Die äußerst herzerfrischenden Begebenheiten ...
Burt Viola, 9.12.2010
...und erzählenswerten Abenteuer des Bücher- und Eventbusses der Gemeinde Wien oder Die merkwürdige Liebe der Wiener zu Luftballons

   Apéritif: In jenen Tagen des Jahres 2010 erließen diverse Magistratskaiser den Befehl den Bücherbus in Ver­an­stal­tungs­lis­ten einzutragen und diesen dann auch dort in natura zu präsentieren um die allgemeine Bekanntheit der Büchereien Wien ins Unermessliche zu steigern. Dies geschah natürlich nicht zum ersten Mal. So zogen nun die schicksalsgebeutelten Mitarbeiter des Bücherbusses los, hinauf zu den Stätten der Veranstaltungen um sich und die Büchereien Wien dort der Weltöffentlichkeit zu präsentieren 1):

   29./30. Mai 2010 - Leistungsschau des Magistrat Wien: Wer hat der hat. Und wer damit auch noch umgehen kann sollte auch tunlichst damit protzen. Das Magistrat der Stadt Wien tat dies heuer bereits zum zweiten Male, legte sein schönstes Frühlingsgewand an und präsentierte sich seinen Bürgern auf dem Rathausplatz im schönsten Aufputz. Die Wasserwerke zeigten uns wie Wasser funktioniert, bei den Stadtgärtnern wurde uns gelehrt wie das so ist mit den Blumen und den Bienen und unsere tapferen Feuerwehrmänner und Rettungshelfer ließen unsere subjektives Sicherheitsgefühl in den Himmel wachsen. Doch genau dieser erdreistete sich das fröhliche Treiben zu ignorieren und schickte ein Gewitter apokalyptischer Ausmaße. An vorderster Front, am Platz an der Ringstraße, stemmte sich der Bücherbus tapfer gegen die Unbill des stürmischen Regengusses. Kaum wer der unheimliche Zauber vorüber, bestritten die dort werkelnden Bibliothekare die restlichen Stunden und Tage mit der Präsentation der wohlfeilen Angebote der Büchereien Wien und dem zusammenbasteln tausender Luftballons zur allgemeinen Freude der Wienerinnen und Wien. Der Erfolg war ihnen damit sicher.

   1. – 23. Juni 2010 - Wiener Bezirksfestwochen: Und weil der Juni blöderweise 30 Tage hat, Wien aber nur 23 Bezirke und es den tüchtigen Beamten der Stadt Wien nicht und nicht gelingen wollte den Juni einfach auf 23 Tage zu verkürzen (bzw. rasch 7 neue Bezirke einzugemeinden), fanden die täglichen Bezirksfeste halt nur bis zum 23. Juni statt. Am 1. Juni fand sich der kleine Tross, bestehend aus Bühne, Wurst­stand, Partyzelten, dem Hackbus und dem Bücherbus, Am Hof im ersten Bezirk ein. Außentemperatur 7°C, Regen, Wind ... Zweiter Tag, Zweiter Bezirk. Dritter Tag, Dritter Bezirk usw, usf. Das Wetter wurde besser, die Leute wurden mehr. Jeden Tag boten einem die Veranstalter ein neues Programm, Wiener Lied und HipHop, burgenlandkroatische Volkstänze und Tanzperformances: bunt ist das Dasein, und das freut uns. Der Bücherbus bot altbekanntes aber vielgeliebtes: Luftballons, aber auch Die ganze Information. Wollte man den Bücherbus als mobile Auslage bzw. mobiles Plakat der Büchereien Wien bezeichnen, hätte das durchaus seine Richtigkeit. Und somit glänzte der Bücherbus ein knappes Monat lang durch seine reine Anwesenheit, benutzte die Bezirksfestwochen dazu sich unterbewusst in die Hirne der zahlreichen Besucher hineinzusetzen auf das diese dann massenhaft die Büchereien stürmen sollten.

   4. Juli 2010 - Startfest des Wiener Ferienspiels: Heiß wars. Die vorbereiteten Luftballone platzen vor Freude und Hitze.

   1. Oktober 2010 - SeniorInnentag: Zwischen Blasentee und Stützstrümpfen lässt es sich gar trefflich über die wunderbare Welt der öffentlichen Büchereien diskutieren und so stand also der Bücherbus im pittoresken und gleichzeitig imposanten Arkadenhof des schmidtschen Rathauses, um der goldenen Generation unserer Zeit zu zeigen was diese, unsere schöne Stadt so alles zu bieten hat. Die Besucher und –Innen waren munter bei der Sache und angeregt im Gespräch mit unseren freiwilligen SeniorenvertreterInnen die auskunftsfreudig und gewandt sämtliche Anfragen feenleicht und spritzig beantworteten. Die Luftballons, in diesem Fall für diverse Enkerl und sonstige infantile Verwandte wurden munter verteilt und als dann schließlich eine gewisse Frau Brigitte Jazz die Bühne enterte und mit derben Scherzchen das noch anwesende Publikum, im Besten Sinne des Wortes zum Kochen brachte, war es für den Bücherbus wieder an der Zeit sein Ränzlein zu schnüren und von Dannen zu ziehen.

   18. – 21. November 2010 - Buch Wien 10: "Lesen die Kinder heute überhaupt noch?" Diese Frage wurde einem anwesenden Bibliothekar bei der heurigen Buchmesse von dort recherchierenden Publizistikstudenten gestellt. Im vollsten Brustton der Überzeugung bejahte der Bibliothekar die Frage natürlich, hatte er doch die ersten beiden Vormittage dieser Messe, Donnerstag und Freitag, mit Freude beobachten können wie Hundertschaften von Klassen durch die Halle geschleust wurden und sich die Kinder begeistert und glitzernden Auges sämtlichen dort aufliegenden Werbegeschenken bemächtigten. Kugelschreiber, Poster, Lese­zeichen, Süßwaren, Tragtaschen, Klebetattoos und natürlich: Luftballons! Eigentlich eine Gemeinheit diese Frage ... Das Wochenende gestaltete sich dagegen noch erfreulicher. Die Messe war durchaus gut besucht und die Menschen zeigten auch Interesse an den Büchereien Wien. Die am öftesten gestellte Frage, gleich nach: "Kann ich Luftballon!?", war die Frage nach der eben erst installierten Virtuellen Bücherei. Ob es sich nun um schon eher fortgeschrittene Benutzer mit speziellen Anfragen handelte oder um überraschte Neuentdecker dieses neuen Angebotes, das Interesse daran war sehr breit gestreut. Obwohl man durchaus eine Tendenz beobachten konnte was das Alter der Fragenden betraf, so pendelte sich der Durchschnittwert bei männlich/50+ ein. Und weil die Schweizer so ein herzensgutes Volk sind und auf ihre Nachbarländer schauen, hat sich heuer bereits zum zweiten Male der schweizer Stand dazu bereit erklärt sämtliche dort ausgestellten Medien den Büchereien Wien zu stiften und machen uns damit naturgemäß eine patzen Freude. Artig verbeugten sich die österreichischen Bibliothekare in großer Dankbarkeit vor der schweizer Gesandtschaft, verluden die guten Gaben, schüttelten der BuchWien2010 zum Abschied noch einmal die Hand und verbrachten diese dann anschließend in sicheres Gewahrsam.

   Digestif: Und alle, die dies alles hörten und sahen, staunten über die Worte und Taten der Büchereien Wien. Ein Bibliothekar aber bewahrte alles, was geschehen war, in seinem Herzen und dachte darüber nach um nun darüber zu berichten. Die tausenden Besucher kehrten zurück, rühmten das Magistrat der Stadt Wien und priesen es für das, was sie gehört und gesehen hatten, denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war 2). bv

1) teilw: Lk 2, 1-20 / 2) teilw.: Lk 2, 1-20






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