Was zum Geier ist ein Tattoo?
Markus, 10.3.2008
  „Na a „Peckerl“ heast!!“ hören wir schon die werte Leserschaft dem Monitor ent­ge­gen brüllen. Um damit hat sie natürlich Recht, die Leserschaft. Aber auch zum Begriff Tattoo lässt es sich bei genauerer Betrachtung vortrefflich klug scheißen! Also machen wir das mal ...

     1. Tattoo, the (die Tätowierung): Eine Tätowierung ist ein Bild oder Text, das bzw. der mit Tinte oder diversen anderen Farbpigmenten mittels Tätowiermaschine durch Nadeln in die obere Hautschicht eingebracht wird. Mhm, wissen wir. Aber woher kommt das Wort Tätowierung bzw. Tattoo eigentlich? Was gibt es über seine Etymologie zu berichten? Und wie verlief die Reise des Tattoos vom äußeren Randbereich unserer Gesellschaft ihn deren Zentrum?
   Man nimmt an, dass das Wort Tattoo ursprünglich vom tahitischen Wort tatau abstammt. Soweit sind sich alle einig. Darum hieß die Tätigkeit des Tätowierens in unseren Breitengraden einst Tatauieren. Ein Begriff den der geübte Völkerkundler im Übrigen noch immer für dieses gewitzte Kunsthandwerk benutzt. Und was heißt tatau? Nun da gehen die Meinungen auseinander. Der „Duden“ erzählt uns z.B. das tatau „Zeichen, Malerei“ heißt. Naja. Kommt doch ein bisschen zu vordergründig und offensichtlich des Weges diese Erklärung. Nein, nein, da gefällt uns die Erklärung des „kleinen Brockhaus“ schon besser, der da schreibt, dass das Wort Tätowierung (Tatauierung) von tahitisch ta tatau (= schlagen) abstammt. Nett. Am schönsten leitet es aber das Online-Lexikon „Wikipedia“ her, wo geschrieben steht, dass sich das Wort tatau „vermutlich lautmalerisch (!) aus dem Geräusch entwickelt hat, das beim Schlagen (!!) auf den in Polynesien traditionell be­nutz­ten Tätowierkamm (!!!) entsteht.“ Bumm. Einer vierten Erklärung zur Folge könnte das Ganze aber auch ein einziges Missverständnis sein und tatau überhaupt etwas ganz anderes bedeuten: Womöglich antwortete nämlich ein tahitischer Ur­ein­wohner auf die Frage eines von der Bounty entflohenen Seemanns, was das für eine schöne Zeichnung auf seinem linken Ober­arm sei und wie man das denn eigentlich nennt, mit den Worten „Tut ma leid, ich kann kein Englisch!“ und das hieß in dieser Inselsprache zur damaligen Zeit eben Tatau. Der Seemann verstand natürlich kein Wort und fortan sollte diese Malerei also „Tut ma leid, ich kann kein Englisch!“ heißen. Auch gut.
   Die Seeleute und Soldaten sollten es dann auch sein, die das Tattoo in die Alte Welt brachten, wo es lange Zeit ein Schattendasein unter Matrosen, Soldaten und Schwer­verbrechern fristen musste. Nach und nach, durch den Umgang mit Soldaten und zwielichtigen Gesellen geschult, schickte sich das gute Tattoo aber an mittels „Sickertaktik“ immer breitere Bevölkerungsschichten zu infiltrieren, und sich so die Karriereleiter empor zu hanteln. Die Entstehung des Rock`n`Rolls und in seiner Folge die der Popkultur sollten ihm dabei sehr behilflich sein. Rockstars, Videos und Musikfernsehen ebneten dem lieben Tattoo schließlich den Weg in die Wohnzimmer des Mittelstands. Und dort werden bekanntlich die Wahlen gewonnen, wie jeder „Spin doctor“ weiß. Nun, nicht unstolz kann das Tattoo das Unterfangen „Raus aus der Gosse!“ mittlerweile als gelungen betrachten! Vom Maturanten im Firmanzug über Hausmeisterinnen in bunten Kleiderschürzen bis zu Bankern in feinstem Armani-Zwirn: jeder hat irgendwo ein Tattoo darunter und die Marktabdeckung dürfte in der Zwischenzeit bei mindestens 50 % angelangt sein. Das einzige worüber das Tattoo jetzt womöglich noch traurig ist, ist die Tatsache, dass es nun in punkto „Rebellen“-Credibility und Verwegenheit in einer Reihe mit Blue Jeans, Ohrringerl und Stirnband  steht. Geschenkt. Man kann nicht alles haben ...

     2. Tattoo, the (der Zapfenstreich). Völlig unabhängig von tatau bzw. Tatauieren gab es im Englischen das Wort tattoo bereits. Dieses andere Wörtchen tattoo kommt aus der Militärsprache und bedeutet nichts anderes als „Zapfenstreich“. Die Herkunft dieses Wortes ist vermutlich ebenso eine onomatopoetische wie bei tatau. Über­setzt ins Deutsche wäre es gleich bedeutend, wenn man bei uns statt „Zapfenstreich“ „Tätarätääääää“ krakeelen und schreiben würde. Klänge halt ein bisserl unelegant. Jedenfalls hat das englische tattoo dem tahitischen tatau aufgrund der lautlichen Ähnlichkeit auf dem Weg zu einem größeren Bekanntheitsgrad in den angel­sächsischen Ländern ungemein geholfen. Schließlich waren ja auch den „tattoo“ blasende Soldaten mit die ersten, die sich ein „Peckerl“ in die Haut stanzen ließen, und daher bei der Schreibweise des neuen Wortes („tatau“) ein kräftiges Wörterl mit zu reden hatten. So wurde aus tatau über die Umwege tattaw und tattow sehr bald tattoo. Hamma wieder was gelernt. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. mk





Links:
Duden
Brokhaus
Wikipedia

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