese Scheibe von Velvet Under­ground-­Mann John Cale und sie enthält u.a. solche Rock-Klassiker wie „I wanna be your dog“, das auch heute noch zum Standard-Repertoire jeder Iggy Pop-Show gehört. Den absoluten Durchbruch brachte diese Platte jedoch nicht. Ebenso wenig wie das 1970 erschienene „Fun House“- Album und das von David Bowie soundtechnisch betreute „Raw Power“ (72). 1974 folgte schließlich der endgültige Split der Punk-­Uropas.
   Der große Erfolg war den Stooges zu ihrer aktiven Zeit einfach nicht vergönnt, da sie gut 10 Jahre zu früh auf der Bild­fläche erschienen waren. So kam es, dass diese Truppe erst durch Herrn Pops ungleich erfolgreichere Solo-Karriere - quasi posthum - die Beachtung erfuhr, die ihr eigentlich zustand und fortan eine Unzahl von Bands inspirieren sollte. Einige bekannte Stooges-Adoranten: Nirvana, Soundgarden, New Bomb Turks, The Hellacopters, Backyard Babies, Monster Magnet, Motörhead ...

2. The three Stooges:
(Komödianten-Truppe)

  Sind wir uns ehrlich: in so gut wie jedem Hollywood-Actionstreifen rennt, während der Bösewicht mit einer über­lebens­großen Krachen ins Haus eindringt und alles niedermäht was organischen Ur­sprungs ist, im Hintergrund irgendwo ein Fernseher. Und in selbigem laufen jedes Mal, quasi als Verstärkung der gerade statt findenden Grausamkeiten, entweder „Roadrunner“-Cartoons oder eben diese obskuren S/W-Slapstick-Komödien, in denen drei äußerst eigenartig aussehende Herrn Ohrenreiberl und Augenstiche verteilen. In elf von zehn Fällen handelt es sich bei diesen S/W-Comedies um die „drei Stooges“.
   Die drei Stooges sind für jeden US-Amerikaner der Prototyp des Holzhammer-Komikers schlechthin. Wo bei uns, konditioniert durch Sendungen wie „Auch Spaß muss sein“ und der „Dick und Doof“-Show (präsentiert vom großen Theo Lingen!), Stan Laurel und Oliver Hardy als Hauptprotagonisten dieses Genres gelten, waren die drei Stooges in den USA ungleich erfolgreicher und machen sich noch heute, lange nach ihrem Ableben, in der dortigen Populär- und Alltagskultur breit: sei es als beliebte Halloween-Verkleidung oder als Vorlage für Computer-Spiele. Sogar eine gewisse Sprichwörtlichkeit wurde ihnen zuteil. Soll heißen: wenn drei erwachsene Männer sich besonders dämlich aufführen, sind sie „wie die drei Stooges“. Zu überprüfen in einer beachtlichen Anzahl von Filmdialogen, durch deutsche Synchron-Studios manchmal ungelenk mit „wie die drei Pfeifen“ übersetzt.
   Die drei Stooges gründeten sich in der zweiten Hälfte der 20er-Jahre rund um die Brüder Moses und Sam Horowitz. Gemeinsam mit dem Sing- und Tanz-­Komödianten Larry Feinberg beschloss man Stan und Ollie heimzuschicken und den Slapstick­humor auf einen neuen Level zu bringen. Nach der Umbenennung in Moe Howard, Shemp Howard und Larry Fine ging es unter der Anleitung von Produzent Ted Healy zuerst zum Friseur und dann ans frohe Schaffen. Die Rollen wurden verteilt (Moe = der brutale Choleriker, Shemp = der tollpatschige Symphatiker, Larry = der vermit­teln­de Vernünftiker), und man begann sich in diversen Theatern und Clubs zu verdingen. 1930 stieg Shemp Howard aus und sein jüngerer Bruder Jerome, genannt Curly, ein. In dieser Besetzung produzierten die drei Stooges bis 1946 eine Unzahl von Kurzkomödien fürs Kino; zunächst für MGM dann für Columbia. In wechselnder Besetzung (für Curly kam wieder Shemp, für Shemp Joe Besser, für Joe Besser Joe DeRita…..) setzte sich die Arbeit der Bratpfannen-Humor-Kaiser noch bis tief in die 60er Jahre fort und sie brachten es tatsächlich noch auf einige Movies mit Spielfilmlänge und eine kurzlebige TV-Show. Die Tode von Moe und Larry im Jahr 1975 beendeten schließlich endgültig dies es Kapitel amerikanischer Entertainment-Geschichte. So. Hamma wieder was gelernt. Herzlichen Dank für ihre Aufmerk­samkeit. mk





Links:
The three Stooges
The Stooges MySpace
Iggy Pop
Stooges Filmography

The Stooges Discography:
(1969) The Stooges
(1970) Funhouse
(1973) Raw Power

_retour