Was zum Geier ist die wahre Begebenheit?
Markus, 27.8.2007
   „Psycho“, „Haus der 1000 Leichen“, „Das Texas Kettensägen Massaker“,  oder „Das Schweigen der Lämmer“ haben alle etwas gemeinsam: einen Typen namens Ed Gein. Hmm, ein Autor? Ein Regisseur? Ein Ka­mera­mann? Nein! Eine wahre Ge­schichte, die seit geraumer Zeit als Inspiration für eine erkleckliche Zahl an Shockern her­hält. Es ist ja so, dass der gemeine Wald­und Wiesen-Horror-Film gerne mit dem Huibuh-Label „Nach einer wahren Be­ge­ben­heit“ protzt. Dieses Etikette liefert quasi die Lachgas-Einspritzung für Grusel und Gänsehaut. Credibility und Authenzität werden damit auf einen neuen Level katapultiert und verwandeln den Seher treffsicher in ein schepperndes Kluppen­sackl. Nach erfolgreicher, durch das kürzlich auf DVD erschienene Prequel „TCM 2“ inspirierter Recherche können wir zunächst festhalten: in ca. 7 von 10 Fällen handelt es sich bei der den Flicks zugrunde liegenden „wahren Begebenheit“, um die Ge­schich­te von Edward T. Gein aus La Crosse/Wisconsin.
   Der Amerikaner an sich hat bekanntlich ein rechtes Vergnügen dabei, sich an geistig abnormen Serienkillern zu ergötzen. Das geht dort sogar soweit, dass die Kopfgeschlagensten unter ihnen, wie z.B. Charles Manson, Wayne Gacy oder Ted Bundy, geradezu Kultstatus genießen und gerne auch popkulturell verwurstet werden. Eine bisserl jenseitige Eigenart der US-Gesellschaft auf der u.a. ein gewisser Brian Warner aka Marilyn Manson Mitte ´90 das Konzept seiner nach wie vor prächtig prosperierenden Band aufgebaut hat.

Eine kleine Gutenachtgeschichte

   Wer aber war nun dieser Edward Theodor Gein? Zunächst mal das zweite Kind von George P. Gein und Augusta T. Lehrke, geboren 1906. Seine Eltern hatten 6 Jahre zuvor geheiratet, der ältere Bruder Henry kam ein Jahr nach deren Eheschließung auf die Welt. Das triste Elternhaus war gekennzeichnet durch einen dauerillu­minierten Tunichtgut von Vater und einer ebenso fanatisch religiösen wie domi­nan­ten Mutter, die mit ihrem Lebensmittelladen das Einkommen der Familie stellte. Obwohl der permanent volltrunkene Vater seine Söhne des öfteren ver­prügel­te und seine Frau ihn zudem aus tiefstem Herzen hasste, kam aufgrund Mrs. Geins irregeleiteter Frömmigkeit eine Scheidung nie in Frage. Im Laufe der Zeit hatten sie genügend Geld angespart, um eine Farm in der Mitte von Nirgendwo, zwischen den Orten Plainfield und La Crosse, zu kaufen. Dies eröffnete der kräftig ange­tritsch­elten Augusta die Möglichkeit, ihre Kinder noch mehr von der Außenwelt abzuschotten und fernab von „schädlichen“ Einflüssen aufzuziehen. Und als schäd­lich galt eigentlich alles was nicht aus ihrem Munde kam. Sex und alle Frauen außer Mutti waren selbstverständlich das bei weitem größte „Pfui Gack!“ und den zwei Buben wurde mit Nachdruck das „heimelige“ Bild eines jede Verfehlung mit Schmackes abstrafenden Gottes vermittelt. Das Grundstück durfte zudem nur für den Schulbesuch verlassen werden, ansonsten befanden sich die zwei Heran­wachs­enden im ständigen Psycho-Würgegriff der Augusta Gein.

   Nachdem Vater George 1940 starb, kam es 1944 zum ersten eigentümlichen Zwi­schen­fall. Ein Großfeuer zerstörte Teile der Familienfarm und Edward Geins Bru­der Henry konnte nur mehr tot geborgen werden. Bei der Vernehmung durch die Polizei gab Ed Gein zu Protokoll, Henry im dichten Qualm aus den Augen verloren zu haben. Komischerweise konn­te er aber die diensthabenden Polizisten punkt­ge­nau zu der Leiche seines Bruders führen, welche zudem deutliche Schädel­frakturen aufwies. Trotzdem wurde im an­schlies­senden Polizeibericht „Erstick­ungs­tod“ als Grund für den Exitus an­geführt und die weiteren Ermittlungen eingestellt. Augusta Gein starb im Jahr darauf und Ed Gein lebte fortan alleine auf dem desolaten Anwesen. Obwohl sein Verhalten immer psychotischer wurde, sollten 13 Jahre durch die Lande ziehen bis sich wieder die Polizei auf Gein`s Farm einfand. Der Grund war das Verschwinden der 58jährigen Verkäuferin Bernice Worden. Gein sollte zu diesem Fall einvernommen werden. Was die Cops bei dieser Gelegenheit mehr zufällig als geplant entdeckten, ist mit grauslich und krank recht hilflos umschrieben: Neben der verkehrt von der Decke baumelnden, enthaupteten, gehäuteten wie ausgeweideten Mrs. Worden fanden sich auf dem Gelände noch zahlreiche weitere Leichenteile von mindestens 15 verschiedenen Menschen, darunter Nasen, weibliche Geschlechts­organe, ein mensch­liches Herz in einer Pfanne am Herd oder ein mit Hautteilen überzogener Stuhl. Der bizarrste Fund waren diverse Gesichtsmasken, die Gein aus Frauenleichen angefertigt hatte. Es war zunächst unklar, ob all diese Frauen von Gein selbst getötet wurden. Tatsächlich gestand dieser im Zuge der Einvernahme nur einen weiteren Mord, nämlich den an der 51 jährigen Wirtin Mary Hogan. Ansonsten gab er an, Leichen exhumiert zu haben, um aus ihnen „Kostüme“ zu fertigen, die ihm „helfen“ sollten, seiner viel geliebten, verstorbenen Mutter ähnlicher zu werden. Die wahre Herkunft der Leichenteile konnte mit den damaligen Möglichkeiten jedenfalls nie geklärt werden, auch der Vorwurf  des Kannibalismus blieb als reine Vermutung im Raum stehen. Da Ed Gein offensichtlich keine Schraube locker hatte, weil er bereits alle Schrauben verloren hatte, wurde er als nicht schuldfähig eingestuft und man überwies ihn lebenslang in das Central State Hospital in Waupun/Wisconsin, wo er schließlich 1984 einem Krebsleiden erlag.

   Kein Wunder, dass diese doch ganz schön arge Geschichte bereits kurze Zeit später („Psycho“/1960) in Filmdrehbücher einfloss. Die eine oder andere halblustige Metalband ließ die Story des Ed Gein übrigens detto nicht ungerührt. Es glänzten z.B. die US-Thrash-Metalopas von Slayer mit dem Song „Dead skin mask“. Die Metalcore-Schlawiner Mud­vayne trumpften wiederum mit dem Bruhabruha-Titel „Nothing to Gein“ auf und sogar die eher soften Grunger Blind Melon hatten das Edward Gein gewid­mete Liedchen „Skinned“ im Programm. Und weil wir vorher schon mal beim Herrn Warner waren: in dessen Begleitband fidelte einige Zeit ein Klampfer mit dem schmucken Künstlernamen Gidget Gein. Schon erwähnt, dass sich der Ami an sich gern an solchen Gschichterln ergötzt? Haben wir hiermit ebenso getan. Schande auch ... Wieder was gelernt, herzlichen Dank für ihre Aufmerksamkeit. mk





Ed Gein:
27.8.1906 - 26.7.1984

Links:
Mudvayne
Slayer
Marilyn Manson
Wikipedia: Ed Gain

Ed Geinography:
(1960) Psycho
(1974) Texas Chainsaw Massacre
(2003) House of 1000 Corpses
(2003) Texas Chainsaw Massacre

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