Fürst Bertl von Monaco
W-Bär, 12.06.2008
   Es war ein kalter Wintertag im De­zem­ber 1954. Er, wohlhabend, adelig und bockig wie ein junger Känguruhhirsch inmitten einer Herde brünftiger See­land­gnus, sie, ärmlich, jung, unerfahren und frisch aus Wien-Liesing. Es kam wie es kommen musste. Vier Minuten später war das Rüschenhoserl auch schon wieder oben, neun Monate später war er da, der Bertl. Samt blondem Fro und Gerüchten zufolge bereits kurz nach der Geburt mit einem zarten Flaum auf der Oberlippe. Heute ist der Bertl ein lebendes Wahr­zeichen, ein Volksheld, eine Legende. Vor allem in Favoriten und vielleicht auch schon bald in Monaco. Dort hat sein biologischer Papa gewohnt. Der wusste damals allerdings noch nichts von seinem Glück. Aber immer schön langsam mit den jungen Pferden ...

Ein Pantscherl kommt selten allein

   Louis Henri Maxence Bertrand Rainier Grimaldi, kurz Raini, war schon immer dafür bekannt kein Kostverächter zu sein. Seine zahlreichen Pantscherl mit jungen Dingern haben in der Vergangenheit schon des öfteren den Zorn seines Papas (sprich:  Papaaas) hervorgerufen. Im November 1954 war es wieder einmal so weit. Raini, damals schlanke 31 Jahre alt, bügelte gerade sein tibetanisches Hausmädchen im Wäscheschrank des elterlichen Anwesens, just zu jenem Zeitpunkt als Papa Pierre der Sinn nach frischen Unterhosen stand. Er erwischte seinen Sproß in flagranti und schickte ihn  wüst schimpfend zur Bestrafung auf „Kur" nach Wien, wo er einer Gruppe anonymer Sexsüchtigter beiwohnen sollte. Was sich noch als folgenschwerer Fehler erweisen sollte. Aber dazu kommen wir gleich.

Powidldatschkerl

   In Wien lernte unser Held, gleich nach seiner Ankunft ein adrettes junges Fräulein kennen, dass dem Charme des weitgereisten Hallodris auf Anhieb erlag. Noch ehe das junge Ding drei Mal Powidldatschkerl sagen konnte, hatte ihr der junge Raini auch schon einen Braten in die Röhre geschoben, sie unsanft abserviert und zum Abschied leise Servus gehaucht. Natürlich würde er ihr schreiben und sie schon bald nach Monaco holen, aber zuerst müsste er sich noch um eine private Angelegenheit kümmern. Schließlich war man ja auf Sexentzug.
  Nachdem den alten Hudler und vermeintlichen Schluckspecht (auch dazu kommen wir gleich) aber auch nach der neunten Sitzung immer noch der Drang der lüsternen Defloration quälte, er das adrette junge Fräulein bereits vergessen hatte und unverdrossen weiterstelzte, sah sein alter Herr entmutigt ein, dass es wohl keinen Sinn hatte und holte den Rabauken zurück nach Hause.
   Doch so leicht sollte er dieses Mal nicht davon kommen. Um ihn erzieherisch doch nach am verzogenen Schlaffitchen zu packen, arrangierte Papa Pierre im April 1955 mit Hilfe der französischen Zeitschrift Paris Match ein Treffen mit der schon damals furchteinflößenden Grace Jones, die ihm die adeligen Wadeln ordentlich nach vorne richten sollte.

Grace Jones Kelly

   Der gut gemeinte Schuss ging allerdings gehörig nach hinten los, da die zuständige Frau Redakteurin besagter französischen Zeitschrift ebenfalls ein dezentes Alkoholproblem hatte und in ihrem Dusel anstatt der grimmigen Grace Jones, die knackige Grace Kelly an die Riviera einlud. Und so schnell hatte der alte Fürst gar nicht schauen können, war es um seinen Buben auch schon geschehen. Ein Jahr später wurde geheiratet und die jungen Grimaldis lebten fortan glücklich und zufrieden. Nun, nicht ganz. Er begann schon bald zu saufen weil sie ihn nicht ranließ und sie reiste lieber in der Welt herum, weil er dauernd ran wollte und ständig besoffen war. Und es sollte noch schlimmer kommen. Während die Jungvermählte wieder einmal in Indien weilte um Seidenschals zu schoppen, erreichte den daheimgebliebenen Stelzbock ein folgenschwerer Brief aus Wien-Favoriten: Papa sei er geworden, der Bub hieße Herbert und wäre ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. So stand es da geschrieben. Zwei Flaschen Obstler später wusste unser Held, dass er a) ein veritables Problem und b) wieder einmal ganz schön einen picken hatte. Er beschloss dem jungen Ding aus Österreich finanziell unter die Arme zu greifen und versprach ihr, bis an ihr Lebensende für sie zu sorgen, wenn sie niemandem von der vermaledeiten Vaterschaft erzählen würde. Was der jungen Mutter wiederum ganz recht war, da sie sich bereits unsterblich in einen anderen namens Prohaska verliebt hatte.

Der Anfang vom Ende

   Nachdem der Marquis de Guiscard 1982 seine holde Angetraute bei einem Autounfall verlor und ihm weder seine Kinder Caroline, Albert und Stephanie, noch der Alkohol Trost spenden konnten begann er ein wenig zu recherchieren. Mit stolzgeschwellter Brust stellte er schnell fest, dass sein Herbert mittlerweile zu einem der weltbessten Fußballer gereift war und er ihm offensichtlich neben dem vollen Haar auch noch einen schmückende Oberlippenbart mit auf den genetischen Weg gab. Da ihm die Platte seines Sohnes Albert immer schon ein Dorn im fürst­lichen Auge war, beschloss er zudem ein schriftliches Geständnis seiner jugendlichen Verfehlungen abzulegen. Allerdings überkamen ihn im letzten Moment doch noch moralische Bedenken und er vergrub sein Geständnis stattdessen im Garten. Sollte er allerdings seines Sohnes 50. Geburtstag noch erleben, so würde er ihm feierlich das monac’ sche Zepter überreichen und ihn als Erstgeborenen an seine Seite holen.

War wohl nix

   Am 6. April 2005, just vier Monate vor Sohnemann Herberts 50. Geburststag, segnete Fürst Louis Henri Maxence Bertrand Rainier Grimaldi das Zeitliche. Das Geheimnis um den Sohn, von dem niemand wusste, nahm er mit ins Grab und auch die Mutter weigerte sich bis dato beharrlich dieses preiszugeben. Der kleine Herbert, der von all dem immer noch nichts ahnt, ist zwar mittlerweile nicht mehr klein, und schon gar nicht mehr der Jüngste, schaut aber seinem verstorbenen alten Herren immer noch zum Verwechseln ähnlich. Und wir wären ja nicht die LL, wenn wir so etwas nicht aufdecken würden. W-Bär









Links:
Rainer III.
Herbert Prohaska
Grace Kelly

_retour