Back nach Babylon
Mariella, 29.06.2013
   Kürzlich musste ich folgender Un­ter­hal­tung Beachtung schenken (vorrangig, weil ich durch die Nutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels dazu gezwungen war, nachrangig weil sie in so men­schen­ver­ach­ten­der Lautstärke geführt wurde, dass ich sie vermutlich auch so irgendwie mit­be­kommen hätte): unsere Zukunft 1, weib­lich um die 20, unterhält sich mit unserer Zukunft 2 von selbigem Alter und Ge­schlecht über „Ex and the City“. Folgende Sätze sollen einen kurzen Einblick in Qualität und Aufbau dieser Perlen sprach­lichen Eleganz geben: „AltER, ja, das hat mi echt ur amused, you know. Wenn he no amal so a sms schickt, then I will send him one back, that er never will forget. As we talk, I schick ihm jetzt ans. Und sie, waßt eh, she’s the ur bitch, wenn die wissat… sag amal, wie schreibt ma “believe”?” „Das weißt nicht, AltER?! B…I…L…I…E…V“ „Net mit zwa „L“?“ „Na….doch.“
Die weitere Unterhaltung möchte ich all jenen ersparen, die nicht gezwungen waren ihr zu folgen.

   Auf den ersten Gehörgang an den guten alten Wellensalat erinnert, begann ich langsam zu begreifen, dass die hippe Stadtjugend von heute offensichtlich mit vielen Zungen spricht. Denglisch quasi. Oder im Zuge einer Annäherung Europas an­ei­nan­der: eutsch. Doch mit Sicherheit ist hier noch nicht die Grenze erreicht, sind hier bei weitem nicht sämtliche Ressourcen sprachlicher Artistik erschöpft. Künftige Generationen werden Sätze, die nicht mehrere Wörter germanischer, romanischer und slawischer Sprachen, ein wenig Lokalkolorit sowie mindestens ein zeitgemäßes Pseudonym aufweisen, ungesprochen lassen.

Mit drei möglichen Folgen:

  1. in Zukunft ist alles erlaubt. Irgendwer wird es schon verstehen.
  2. wir folgen der Tradition des Herrn Zamenhof, schreiten gedanklich zurück nach Babylon und einen die vielen Zungen in eine, EU-weite und vielleicht sogar sich global durchsetzende Sprache
  3. (von mir bevorzugt) ich kann endlich wieder in Ruhe Straßenbahn fahren. Mariella










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