Was zum Geier ist Zahnseide?
Markus, 10.3.2008
Sheri Moon steht auf Tangas ...   Zahnseide dient dazu, die Zwischenräume der Zähne von Zahnbelag und Essensresten zu reinigen. Zahnärzte empfehlen, sie täg­lich als ergänzendes Werkzeug zur Zahn­reinigung zu verwenden. Die Ver­wendung beugt unter anderem Parodontitis vor. (Quelle: Wikipedia, freie Enzyklopädie)
   Die gute, alte Zahnseide! Wer kennt sie nicht, wer schätzt sie nicht? Nur warum zum Geier ist sie ein Thema für die LL? Nun Körper- und ins besonders Zahnpflege ist uns ein Herzensanliegen! Klare Sache. Aber trotzdem hört sich das Thema doch ein bisserl fad an. Wenden wir uns also schleu­nigst von der zwar wichtigen, doch gleich­zeitig auch sehr langweiligen Zahn­seide ab und dem ungleich spannenderen „fio dental“ zu. Das heißt ebenso Zahnseide. Aber auf Portugiesisch. Bzw. eigentlich auf Brasilianisch. Da gibt`s bekanntlich feine Unterschiede! Und die Brasilianer an sich sind kleine Schweinderl. Darum bezeichnen die mit diesem Ausdruck nicht nur dünne Fäden zur Säuberung des Mundraums, sondern auch knappe Höschen. Ganz, ganz knappe Höschen.  String-Tangas, um genau zu sein. Finden wir jetzt irgendwie passend. Und um die soll es im Folgenden auch gehen. Streng wissenschaftlich selbstverständlich, wie es die geschätzten Leser von uns gewohnt sind.
   Ähnlich wie das Tattoo (vgl. „Was zum Geier ist ein Tattoo?“) hat dieses süße Nichts, das sich da String-Tanga nennt, eine atemberaubende Karriere hingelegt. Vor 20 Jahren wurde er noch fast ausschließlich von Damen mit schlechtem Leumund getragen, war fest in der Rotlicht- und Porno-Branche verankert und für nicht in diesem Gewerbe arbeitende Frauen ein ziemliches „Pfui-Gack“. Im 3. Jahrtausend hingegen ist er ein unabdingbares „Must have“ und ebenso enge wie helle Sommer­hosen sind ohne ihn schlichtweg undenkbar. Pfuh, wie hat das damals in den 80ern gar fürchterlich ausgesehen als sie noch auf die verrückte Idee kamen normale Slips unter der weißen Capri-Hose über den Popsch zu spannen! Schauder, schauder ... Doch diese unglückseligen Zeiten voller visueller Blutgrätschen und daraus resultierenden ReckAnfällen sind nun glücklicher Weise vorbei. Uff, da sind wir aber froh!
  Weil bis hierher immer nur von Frauen in Zusammenhang mit Strings die Rede war und um erste kecke Zwischenrufe bezüglich „Herrenstrings gibt`s aber auch!“ gleich im Keim zu ersticken, sei gesagt: Strings für den Mann stellen im Tagesgeschäft der Unterwäsche- und Bademoden-Fabrikanten beruhigender Weise eine lässliche Größe dar und hätten bei uns auch sonst nichts verloren, da wir schließlich „Lei­wande Lounge“ und nicht „Grausliche Lounge“ heißen. Also konzentrieren wir uns auf den String ausschließlich in seiner Rolle als Accessoire für die holde Weiblichkeit.

  Geben tut`s diese Ahnung von einem Stück Stoff jedenfalls schon viel länger als man glaubt. Gut, dass diverse Naturvölker schon seit hunderten Jahren von ihm Ge­brauch machen ist nicht weiter überraschend. Was aber doch für ein verwundertes „Ah so, echt?“ sorgt, ist die Tatsache, dass bereits kurz nach Erfindung der Fotografie, also in etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, in Europa kleine schmutzige Bildchen von Damen im String die sabbernde Runde machten. Das beweist erstens, dass dieses Ding schon damals bei uns getragen wurde und zwei­tens, dass Fotografen von Anfang an mitunter ein bisserl versaut waren. Interessantes Detail, dass damals auch das Wörterl „G-String“ das Licht der Welt erblickte. Und nein, selbiges hat aber auch schon überhaupt nichts mit dem G-Punkt zu tun, denn den kannte man damals nun wirklich noch nicht. Die Leute des 19.Jahrhunderts, allesamt Schöngeister und kulturell beschlagen wie Araberhengste auf ihrem Huf, leiteten das „G“ im String von der stärksten Saite der Fidel ab. Und das ist, richtig, die G-Saite. Na schau dich  an!
   Dass er bereits damals die Bildfläche der Alten Welt betrat bedeutet weiters, dass er ziemlich zeitgleich mit der gemeinen Unterhose für die Frau vor den Vorhang huschte. Schließlich war es in den Jahrhunderten davor noch undenkbar, dass Frauen überhaupt so etwas wie „Höschen für darunter“ benutzen. Trotzdem blieb das Dreieckshöschen am Bande ca. 100 Jahre exotischen Tänzerinnen vorbehalten, bis schließlich das liberale Brasilien und seine Bademode für eine Trendwende sorgen sollten. 

   Nach den Wirren der sexuellen Revolution der 1960er mit all ihren Freizügigkeiten wurde nämlich eben da die konsequente Weiterentwicklung des „Oben ohne“-Trends in die Form eines G-String-Badehöschens gegossen. Als Laufsteg dienten die Strände Rio de Janeiros und flugs waren wieder unsere Freunde die Fotografen zur Stelle und hielten alles für europäische bzw. nordamerikanische Herren- & Lifestyle-Magazine fest. Richtig durchsetzen wollte sich das Ganze zwar noch nicht, doch immerhin erkämpfte sich der String in dieser Zeit einen festen Platz im Reizwäsche-Sortiment westlicher Unter­wäsche-­Hersteller. Ein erster Etappensieg also. Aber wer benutzte in den späten 70ern/frühen 80ern schon Reizwäsche? Eben. Vorwiegend Pornostars und Damen des horizontalen Gewerbes. Das Schmuddel-Image blieb folglich noch an ihm kleben wie frisch zerkauter Hubba Bubba an profilierten Schuhsohlen. Es sollte noch bis in die 90er dauern bis der „fio dental“ richtig salonfähig wurde. Da wurde nämlich irgendwann von irgendwem das modische Postulat ausgerufen, dass es absolut schiach, eitrig und überhaupt widerwärtig ist, wenn sich die Konturen von Damenschlüpfern auf der Oberfläche dünner Sommerhosen abzeichnen.

   Ja und damit waren die Dämme endgültig gebrochen. Weil jetzt ging`s dem String schließlich nicht mehr darum, der stets brunftigen Männerwelt den Schwitz auf die Stirn zu treiben, sondern sein vornehmstes Anliegen war es fortan, Frauen zu helfen missgünstiges Getuschel eifersüchtiger Geschlechtsgenossinnen zu vermeiden und er mutierte zu einem modischen Muss wie gezupfte Augenbrauen und rasierte Achselhöhlen. Trotzdem teilt sich die Damenwelt noch immer in Befürworterinnen und Gegnerinnen des „G`s“, weil findige Wäscheproduzenten mittlerweile dermaßen dünne Slips entwickelt haben, die erschütternde Abdrücke unter dünnen Hosen fast ebenso effizient verhindern wie der String. Das neueste, für uns Männer doch ein bissi verwirrende Argument der String-Anhängerschaft ist daher, dass er die mit Abstand bequemste Form von Damenhöschen darstellt. Na ja. Das können wir uns, bei aller Begeister ung für ihn, jetzt nicht ganz vorstellen, aber bitte. Auf der Gegenseite wiederum haben manch Unverbesserliche in beispiellosen Schmutz­kübel­kampagnen schon mal verlauten lassen, dass das ausgiebige Tragen von „Zahnseide“ Blähungen und schmerzhafte Entzündungen im Urogenital-Bereich verursacht. Hmpf, so genau wollen wir`s nun doch nicht wissen. Darum schließen wir unsere Recherche jetzt ganz schnell ab und stellen in demütiger Dankbarkeit fest, dass wir uns im Gegensatz zum hoch verehrten Frauenvolk, abseits von sinnfreien Artikeln wie diesem, über das Ding mit dem String keine Gedanken zu machen brauchen. Hamma wieder was gelernt. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. mk





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