Wer zum Geier ist Uwe Boll?
W-Bär, 31.10.2005
   Das haben wir uns auch gefragt und gleich einmal munter d'rauf los re­cher­chiert. Und was wir erfahren haben, schmückt uns ganz und gar nicht. Ganz im Gegentum. Uwe Boll macht Filme. Zumindest behauptet er das. Und er vergleicht sich gerne selber mit Regie­kapazundern wie Sergio Leone, Martin Scorsese und David Lynch. Was an­ge­sichts seiner bisherigen Großtaten (auf sein Konto gehen so halbseidene, bestenfalls B-Movies, wie "Bloodrayne", "Alone in the Dark", "House of the Dead" und "Dungeon Siege") und der Tatsache, dass man im ganzen weltweiten Web keine einzige positive Kritik zu einem seiner Filme findet, eher skurril anmutet.
  Wie kommt's also, dass ein selbst­ernannter, dermaßen unbegabter, Regie-Knilch immer größere Projekte in Angriff nehmen darf (für seinen momentanen Film "Dungeon Siege" hat er ein Budget von sagenhaften 60 Mio. US-$ zur Verfügung gestellt bekommen) und sich immer mehr Hollywoodstars (Christian Slater, Stephen Dorff, Ben Kingsley, Krstanna Loken, Michelle Rodriguez, Michael Madsen und jetzt kommt's Claire Forlani, Ray Liotta, Jason Statham, Ron Perlman und Burt Reynolds in "Dungeon Siege" aka "In the Name of the King") bereit erklären bei seinen Gräuel­taten mitzuwirken?!?
   Die Antwort ist entwaffnend einfach: Geld, Kohle, Asche, Moneten, Penunsen! Und das tonnenweise. Eine kleine Lücke im deutschen Steu­er­gesetz ermöglicht es Boll, mit schlechten Filmen massig Geld zu verdienen. Der entsprechende Paragraf besagt nämlich,  dass Filme, die an der Kinokasse floppen und wenig bis gar keinen Gewinn abwerfen, steuergünstig behandelt werden und so am Jahresende sogar noch Geld einbringen.
   Eine Produktentwicklung im Hause Boll schaut demnach folgendermaßen aus: Bolls' Firma (die Boll KG; die sich selbst rühmt der "World Market Leader in Video Game Adaptations" zu sein - was nicht unbedingt eine Leistung ist, da es sonst keine Firma gibt, die sich auf die filmische Adaption von Videospielen spezialisiert hat) kauft ganz billig die Rechte von meist zweit- bis drittklassigen Videospielen auf. Boll übernimmt in Folge die Produktion, indem er ein paar stinkreiche, alte Hollywood­säcke (hauptsächlich Deutsche, die sich des Steuerquargls in Deutschland durchaus bewusst sind!) überredet, schnell mal ein paar Millionen Dollar in sein nächstes Projekt zu investieren, und führt auch gleich noch selbst Regie. So kann ihm keiner was dreinreden und er kann sich sicher sein, dass der Film so richtig schön scheiße wird. Sollte der Film ein Erfolg werden und massig Kohle abwerfen gut, wenn nicht, dann wartet ja am Jahresende dank des deutschen Steu­er­gesetzes immer noch ein ordentlicher Batzen  Schotter.
   Es könnte einem ja schon die Grausbirn aufgehen, wenn man sich die offizielle HP der Boll KG zu Gemüte führt und sieht, dass seine Filme nicht etwa unter "Projekte" oder "Filme" angeführt sind, wie es normalerweise bei Filmproduktionsfirmen so üblich ist, sondern schlicht unter "Produkte". Nix anderes sind sie nämlich scheinbar traurigerweise - auch für ihn. Allerdings gibt's auch Gutes zu berichten. Jenes be­sag­te kleine Loch im deutschen Steuergesetz wird zur Zeit gerade gestopft. D.h. ab Jänner 2006 gibt's keine Belohnung mehr für schlechte Filme! Mal schauen, ob er's dann auch noch schafft Sponsoren aufzutreiben, oder ob er dann endlich - zumindest regietechnisch - die Patschn streckt. Hamma wieder was gelernt, danke für die Aufmerksamkeit, Auf Wiedersehen. W-Bär





Uwe Boll:
geb. 22.6.1965

Bollography:
(1991) German Fried Movie
(1993) Barschel - Mord in Genf?
(1994) Amoklauf
(1997) Das erste Semester
(2000) Sanctimony (TV)
(2002) Blackwoods
(2002) Heart of America
(2003) House of the Dead
(2005) Alone in the Dark
(2005) Bloodrayne
(2007) In the Name of the King

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